Update 08.01.2021 - 15:58 Uhr
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Medizintechnik "Made in Stadlern": Kreativ durch die Krise

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Die im Lockdown verschobenen Operationen führen zu einem Umsatzrückgang in der Medizintechnik. Die Münchener Medizin Mechanik (MMM), mit ihrem Hauptwerk in Stadlern, kommt in der Sparte "Sterilgut-Aufbereitung" gut weg.

Das Bild zeigt ein von der MMM-Group gefertigtes Reinigungs- und Desinfektionsgerät im Praxiseinsatz.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Münchener Medizin Mechanik ist europäischer Marktführer bei Geräten für die Dampf-Sterilisation von Medizinprodukten in den Krankenhäusern. Die Tatsache, dass Operationen verschoben und Intensivbetten für mögliche Corona-Patienten freigehalten wurden, wirkte sich auch auf das seit 1964 bestehende MMM-Werk in Stadlern aus. „Wir leben davon, dass viel operiert wird“, sagt Geschäftsführer Robert Eibl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

"Wir leben davon, dass viel operiert wird."

MMM-Geschäftsführer Robert Eibl

MMM-Geschäftsführer Robert Eibl

Schnell reagiert

Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie wurde im Unternehmen schnell reagiert, als es um die Aufbereitung von Masken und leeren Desinfektionsmittel-Behältern ging. „Wir haben über Nacht unsere Geräte umgestellt“, berichtet Eibl. Die MMM GmbH zählt 540 Mitarbeiter an fünf Standorten (260 Beschäftigte im Hauptwerk Stadlern) und bietet unterschiedliche Geräte zur Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Instrumenten, Utensilien, Wäsche und Kunststoff an.

Mobile Aufbereitungseinheiten sind im Corona-Jahr gefragt: Als schnelle Hilfe hält die MMM Containerlösungen vor, die innerhalb kürzester Zeit bei Krankenhäusern und Laboren einsatzbereit sind. Denn die MMM Group mit ihren 16 Firmentöchtern (insgesamt 1180 Mitarbeiter) hat ein komplettes Produkt- und Dienstleistungsangebot rund um Sterilisations- und Desinfektionsanlagen. Weltweite Kunden sind Krankenhäuser, Institute, Labore und die Pharmaindustrie.

„Der Verkauf ist nicht gestiegen, aber das Level konnte gehalten werden“, betont der Geschäftsführer Technik. Er rechnet für 2020 mit circa acht Prozent Umsatzsteigerung. Die letzten zehn Jahre habe sich das Plus bei acht bis zehn Prozent eingependelt. „Wir wollen nicht schnell, sondern gesund wachsen“, sagt Robert Eibl. Das Motto laute: „Die Mitarbeiter fordern und fördern“. Wie er anmerkt, sei MMM-Alleingesellschafter Michael Koller die Nachhaltigkeit besonders wichtig: „Sein Herz schlägt für den Standort Oberpfalz und für Stadlern.“ In den zurückliegenden Jahren konnte die MMM als Gesamtlösungsanbieter für die Sterilgut-Aufbereitung „Made in Germany“ die Marktanteile weiter ausbauen. Und das trotz zunehmenden Preisdruck und den großen Marktbegleitern (neuer Begriff für Konkurrenten) in den Ländern Schweiz, USA, Slowenien und Schweden.

Robert Eibl engagiert sich deutschlandweit bei der Normung und ist Fachbereichsleiter im DIN-Ausschuss „Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Medizintechnik“. Wie er auf Nachfrage mitteilt, wird im Ausschuss unter anderem definiert, was Geräte leisten und wie Prozesse ablaufen müssen. Als Leiter des Fachbereichs ist er auch im Beirat „Normenausschuss Medizinprodukte“. Anfang Dezember waren bei der Sitzung dieses Beirats auch Leiter von Impfzentren dabei. Zusammen mit Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums, des Robert-Koch-Instituts und den Vorsitzenden der Bayerischen Landesärztekammer wurde über Aktuelles zur Normung der neuen Herausforderungen im Bereich der Pandemie diskutiert und informiert. Auch das Paul-Ehrlich-Institut ist Kunde bei der MMM. Im Institut stehen verschiedene Sterilisatoren, die unter anderem zur Vernichtungs-Sterilisation benutzt werden. Dies sei besonders wichtig, damit keine gefährlichen Bakterien, Viren und Pilze die Forschungsbereiche verlassen.

MMM ist in Stadlern fest verwurzelt

Stadlern

Neuentwicklung für 2021

Wie Eibl weiter berichtet, sei 2021 die Bildung von neuen Ausschüssen in der Medizintechnik geplant, um künftig bei einer plötzlich auftretenden Pandemie besser handeln zu können. Themenfelder gebe es viele. So beispielsweise die Vorbereitung der Normung, die Vorratshaltung von relevanten Medizinprodukten und die Frage, ob wieder mehr in Deutschland produziert werden sollte.

Durch das Engagement von Robert Eibl im DIN-Ausschuss und der Teilnahme bei den Fachverbandstagungen ist das weltweit agierende Unternehmen immer auf dem neuesten Stand der Technik. Ein Erfolg: 2020 war die Münchener Medizin Mechanik zum vierten Mal bei der Auszeichnung der 100 innovativsten Unternehmen dabei. Das Jahr wurde bei der MMM auch für Neuentwicklungen genutzt. Wie der Geschäftsführer verrät, werden 2021 Reinigungs- und Desinfektionsgeräte für flexible Endoskope auf den Markt gebracht. Der Endoskopie-Boom bei Diagnostik und Operationen lässt also auch auf ein gesundes Wachstum der Stadlerner MMM-Familie hoffen.

Hintergrund:

Münchener Medizin Mechanik (MMM)

  • Johann Koller gründet 1954 die Münchener Medizin Mechanik (MMM). Zehn Jahre später wird ein Werk in Stadlern eröffnet.
  • Sohn Michael Koller übernimmt 1992 die Geschäftsführung und ist heute Alleingesellschafter. Branche: Medizintechnik/Sterilgutaufbereitung. Hauptsitz: Planegg/München. Hauptwerk mit 260 Mitarbeitern ist in Stadlern.
  • Zur MMM-Group (1180 Mitarbeiter, 500 in Deutschland) gehören auch 12 Tochtergesellschaften. Fertigungswerke: Deutschland (Stadlern, Peiting), Tschechien (Brünn) und USA (Monroe/Seattle). Vertriebsgesellschaften: Deutschland, Großbritannien, Russland, Ukraine, Polen, Tschechien, Slowenien, Österreich, Schweiz, Frankreich, Spanien, Belgien, USA, Thailand und Jordanien.

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