20.11.2019 - 15:44 Uhr
Steinberg am SeeOberpfalz

Hohe Schäden durch Schwarzwild

Umgegrabene und durchwühlte Gärten, verstärkter Wildwechsel: In den vergangenen Wochen haben Wildschweine in Steinberg am See erhebliche Schäden verursacht. Jetzt reagiert die Kommune.

Die Wildschweine verursachten in der Gemeinde – wie hier in der Fischbacher Straße – hohe Schäden.
von Externer BeitragProfil

Bürgermeister Harald Bemmerl und Gerhard Domaier von der Unteren Jagdbehörde trafen sich mit allen Pächtern und Eigentümern der umliegenden Jagdreviere, dem Kreisjagdberater, der Polizei und Vertretern der Straßenbaulastträger zu einem sogenannten Fachbehördentermin. Ihr Ziel: Die Lösung des Schwarzwild-Problems.

Zunächst suchte man einer Pressemitteilung der Verwaltungsgemeinschaft Wackersdorf zufolge einige der "Tatorte" auf, um sich in Wohngebieten und im Freizeitzentrum ein genaues Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen. Es folgte eine lange und ausführliche Besprechung, wie man reagieren könne. Regierungsamtsrat Domaier sprach zunächst über Rechte und Pflichten von Grundstückseigentümern und Jagdpächtern. Unter anderem ging es um befriedete Bezirke, die Hege- und Vermeidungspflicht sowie über Möglichkeiten der Bejagung, den Einsatz von Nachtsichtgeräten und die Regelungen zum Wildschadensersatz.

Zu letzteren machte Domaier deutlich, dass die Jagdgesetze bei Wildschäden im befriedeten Bereich oder auf nicht bejagten Grundstücken einen Schadenersatz-Anspruch gegen die Jagdpächter vollständig ausschließen. Vielmehr seien rechtliche Möglichkeiten zu erörtern, wie der Eigentümer selbst Wildschweine von seinem Wohngrundstück fernhalten könne.

Forstbetriebsleiter Thomas Verron ging auf die Ursache für die hohe Wildschweinpopulation ein. Vor allem der Klimawandel und die sprunghafte Zunahme der Maisanbauflächen stünden dabei im Vordergrund. Die Jagdpächter schilderten im Verlauf der Diskussion, warum eine intensivere Bejagung in bestimmten Bereichen aus Sicherheitsgründen unmöglich sei, da zahlreiche ortsnahe, befriedete Bereiche und Straßen betroffen seien.

Hohe Abschusszahlen

Vorwürfe gegen die Jägerschaft, die immer wieder laut würden, seien nicht gerechtfertigt. Sie komme ihrer Aufgabe der verstärkten Bejagung des Schwarzwildes in den einzelnen Jagdrevieren - auch zur Vermeidung von Wildschäden im Ortsbereich - sehr wohl nach. Das belegten auch die Abschusszahlen des laufenden Jagdjahres: So seien bisher bereits weit mehr Abschüsse als im Vergleichszeitraum des Vorjahres vorgenommen worden. Da aber die sogenannte "gute Jagdzeit" nach Aberntung der Felder erst anbreche, rechne man mit einer deutlichen Mehrung der Abschusszahlen. Eine genaue Bilanz könne man erst nach Ende des Jahres, beziehungsweise des Winters ziehen.

Zum Ende machte Bürgermeister Bemmerl deutlich, wie wichtig konkrete Maßnahmen seien: "Wir stehen in diesem Jahr vor einem ungewöhnlichen Phänomen. Wir müssen genaue Punkte formulieren, wie wir dem Schwarzwildproblem beikommen können." In einen Punkt waren sich sofort alle einig: Jeder einzelne könne zur Verbesserung beitragen. Besitzer bebauter Grundstücke sollen ihr Grundstück komplett einzäunen, und Kompostieranlagen außerhalb der Grundstücke sind unbedingt dauerhaft zu beseitigen.

Sehr scheue Tiere

Durch die - übrigens nicht vorschriftskonforme - Ablagerung von Gartenabfällen und Kompost im angrenzenden Wald und außerhalb der Grundstücke würden die Tiere angelockt und regelrecht eingeladen, die Gartengrundstücke zu "besuchen", schilderte Thomas Verron. Bei der Besprechung vereinbarten alle anwesenden Pächter und Eigentümer außerdem einen sogenannten "Sammelansitz" auf das Schwarzwild. Dabei werden alle Jäger am gleichen Tag und zur gleichen Uhrzeit zur Jagd auf die Wildschweine ansitzen. Dadurch seien die Erfolgsaussichten für eine effektive Bejagung besonders hoch. Die Terminierung dieser freiwilligen Teilnahme wird auch die untere Jagdbehörde unterstützen. Die Bevölkerung soll gleichzeitig informiert werden, in dieser Zeit die zu bejagenden Bereiche nicht zu betreten, um keine unnötigen Störungen des Wildes zu verursachen.

Sportplatz wird eingezäunt

Bürgermeister Harald Bemmerl zeigte sich über das Gesprächsergebnis zufrieden und betonte: "Ähnlich wie der ein oder andere Grundstücksbesitzer werden auch wir tätig werden." Der Sportplatz III wird wohl komplett mit einem Zaun eingefriedet werden müssen, eine Lösung für das Freizeitzentrum soll im Gemeinderat erörtert werden. Des Weiteren werden alle Eigentümer der Wohnhäuser in den Baugebieten "Pfaffenberg" und "Am Berghaus" darüber informiert werden, dass nach einer Änderung des Bebauungsplans bereits im Dezember Zäune mit einer Höhe bis zu 1,60 Meter und einem Sockel von maximal 0,25 Meter zulässig sind.

Ähnlich wie der ein oder andere Grundstücksbesitzer werden auch wir tätig werden.

Bürgermeister Harald Bemmerl

Bürgermeister Harald Bemmerl

Hintergrund:

Beim Ortstermin gab es auch Tipps für akute Begegnungen mit den Wildtieren. Wildschweine sind in der Regel sehr scheue Tiere, laute Geräusche oder unvermittelt aktivierte Hauslaternen oder Taschenlampen reichen gewöhnlich, um sie zu verjagen. Alle Teilnehmer betonten mehrfach, dass bedrohliche Situationen im besiedelten Bereich kaum denkbar seien.

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