Stadlern
18.07.2018 - 15:11 Uhr

Barocker Klangzauber

Zum Schlussapplaus erhebt sich das Publikum von den Plätzen. Eineinhalb Stunden bietet das Projektorchester der Barockregion Bayern-Böhmen musikalischen Hochgenuss. Den Taktstock führt ein gebürtiger Oberpfälzer.

Nach dem Konzert erheben sich die Mitglieder des Orchesters und nehmen, zusammen mit Dirigent Josef Blank (vorne) den Beifall des Publikums entgegen. eib
Nach dem Konzert erheben sich die Mitglieder des Orchesters und nehmen, zusammen mit Dirigent Josef Blank (vorne) den Beifall des Publikums entgegen.

(eib) „Was gibt es schöneres für ein Ensemble, als mit stehendem Applaus verabschiedet zu werden“ sagte Bürgermeister Gerald Reiter in Richtung von Dirigent Professor Josef Blank und seinem Ensemble, dem Projektorchester „BBB 2018“. In der Wallfahrtskirche Stadlern servierten sie musikalischen Hochgenuss, und das Gotteshaus bot den Klängen der Instrumente einen akustisch hervorragenden Entfaltungsraum.

Musikalischer Aufbruch

Jene rund 60 Besucher, die den Konzertbesuch der Fernseh-Übertragung des Fußball-WM-Finales vorgezogen hatten, bereuten ihre Entscheidung nicht. Die Musik aus der Barockzeit nahm die Gäste auf Entdeckungsreise in eine Zeit mit, die für die meisten nur mit großartigen Bauwerken in Verbindung gebracht wird. Dass die etwa zweihundertjährige Epoche des Barock (1575 bis 1780) aber auch für die Musik eine Zeit des Aufbruchs, der Entfaltung und der leidenschaftlichen Bewegtheit war, zeigte sich in den Kompositionen von Johann Anton Reichenauer, auch „böhmischer Vivaldi“ genannt, im ersten Teil des Konzertabends.

Professor Blank, gebürtiger Oberpfälzer aus Bodenwöhr, der an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz am Institut für Holzblasinstrumente das Fach Oboe lehrt, erläuterte zu Beginn, wie er an die ihm vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) gestellte Aufgabe heranging, ein grenzüberschreitendes Ensemble zusammenzustellen und eine Musikauswahl für die vier Projektkonzerte mit Bezug zur Barockregion Bayern-Böhmen zu treffen. Bei seiner Recherche entdeckte er den böhmischen Komponisten Johann Anton Reichenauer, dessen musikalisches Schaffen stark vom italienischen Komponisten Antonio Vivaldi beeinflusst war. Von Reichenauer sind eine Reihe von Konzerten für Violine, Oboe, Fagott, Cello, Orchester-Ouvertüren und Triosonaten überliefert.

Diese lange Zeit vergessenen, inzwischen wieder öfter gespielten Komponisten der Öffentlichkeit vorzustellen, gelang Professor Blank und seinem 21-köpfigen Ensemble aus jungen Musik-Studenten aus mittel- und osteuropäischen Ländern mit Bravour und Brillanz. In vier Tagen intensiver Probenarbeit im Juni formte der renommierte Oboist ein Orchester, das die Barockmusik aus ihrem musikalischen Schatten führte. Dank der Finanzierung aus EU-Ziel ETZ-Mitteln war es möglich, das Ensemble aus äußerst sympathischen jungen Musikern zu bilden und auf die Konzertreise nach Mariánská Týnice (Maria Teinitz) und Tachov (Tachau) in der Region Pilsen, nach Osterhofen in Niederbayern und zum Abschlusskonzert nach Stadlern zu schicken.

Herausragende Solo-Passagen

Höhepunkte des Konzertprogramms waren die Soloparts von Hrvoja Hrešć, Cello und Vojtěch Pospíšil, Oboe. Beide sind große Talente, die schon zahlreiche Preise gewannen, Einladungen zu internationalen Festivals erhielten und am Beginn ihrer Karriere stehen. Bemerkenswert auch Lida Limmer am Kontrabass aus Passau, die trotz ihrer 16 Jahre sehr souverän mit dem größten Streichinstrument umging und als Jungstudentin an der Linzer Bruckner Universität eingeschrieben ist.

Wer dachte, Barockmusik sei eintönig und vor allem vom Cembalo mit seinem hochtönigen zupfenden Klang geprägt, der machte beim Konzert eine ganz andere Erfahrung: Dynamische Passagen mit opulenter Klangfülle, auch mit Pauken und Trompeten, wechselten sich ab mit Sätzen, bei denen Violine, Cello, Kontrabass, Oboe und Fagott im Wechsel und miteinander den Ton angaben. Mit der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach im zweiten Teil des Konzerts folgte dem unbekannten böhmischen der berühmte deutsche Barockkomponist Johann Sebastian Bach, der mit seinen Werken Musikgeschichte schrieb.

Zur Eröffnung des Abends stellte CeBB-Leiterin Veronika Hofinger das Konzert in den Zusammenhang des dreijährigen grenzüberschreitenden Projekts "Barockregion" und dankt Mitarbeiter Sebastian Lesňák, der sich um die Organisation kümmerte. Als Vertreter der Pfarrgemeinde gab Sophia Grau einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Wallfahrtskirche mit gotischem Kreuzrippengewölbe aus der Anfangszeit und dem später gebauten Kirchenschiff mit der Innenausstattung aus der Barockzeit. Die Spende des Publikums gehen zu gleichen Teilen an die Kirchengemeinde und den Verein "Bavaria Bohemia".

Die Soloparts von Vojtěch Pospíšil an der Oboe zählten mit zu den Höhepunkten des Konzerts. Links dirigiert Professor Josef Blank. eib
Die Soloparts von Vojtěch Pospíšil an der Oboe zählten mit zu den Höhepunkten des Konzerts. Links dirigiert Professor Josef Blank.
 
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