16.10.2020 - 19:17 Uhr
StullnOberpfalz

Der neue Trend: Karpfenverkauf "über die Straße"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Karpfen tellerfertig zum Mitnehmen - ein neuer Trend in Corona-Zeiten? Konrad Bartmann muss es wissen: Seit rund 50 Jahren knüpft er das Netz für die Teichwirte der Region.

Zur Allerweltkirwa werden Prachtexemplare aus dem Teichen geholt.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Es wird abgefischt: Zur Allerweltskirwa kommt Karpfen auf den Tisch. Konrad Bartmann, Geschäftsführer der Teichwirtschaftlichen Genossenschaft Oberpfalz (TEGO), mag ihn gebacken oder blau am liebsten, lässt sich aber gerne auch mal mit einem der raffinierten Rezepte auf der TEGO-Homepage verwöhnen. In Corona-Zeiten hat sich eine neue Vermarktungsnische entwickelt.

Mit EU-Prädikat

Verwöhnt fühlen sich die Teichwirte derzeit nicht gerade von den Vorschriften, die ihnen gemacht werden, weiß Bartmann, dessen Kontakte von Freihöls bis Brüssel reichen. Behördliche Auflagen, der Kampf gegen Kormoran, Biber und Fischotter: Das führe dazu, dass zunehmend Teichwirte an die Großen verpachten, erzählt Bartmann. Denn am Absatz kann es nicht liegen: Die Umstände der Corona-Pandemie machen den heimischen Oberpfälzer Karpfen – er hat das begehrte EU-Prädikat – immer beliebter.

Regional und gesund

Zwar hatten die Gastwirte bis zu 80 Prozent Umsatzrückgang durch den Lockdown. "Das war im Frühjahr ein Riesenproblem", erzählt Bartmann. Das schlug sich auch auf den Absatz nieder. Doch für die Teichwirte tat sich schnell ein neuer Zweig auf: Der Verkauf über die Straße. "Ein Händler aus dem Nürnberger Raum hat auf einmal 140 Zentner geordert und vorwiegend Gaststätten damit beliefert. Die Leute haben ihn dann frisch zubereitet abgeholt", erzählt Konrad Bartmann. Er erkennt einen Trend: "Das Regionale wird geschätzt, der kurze Weg und das gesunde Produkt, bei dem jeder weiß, wo es herkommt, und bei dem es keine Engpässe gibt".

Saisonstart mit Ministerin

Fensterbach

Das spielt den heimischen Züchtern in die Hände, die in der Oberpfalz rund 2800 Tonnen Karpfen pro Jahr produzieren. Etwa 1000 Teichwirte sind in der TEGO organisiert. Insgesamt bewirtschaften etwa 2600 Züchter 10000 Hektar, davon 7000 Hektar reine Wasserfläche. Etwa ein Drittel der Fläche liegt im Landkreis Schwandorf. Aus 14000 Teichen ziehen die Züchter ihren Fisch, den Oberpfälzer Karpfen. Darunter sind neben den Berufs- auch viele Hobbyteichwirte, wo die Fischzucht im Familien- und Freundeskreis betrieben wird.

Filet gefragt

Was kostet der Karpfen derzeit? "Etwa 3 Euro pro Kilo, geschlachtet 7 Euro", gibt Bartmann eine Richtschnur vor. Das Filet liegt bei 18 Euro. Da stecke jede Menge Arbeit drin. "Doch das läuft gut". Und so können auch größere Karpfen verwertet werden, die nicht den Portionswünschen der Gaststätten entsprechen.

Bei der neuen Liebe der Verbraucher zum Karpfen springt Konrad Bartmann auf den Werbezug auf: Die Bezugslisten stehen im Internet, doch der TEGO-Geschäftsführer hat nun auch Fahnen und Tischaufsteller für diejenigen, die Karpfen anbieten, geordert. Es gibt sie gratis an der Steinberger Kugel, im Beispielsbetrieb Wöllershof und im kleinen TEGO-Büro in Stulln.

