Der Weg zum Traumgarten: Einfach nichts tun

Für die Gartenbesitzer hat die viele Sonne dieses Sommers auch eine Schattenseite, nämlich das tägliche Gießen. Einer, der davon nichts hält, ist Arthur Wiesmet aus Stifterslohe. Er hat ein anderes Rezept.

Helga und Arthur Wiesmet mögen beides: im Garten arbeiten und den Garten genießen.
von Helga KammProfil

(hk) Es gibt keinen Zaun und kein Gartentürl am Haus Nummer 13 in Stifterslohe. Arthur Wiesmet und seine Frau Helga mögen es offen und haben auch nichts dagegen, wenn Besucher durch ihren Garten am Rande des Dorfes schlendern. Und das sind nicht wenige, vor allem am jährlichen "Taglilien-Wochenende" im Juli, an dem bei Kaffee und Kuchen Pflanzen verkauft werden. Rund 2500 farbenprächtige Taglilien in 500 verschiedenen Sorten wachsen in der Erde oder in Töpfen. Sie sind die eine große Leidenschaft der Wiesmets.

Platz für Blattschönheiten

Die andere sind Funkien, Blattschönheiten in Grün- und Gelbtönen, einfarbig oder gestreift, mit Blättern in allen Formen und Größen. 450 Sorten davon nennt der Züchter sein eigen, an die 10 000 wachsen auf seinem 1000 Quadratmeter großen Grundstück. "Aber ich bin kein Sammler, sondern Gestalter", verteidigt Wiesmet diese Pflanzenfülle - und sein Garten gibt ihm recht. In den späten August-Tagen ist es besonders das Obst, das dort ins Auge fällt. Die prallen, dunkelblauen Trauben über der Pergola sind mit leichten Gaze-Säckchen "bekleidet", einige sind nackt den gefräßigen Wespen überlassen.

An der Wand aus Säulenäpfeln prangen rotbackige Früchte, der Pflaumenbaum biegt sich unter der Last seiner gelben Ringlos. Pfirsiche reifen am Spalier und Tomaten verheißen köstliche Gerichte. Wie ist das alles zu schaffen, fragt der Besucher, der weiß, dass Arthur Wiesmet voll berufstätig ist. "Wir arbeiten, wenn wir Lust dazu haben, und nicht, weil es sein muss", erklärt seine Frau Helga. Mehrere Sitzplätze für Morgen- oder Abendsonne, die schattige Pergola und eine Liege sind der Beweis für diese Einstellung.

Eigentlich ganz einfach

Mehr als 30 Jahre sei der Garten alt, erzählt Arthur Wiesmet. Er werde nicht geplant, sondern spontan und kreativ gestaltet und immer wieder verändert. "Was erfriert, verdurstet oder verhungert, kommt raus, weil es fehl am Platz ist" erklärt er. Es gelte, Fehler zu korrigieren, und einen immer wieder neuen Blick zu suchen. Natürlich ist er seit 18 Jahren als Gartenfachberater am Landratsamt Experte, kennt sich aus mit den richtigen Standorten, Bodenbeschaffenheit und den Anforderungen, die die einzelnen Pflanzen stellen. Trotzdem klingt die ganze Gartenkunst aus seinem Munde total einfach: "Nichts tun, einfach in Ruhe lassen."

Im Garten der Wiesmets gibt es kaum Rasen. Dafür jede Menge Flächen, natürliche Felsen und Steingärten, auf und in denen die unterschiedlichen Pflanzen gedeihen. Durch das üppige Grün von Funkien und Farn führen Wege aus Rindenmulch oder alten Pflastersteinen, roter Phlox und gelbe Königskerze leuchten im Sonnenlicht, wiegende Gräser und Herbstastern zeigen das Ende des Sommers an.

Von einer besonderen Liebe Helga Wiesmets künden zahlreiche Gefäße mit Hauswurzen. Große Rosetten dieser Dickblattgewächse in Grün- und Rottönen, andere mit langen Blütenstielen und ganz kleine, die wie Knöpfe dicht beieinander sitzen, sind in Tonschalen, Blechtöpfe, Ampeln, Körbe oder alte Dachziegel gepflanzt. "Nicht alle sind Hungerkünstler", sagt sie: "Die großen brauchen Erde und Wasser". Ihre Liebe zu Altem und Echten zeigt sich auch in vielerlei Geschirr, auf Flohmärkten erstanden und als Dekoration im Garten platziert.

Hobby wird Beruf

Über Umwege hat Wiesmet im Alter von 37 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit Jahren ist er Berater von Gemeinden, zuständig für kreiseigene Grünanlagen, hält Kurse und Vorträge bei Gartenbauvereinen. Sein Wissen gibt er gern weiter, auch in Sendungen des Bayerischen Rundfunks und bei OTV. Dass seine Tipps nicht immer ankommen, weiß er. Als kritischer Geist ist er ein Gegner von Schotter- und Kiesgärten, hält nichts von zig Sorten von Dünger ("es kommt immer nur auf den Stickstoff an") und an seinen Obstbäumen wird nur wenig geschnitten. Verblühtes bleibt den Winter über an den Pflanzen, alle Gartenabfälle werden gehäckselt und gemulcht. "Lieber mit Gefühl Fehler machen, als alles perfekt planen" ist seine Philosophie. Seine Blumen sind nicht geordnet nach Farben und Blühzeiten, "das ergibt sich und funktioniert".

Und dann das große Thema: gießen. Ganz ohne geht es in diesem Sommer auch im Wiesmet-Garten nicht. Aber eine tägliche Wässerung kommt nicht in Frage, sondern eine ausgiebige "Rettungsgießung". Da läuft der Sprenger schon mal etliche Stunden, "aber dann ist Ruhe für zwei bis drei Wochen". So können die Wiesmets auch im Sommer irgendwo zwei Wochen Urlaub machen: Die meisten Pflanzen überleben es.

Funkien und Taglilien, Gräser und Obstbäume, Steine und Mauern - die Mischung macht den Traumgarten aus.

Luftige Säckchen schützen die dunklen Trauben vor gefräßigen Wespen.

Robust, pflegeleicht und schön: Funkien in vielerlei Formen und Farben.

Nicht ungefährlich sind die spitzen Blätter der Yucca-Palme, deren Fruchtstände Arthur Wiesmet hier entfernt.

Phantasievoll gepflasterte Wege führen durch den Garten, der auch im heißen Sommer dieses Jahres noch in üppigem Grün prangt.

Dem Hauswurz-Sortiment gilt die Liebe von Helga Wiesmet.

Polsterpflanzen und Hauswurzen fühlen sich zwischen Felsen und Steinen wohl.

Alte Guglhupf-Formen sind bevorzugte Gartendeko.

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