04.01.2019 - 16:37 Uhr
StadlernOberpfalz

Kein Schwung für Skischaukel

Auf einen Prinzen zum Wachküssen wartet das Ski- und Freizeitzentrum Reichenstein seit 13 Jahren. Ein Interessent hat sein Geld anderswo investiert und eine verheißungsvolle EU-Förderung ist passé.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Mächtig und wie ein Mahner an bessere Zeiten steht er da, der grüne Schlepplift an der Talstation Reichenstein beim Ortseingang von Stadlern. Unten an der Staatsstraße 2159 lenkt noch immer das blau-weiße Hinweisschild den Blick hinauf zum "touristischen Denkmal". Doch es ist nur noch ein Hauch einer Erinnerung daran, als die Bevölkerung und die Gäste des Schönseer Landes den alpinen Skisport quasi vor der Haustüre ausüben konnten. Denn auch die frischen Spuren im Schnee erklären sich schnell: Der Jagdpächter nutzt die Piste mit dem Skibob für die Wildfütterung.

1982 wurde das Skizentrum Reichenstein mit seinen insgesamt sechs Schlepp- und Zubringerliften, dem Berggasthof in Stadlern und der Böhmerwaldhütte in Waldhäuser eröffnet. Zur Steigerung der Attraktivität des reinen Saisonbetriebs kam 1984 eine Sommerrodelbahn dazu und 2005 erfüllte sich der Traum von einer Beschneiungsanlage, die allerdings nicht mehr endgültig fertiggestellt wurde. Wegen akutem Liquiditätsmangel musste die "Skizentrum Reichenstein GmbH & CoKG" im Dezember 2005 den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Auslöser war ein defektes Stahlseil am Schlepplift. Obwohl genügend Schnee lag, blieb die Pistenraupe eine Saison nach der defizitären Blondinen-Ski-WM im Schuppen. Das jähe Ende war da. Das Landratsamt Schwandorf erließ 2011 eine Rückbau-Anordnung, welche auf der Böhmerwaldabfahrt in Waldhäuser (Fläche gehört der Gräfin du Moulin-Eckart) auch umgesetzt wurde. Oberhalb des früheren Berggasthofes am Ortsrand Stadlern hat Grundstücksbesitzer Hans Eibauer davon abgesehen. "Wir wollen keine vollendeten Tatsachen schaffen. Denn dann ist die Anlage ganz gestorben", sagt er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Er wolle die Chance offenlassen, dass sich vielleicht doch noch ein Interessent findet. Einen solchen gab es tatsächlich im Jahr 2016. Landrat Thomas Ebeling setzte sich ein und führte Gespräche, an denen auch Michael Koller von der immer noch bestehenden Betreibergesellschaft beteiligt war.

"Der einheimische Investor steht nicht mehr zur Verfügung. Er hat sein Geld in seinem Betrieb investiert", berichtet Bürgermeister Gerald Reiter auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Und er ergänzt mit etwas Resignation in der Stimme: "Weitere Bewerber gibt es vorerst nicht." Vor eineinhalb Jahren sah ganz danach aus, dass das einstige touristische Aushängeschild des Schönseer Landes wiederbelebt werden könnte. Die Gemeinde Stadlern ließ für das "EFRE"-Programm (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) ein Ganzjahreskonzept erstellen, bei welchem der Winter nur als "Zubrot" für die sportliche Nutzung des Reichensteins, unter anderem als Mountainbike-Strecke, gedient hätte. Kosten von rund 2,5 Millionen Euro wurden ermittelt. Doch im EU-Fördertopf kamen schließlich nur wenige Leuchtturmprojekte zum Ziel. Für Stadlern war es laut Reiter "ein Schuss in den Ofen" und eine verlorene Zeit. Trotzdem wurden noch einige Planungsbüros angeschrieben, um Ideen zu sammeln. "Wir hätten auch weitergemacht, wenn ein Investor dagewesen wäre", betont der Bürgermeister. Aber bei Konzeptkosten von 15.000 bis 30.000 Euro ließ man die Sache schließlich ruhen. "Schade", ergänzt der sportliche Bürgermeister. Nachdem auch der privat geführte "Lindauer Hang" den Skibetrieb vor einigen Jahren eingestellt hat, bleibt den Wintersportlern nur noch die Sparte Langlauf, womit die Nachbargemeinde Schönsee vor allem im Bereich der Ortschaft Schwand punktet. Hier war der Pisten-Bully am Freitag schon unterwegs.

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