17.09.2018 - 15:30 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Speinshart "in der Reißen"

Ein Quartett der Katholischen Landjugend stichelt beim Derblecken gegen Bürgermeister und Vereine. Die, die im Fokus stehen, nehmen es mit Humor.

Gespannt warten die Speinsharter bei ihrer Kirchweih auf eine Kult-Stunde. Das Derblecken durch Mitglieder der Katholischen Landjugend gehört zu den Höhepunkten der Kirwa. Unser Bild zeigt mit Frater Korbinian, Jasmin Kroher, Helena Diepold und Sabrina Seitz (von links) das Quartett, das den Speinshartern wieder mächtig einschenkte.
von Robert DotzauerProfil

Es ist schon seit einigen Jahren eine Kult-Stunde: Dem Kirwa-Ausgraben, dem Baum-Aufstellen und dem rituellen Austanzen der Kirwa-Paare folgte zum Auftakt das Derblecken. Für die Landjugend eine große Herausforderung, das Geschehen des Jahres bissig und humorvoll wiederzugeben.

Ganz im Sinne des weiß-blauen Verständnisses "leben und leben lassen" trumpfte die Katholische Landjugend bei der Kirwa mächtig auf. Bei zünftiger Kirchweihstimmung waren es Helena Diepold, Jasmin Kroher, Sabrina Seitz und Frater Korbinian, die beim Derblecken den Speinshartern kräftig einschenkten. Es gab ja immerhin eine Menge an Vorlagen, die zu Sticheleien reizten. Schonungslos deckten die Vers-Schreiberinnen samt dem Chorherren manche Geschichte aus dem Vereinsgeschehen, Geheimnisse aus dem Klosterleben und Skurriles aus der Kommunalpolitik auf. "Ich freue mich jedes Jahr auf diese Momente", bemerkte Bürgermeister Albert Nickl, obwohl auch er im Fokus stand.

"Versprechen douda Gott und die Welt, Gutscheine und Geschenke, jamei is der bleyd", legte das Landjugend-Team mit Blick auf den Bürgermeister gleich los. "Beim Lastwong zöing oder beim Bedienen, kurz vor der Bezahlung dout er fliehen." Mitleidig beobachteten die Gstanzl-Dichter- und Sänger Nickls Einsatz beim Seilziehen zum Bürgerfest: "Da Albert houd bei die Weiber mitzong, mit aller Kraft houda se verbong. Hinkn houd a meyn, Schmerzen worn dou, doch da Alkohol houd a geholfen danou". Ein Vergleich zwischen den beiden Feuerwehren der Gemeinde endete mit der Feststellung: "Döi Spoinsada Wehr is a Vorbild für d'Gmoi, dou kumma die Tremmersdörfa lang nu ned oi". Nicht verschont vom "Verrat" blieb auch der mitwirkende Frater Korbinian. "Mit die Woid Boyz houta sie troffn, übertrong im Fernsehen, im BR ist gloffn. Sei Zimmer wollt'ns seng, dou hout's a Gschieß gem, a Bomben hout eigschlong, Alles ist im Weg gleng." Aus dem Kloster hielten sich die Neuigkeiten in Grenzen. "Es gibt nix neis, blouß an üblichen Zigarettenverschleiß. Warum döi vüll rauchn, des ist die Frage, in Spoinsad gib's doch koi grouße Plage".

Angesichts der "Cold-Water-Challenge" hatten die Protagonisten einige Vereine "in der Reißen". "Die ganze Gmoi houd Föiß ins Wasser ghalten, fast wärns dafrohrn, döi Gestaltn. Sogar die alten Weiber vom Frauenbund hom mitgmacht und wurden wund."

Fulminant ging es weiter. Auch das Jubiläum des FC Tremmersdorf/Speinshart war ein Thema. "Da FC houd Jubiläum ghabt, dou san alle a bissl übergschnappt. Rentiert hout sichs oba gscheid, dou houts a bor Flocken in Kasse eigschneid." Selbstverständlich wussten die Damen und der Chorherr auch Einiges aus dem Hause des Bürgermeisters. Im Zusammenhang mit einer Holzlieferung habe der Albert wieder eine seiner vielen Versprechungen umgedeutet, hieß es. "Die Kloi houd mit Hulz gsägt. Da Albert houds bestochn, dass a Auto kröigt". Das Sänger-Quartett verriet die Wahrheit: "Kröigt houds a alts Auto, etza mous a Scheppakistn foahrn, döi wollt a neis Auto, anstatt dem alten Koarn". Unruhe entdeckten die Vier im Ortsteil Zettlitz bei dem neuen Baugebiet. "Der Burgamoista kröigt Feia, weil des Baugebiet ist worn vül zu teier". Auch Planungsmängel wurden entdeckt: "A kloina Strouß ist durchzung worn. Oba die Müllabfuhr kann ned durchfohrn".

Der umjubelte Auftritt endete mit Betrachtungen der 90er-Party, der Vorbereitungen zum Feuerwehrfest 2020 und zur Spendenpraxis der Gemeinde. "Unsere Gmoi halt vo Spenden nix, dou sans ganz schöi geizig, ach Kruzifix".

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