Teichwirte spielen nicht mehr mit

Die neue Wertschätzung des Produkts und auch der Arbeit gut den Teichwirten gut. In Zeiten des Klimawandels leisten sie einen enormen Beitrag zur Wasserrückhaltung. Und trotzdem hat sich die Zahl der TEGO-Mitglieder in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel reduziert. Bartmann, seit rund 50 Jahren Geschäftsführer, wundert das nicht: "Sie haben die bürokratischen Auflagen, Verordnungen, den Verwaltungsaufwand satt." Eigenkontrolle durch einen zugelassenen Fischmeister, Antragstellungen: Hobbyzüchter überfordere das. Und dann das Hauptproblem: Kormoran und Fischotter räumen die Teiche leer, Biber bauen Mönche zu. Doch wer einen Kormoran schießen will, braucht eine Erlaubnis, also muss der Jäger her. Der wiederum kann meist nur abends kommen, der Kormoran fällt jedoch frühmorgens ein. Bartmann zeigt auch Bilder von toten Fischen, die dem Fischotter ausgesetzt waren. Es gab drei Abschussgenehmigungen im Raum Oberviechtach, Schwandorf und Tirschenreuth. Dagegen laufen Klagen des Naturschutzes.

"Bei all diesen Eingriffen ins Eigentum spielen etliche Teichwirte nicht mehr mit", so Bartmann. Staatliche Schadensregulierungen in Millionenhöhe seien kein Rezept. Er appelliert an die Vernunft: Wenn eine Tierart überhand nehme, müsse sie wie bei der Jagd reduziert werden. Jetzt am Wochenende blendet Bartmann die Probleme aber aus: Zur Allerweltskirwa freut er sich auf Karpfen "und dazu ein gepflegtes Helles."

Rezept:

Knusperkarpfen auf Fenchel-Orangen-Gemüse

  • Zutaten für 4 Personen: 800 g Karpfenfilet, 1 Knolle Fenchel mit Grün, 200 g Gemüsezwiebeln, 3 Chicoree, 1 Zehe Knoblauch, 80 g Mehl, 4 EL Öl, 4 EL Olivenöl, 50 ml Orangensaft, 50 ml Weißwein, 40 g kalte Butter, 2 EL Zitronensaft, 1 TL Fenchelsamen, 4 Zweige Thymian, Salz, Pfeffer.
  • Zubereitung: Vom Chicoree die Spitzen 2 cm breit abschneiden und waschen, Rest anderweitig verwenden. Fenchel abspülen, vierteln und feine Streifen schneiden, Fenchelgrün fein hacken. Thymian abspülen, trocken schütteln und ebenfalls fein hacken. Den Knoblauch abziehen, ebenso die Zwiebeln. Knoblauch in feine Scheibchen und Zwiebeln in dünne Spalten schneiden.
    Fischfilet kalt abspülen, trocken tupfen und auf der Hautseite mit einem scharfen Messer mehrmals gleichmässig einritzen. Fisch in vier gleichgroße Stücke teilen, mit Salz Pfeffer, Zitronensaft und Fenchelsaat würzen. Anschließend in Mehl wenden. Speiseöl in einer feuerfesten Pfanne erhitzen und die Fischfilets mit der Hautseite nach oben in die Pfanne setzen und scharf anbraten. Dann wenden und den Fisch mit der Hautseite nach unten in der Pfanne in den vorgeheizten Backofen schieben, auf der erste Schiene von unten bei 180 Grad 6 bis 8 Minuten braten.
    Olivenöl in einer anderen Pfanne erhitzen, Zwiebel und Fenchel etwa 5 bis 6 Minuten darin braten, ab und an wenden. Dann die Chicoree-Spitzen, den Thymian und den Knoblauch zufügen und etwa 1 Minute weiter braten. Mit Orangensaft und Wein ablöschen und offen 5 Minuten schmoren.
    Kalte Butter-Würfel und Fenchelgrün unter das Gemüse rühren und einmal aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Gemüse auf eine Servierplatte geben.Fisch mit der Hautseite nach oben auf dem Gemüse anrichten.
So schmeckt Karpfen den meisten Fischliebhabern am besten: gebacken und mit Kartoffelsalat.
TEGO-Geschäftsführer Konrad Bartmann hat Fahnen und Tischaufsteller fertigen lassen, mit welchen Fischzuchtbetriebe und Gastwirtschaften für ihr Angebot werben können.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.