15.05.2020 - 13:44 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Wählerliebling bleibt zweiter Bürgermeister

In der CSU-Hochburg Speinshart bleibt alles beim alten. Die CSU stellt in der neuen Wahlperiode neun von zwölf Gemeinderäten, einer mehr als bisher. Wie bisher schon regiert ein souveräner "Stimmenkönig" als "Vizekönig" die Gemeinde.

Bürgermeister Albert Nickl (Bildmitte) vereidigt in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates vier neue Mitglieder. Im Bild (von links) Martin Rodler, Benjamin Roder, Johann Meyer und Gabi Scherl. Das einzige weibliche Ratsmitglied begrüßt Nickl mit einem bunten Frühlingsstrauß
von Robert DotzauerProfil

Glutrot versank die Sonne im leuchtenden Abendrot am Horizont und verlieh mit ihren letzten Strahlen dem Musiksaal des Klosters ein mystisches Ambiente. Und das zu einer Stunde, als in der prachtvollsten Räumlichkeit der Prämonstratenser-Abtei zum ersten Mal in der neuen Legislaturperiode der Rat der Gemeinde tagte.

"Abendrot – Schönwetterbot'", heißt es in einer alten Bauernregel. Auf „schönes Wetter“ hoffen auch Bürgermeister und Gemeinderat. Jedenfalls ließen die äußeren Zeichen an diesem Abend das Gremium hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Die Voraussetzungen dafür seien gut, fasste Bürgermeister Albert Nickl zum Start in die nächste Wahlperiode zusammen. Er wünschte sich eine Zukunftsgemeinde, „in der es sich gut leben lässt und in der sich alle wohlfühlen“.

Nach seinen einführenden Worten für die neuen Räte über die Grundsätze und Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung legte Nickl allen Mitgliedern des Gremiums nahe, stets das Allgemeininteresse in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen zu stellen. Bei Wünschen Einzelner oder einzelner Ortschaften sei nach der besten Lösung für die gesamte Gemeinde zu suchen. „Undank ist deshalb manchmal vorprogrammiert“, gab er den Gemeinderäten dabei schon einmal mit auf den Weg.

Der Bürgermeister empfahl zudem, bei Diskussionen und Gesprächen stets „den guten Ton“ zu wahren und die Spielregeln der Sachlichkeit, Fairness und Ehrlichkeit einzuhalten. Mit Blick auf die Coronakrise schwor er auf schwierige Zeiten ein und appellierte an Rat und Bevölkerung, dennoch den Pessimismus hintan zu stellen und auf neue Chancen zu hoffen.

Diese zu nutzen, zitierte der Gemeindechef das afrikanische Sprichwort: „Wenn du schnell gehen willst, geh alleine. Wenn du weit gehen willst, geh zusammen.“ In diesem Sinne wünschte er sich für die künftigen Herausforderungen ein starke und geschlossene Mannschaft.

Es folgte die feierliche Vereidigung der neu gewählten Gemeinderäte Johann Meyer, Benjamin Roder, Martin Rodler und Gabi Scherl (alle CSU). Das nunmehr einzige weibliche Mitglied im Gremium begrüßte der Bürgermeister mit einem farbenfrohen Frühlingsstrauß.

Keine Änderungen gab es bei der Anzahl seiner Stellvertreter. „Seit 1990 bewährt sich die Lösung, nur einen Stellvertreter zu wählen“, sagte Albert Nickl. Diese Regelung passe auch zur Größenordnung der Gemeinde. Der Rat schloss sich diesem Vorschlag einstimmig an.

Einstimmigkeit herrschte auch bei der anschließenden Wahl des zweiten Bürgermeisters. Zunächst aber erinnerte CSU-Fraktionssprecher Christian Höllerl bei seinem Plädyer für Roland Hörl an dessen grandioses Wahlergebnis bei der Kommunalwahl. Eigentlich habe schon die Bevölkerung mit dem Stimmzettel entschieden, merkte Höllerl an, um schließlich auch noch an die gute Arbeit und das vertrauensvolle Miteinander Hörls als Nickl-Stellvertreter in den beiden vergangenen Wahlperioden zu erinnern.

In geheimer Wahl votierten zwölf Gemeinderäte für Roland Hörl, eine Stimme war ungültig. Als erster Gratulant nannte Albert Nickl das Wahlergebnis „gut für die Gemeinde“. Der alte und neue zweite Bürgermeister wandte sich an Wählerschaft und Gemeinderat, um für das überwältigende Vertrauen zu danken und versicherte: „Ich bleib so, wie ich bin.“ Hörl wünschte sich eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit Ratsgremium und Einwohnern.

Unspektakulär waren die folgenden Entscheidungen zur Regelung von Fragen des örtlichen Gemeindeverfassungsrechts. Die sechs Paragrafen waren rasch abgehandelt. Auffallend ist der Verzicht des Rates auf einen Bauausschuss. Es sei praktischer, den baulichen Themenkomplex im gesamten Gemeinderat zu behandeln, hieß es. Die Sitzungsgeldentschädigung wurde auf 30 Euro je Sitzung festgelegt. Der Satzungsbeschluss erfolgte einstimmig.

Bis auf wenige unbedeutende Änderungen billigte das Gremium auch die Geschäftsordnung, die sich weitgehend an der Mustergeschäftsordnung des Bayerischen Gemeindetages orientiert und die im Wesentlichen die Aufgaben des Gemeinderates und den Geschäftsgang regelt. Neu ist die Absicht, für Sitzungsladungen und Protokolle ein Ratsinformationssystem einzuführen. Die elektronischen Hilfestellungen sollen künftig die Ladungen in Papierform ergänzen.

Im Blickpunkt:

Wasserzweckverband: 13 Männer vertreten Speinsharts Interessen

Für insgesamt vier Ausschüsse waren Mitglieder zu bennen. Entsprechend der Vorgaben des Hare-Niemeyer-Verfahrens entfielen für die Berufung in den Rechnungsprüfungsausschuss vier Sitze auf die CSU und einer auf die Freien Wähler. Zugunsten des Grünen-Vertreters verzichtete die CSU auf einen Sitz. Im Ausschuss vertreten sind zweiter Bürgermeister Roland Hörl als Vorsitzender kraft Amtes, Christian Höllerl, Robert Kausler, Johann Mayer und Gabi Scherl.

In die Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft Eschenbasch entsendet die Gemeinde Richard Neukam und Robert Kausler. Kraft Amtes ist Bürgermeister Albert Nickl VG-Rat. Mitglied des Schulverbandes am Rauhen Kulm ist künftig Benjamin Roder. Der Bürgermeister ist von Amts wegen Mitglied und derzeit der Schulverbandsvorsitzende.

Für je 30 Hausanschlüsse stellt die Gemeinde für den Wasserzweckverband Seitenthaler Gruppe einen Verbandsrat. Auch Nichtmitglieder des Gemeinderats gehören der Verbandsversammlung an. Als Vertreter Speinsharts bestellte das Gremium folgende Männer: Bürgermeister Albert Nickl (kraft Amtes), Norbert Ackermann, Max Henfling, Thomas Gmelch, Holger Götz, Roland Hörl, Roland Lins, Wolfgang Merkl, Andreas Morgner, Johann Mayer, Benjamin Roder, Josef Rupprecht und Johann Trassl. (do)

Roland Hörl aus Tremmersdorf, dem Stimmenkönig der Gemeinderatswahl, schenkte die Ratsversammlung schon zum dritten Mal in Folge das Vertrauen als zweiter Bürgermeister.
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