15.07.2019 - 13:35 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Robert Bilý im Kloster Speinshart: Ein Naturtalent jagt über die Tasten

Wer den wertvollen Steinweg-Flügel in Speinshart bespielt, hat schon meist seine internationale Bewährungsprobe hinter sich. Das bestätigt sich beim Auftritt eines jungen Meisterpianisten.

Mit voller Leidenschaft und Hingabe "beflügelte" Robert Bilý in Speinshart mit Klavierwerken europäischer Meisterkomponisten
von Robert DotzauerProfil

Während „um die Ecke“ beim Feuerwehrfest die Blasmusik den Ton angab, war es im wundervollen Ambiente des barocken Musiksaales Robert Bilý, der die Besucher auf eine spannungsgeladene kammermusikalische Reise mitnahm. Der Enthusiasmus des jungen Meisterpianisten übertrug sich direkt auf die gebannt lauschende Hörerschaft. Schon als Schulanfänger begann er mit dem Klavierspiel. 15 Jahre später ist das Nachwuchstalent aus Tschechien zigfacher Preisträger nationaler und internationaler Auszeichnungen.

Bilý fühlt die Musik und setzt sie am Piano sensationell um. Die Besucher erlebten einen klavierbesessenen Künstler, der mit verblüffender Fingerfertigkeit und Leichtigkeit und dann wieder donnernd wie auf einem Schlagzeug seinen Flügel beherrschte. In verblüffender Technik und unglaublicher Präzision vertiefte sich Bilý in die vielfältigen Facetten der ausgewählten Kompositionen. Er selbst wurde zum Erlebnis. Der Pianist bezauberte mit einer Aria voller Esprit. Am Sonntagnachmittag blieb bei aller formalen Strenge und Konstruktion vor allem eines: betörend schöne Musik.

Einer Themenreise gleich setzte sich der noch an der Universität Mozarteum in Salzburg studierende Bilý, wie könnte es anders sein, mit Wolfgang Amadeus Mozart auseinander. Bereits nach den ersten Tönen mit den unendlichen Bögen der berühmten Klaviersonate Nr. 12 in F-Dur war das Publikum gefangen. Äußert zart und stets dem geordneten Wohlklang verpflichtet, gelang schon der Konzertauftakt meisterhaft. So muss man Mozart spielen. Bravo – weiter so. Auf diesem hohen Niveau sollte es bleiben.

Die „Sonate pour piano“ von Henri Dutilleux stand auf dem Programm. Als der Komponist 2013 im Alter von 97 Jahren starb, titelte eine große Zeitung: „Der van Gogh der klassischen Musik ist tot“. Melancholisch getragen, versunken, dann wieder sprühend ausufernd meisterte Bilý das 25-minütige Werk mit einem überwältigenden Klang-Cluster, schrill und dissonant, hochspeziell und einfach aufregend. Weitere Klanginseln schuf der Künstler mit einem musikalischen Erinnern an Franz Liszt und den „Mephisto-Walzer Nr. 1 in a-Moll“.

Dieser musikalische Farbenzauber setzte sich auch nach der Pause fort. Aus den unerschöpflichen Werken Ludwig van Beethovens erklang dessen „Klaviersonate Nr. 6 in F-Dur op. 10“. Wo andere froh sein können, die Sonate unfallfrei zu bestehen, war der couragierte Bilý ein phänomenaler „Erzähler“, präzise bei jedem Lauf, berührend bei jedem Anschlag und brillant zwischen den rasanten und zarten lyrischen Passagen. Die Ansprüche blieben hoch. Erst recht mit Sergei Prokofievs siebter Sonate, die mit dem „Precipitato“ endete, so als hätte jemand nach den Leiden des Krieges Kraft geschöpft und alle Reserven zum Überleben mobilisiert. Ein starkes Konzert, das Robert Bilý nach den nicht enden wollenden Beifallsstürmen mit einer fulminanten Zugabe bereicherte.

 

 

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