Süßenweiher bei Speinshart
01.04.2019 - 12:53 Uhr

Wildschwein-Schäden: Wer ist schuld?

Für Landwirte und Waldbauern werden sie richtig teuer, die von Wildschweinen angerichteten Schäden. Die Jagdgenossenschaft Seitenthal schlägt in der Jahreshauptversammlung Alarm. Doch es gibt auch Positives zu berichten.

Chaos herrscht auf dem Grünland der Bauern. Vor allem im Bereich der Jagdgenossenschaft Seitenthal nehmen die Wildschwein-Schäden zu, wie deses Bild einer umgewühlten Wiese zwischen Seitenthal und Speinshart zeigt. Bild: do
Chaos herrscht auf dem Grünland der Bauern. Vor allem im Bereich der Jagdgenossenschaft Seitenthal nehmen die Wildschwein-Schäden zu, wie deses Bild einer umgewühlten Wiese zwischen Seitenthal und Speinshart zeigt.
Mit einem neuen Jagdvorstand geht die Jagdgenossenschaft Seitenthal in die nächste Wahlperiode. In geheimer Abstimmung wählen die Mitglieder Florian Lehner (Mitte) einstimmig zum neuen Jagdvorsteher. Erster Gratulant ist Bürgermeister Albert Nickl (rechts). Bild: do
Mit einem neuen Jagdvorstand geht die Jagdgenossenschaft Seitenthal in die nächste Wahlperiode. In geheimer Abstimmung wählen die Mitglieder Florian Lehner (Mitte) einstimmig zum neuen Jagdvorsteher. Erster Gratulant ist Bürgermeister Albert Nickl (rechts).

Von Wildschweinen "umgepflügte" Wiesen und damit verbunden immense wirtschaftliche Verluste: Bei den Waldbauern und Landwirten im Bereich der Jagdgenossenschaft Seitenthal rumort es. Das Gebiet zwischen Zettlitz, Barbaraberg und Speinshart ist ein Eldorado für die Schwarzkittel. Unter dem Auftauchen der Säue hat besonders das Grünland zu leiden.

Die Gründe der Plage sind vielfältig. Nach Überzeugung der Grundstückseigentümer trägt auch eine uneffektive Bejagung eine Mitschuld. „Der Jagddruck ist zu gering“, kritisierte der scheidende Jagdvorsteher Alfons Höllerl und forderte mehr Jäger im Revier.

Dagegen wehrte sich in der Jagdversammlung im Gasthaus Waldeslust in Süßenweiher Jagdpächter Christof Diepold. Die Bejagung der Schwarzkittel sei kompliziert, erklärte er auch im Namen seines Kollegen Mario Gittler. Zudem habe bei jedem Schuss die Sicherheit Vorrang. Diepold erinnerte in diesem Zusammenhang an den Jagdunfall im Raum Schwandorf mit einem toten Beifahrer durch einen Munitionsquerschläger. Auch die Rekrutierung weiterer Jäger sei nicht einfach. Dazu seien gute Begeher notwendig.

Der Disput war eingebunden in eine sonst sehr harmonisch verlaufende Jagdversammlung. Jagdvorsteher Alfons Höllerl begrüßte 27 Jagdgenossen, unter ihnen Pater Benedikt Schuster als Vertreter der Pfarrpfründestiftung. Nach dem Verlesen des Protokolls durch Schriftführer Franz Gradl erinnerte der Vorsitzende an ein arbeitsreiches Jahr mit dem stets heißen Thema der Schwarzwildplage.

Höllerl bezifferte die Verluste für die Landwirtschaft auf mindestens 15 000 bis 20 000 Euro: „Auf diesen Verlusten bleiben die Bauern sitzen.“ Die Wildschäden im Frühjahr 2018 seien von der Jagdgenossenschaft mit bescheidenen Saatgutspenden beantwortet worden. Der Jagdvorsteher kritisierte in diesem Zusammenhang die bürokratischen Hürden bei der Neuansaat des geschädigten Grünlandes.

Zusammenfassend berichtete er von weiteren Aktionen der Jagdgenossenschaft. So verwies er auf die jährliche Ramadama-Veranstaltung, lobte das gut ausgefallene Verbissgutachten auf Hegeringbasis, informierte über Versammlungen und Referate auf überörtlicher Ebene und gab Anträge auf Biberabschüsse bekannt. Ein "Waidmannsheil" galt dem neuen Begehungsschein-Inhaber Wolfgang Jellen. Dank zollte Höllerl dem Landratsamt einschließlich der Unteren Jagdbehörde für die fachliche Beratung und seinem Stellvertreter Josef Ackermann.

„Wir sind eine gute Truppe“: Mit dieser Würdigung der Geschlossenheit der Jagdgenossenschaft einschließlich des Verzichts der Mitglieder auf jedwede Auszahlung des Jagdpachtschillings leitete Höllerl seinen Rückzug aus dem Vorstand ein. „Meine Zeit ist rum; 20 Jahre als Jagdvorsteher und 16 Jahre als Kassier und Schriftführer genügen“, erklärte er und forderte einen Generationswechsel.

Nach dem Kassenbericht durch Helmut Schmidt, der ein Jahresminus durch Investitionen zur Reduzierung des Schwarzwildbestands bekanntgab, zeigten die Genossen Verständnis für die Wünsche ihres bewährten Vorsitzenden. In geheimer Abstimmung votierten alle 27 Mitglieder mit einem Flächenanteil von 391 Hektar an dem 603 Hektar großen Gemeinschaftsjagdrevier für Florian Lehner aus Seitenthal als neuen Jagdvorsteher.

Ihm zur Seite steht wie bisher als Stellvertreter Josef Ackermann. Wiedergewählt wurden auch die Beisitzer Erhard Seitz und Johannes Schinner. Schatzmeister bleibt Helmut Schmidt. Die Kasse prüfen wie bisher Franz Dötsch und Hans Erfurt. Nach jahrzehntelanger Schriftführertätigkeit verzichtete Franz Gradl auf eine Wiederwahl. Sein Amt übernahm Werner Dobmeier.

Als erste Amtshandlung ließ der neue Vorsitzende über die Verwendung des Reinertrags der Jagdgenossenschaft abstimmen. Solidarisch entschieden sich die Mitglieder einstimmig für eine Zuführung zur Rücklage.

Im Blickpunkt:

Von Biber bis Wildschwein eine "heiße Kiste"

Einen Kurzbericht über die Jagdstrecke des Jahres 2018 gab Jagdpächter Christof Diepold. Der Waidmann informierte unter anderem über den Abschuss von 16 Rehen, 11 Wildschweinen, 7 Füchsen und 2 Dachsen. Mit Blick auf die Zunahme der Schwarzkittel merkte Diepold an: „Wir können nur jagen.“ Der Jagdpächter erinnerte auch an das Auftauchen eines weißen Wolfes auf dem Barbaraberg. Als „heiße Kiste“ bezeichnete er die Biber-, Kormoran- und Fischerotter-Population. Schließlich warb Diepold für den Kauf von Wildbret beim einheimischen Jäger: „Das ist billiger, frischer und gesünder.“

Bürgermeister Albert Nickl lobte die Jagdgenossenschaft Seitenthal als vorbildlich. Die zunehmende Schwarzkittel-Plage nahm er zum Anlass, der Jägerschaft eine intensivere Bejagung nahezulegen. Echten Gemeinschaftsgeist entdeckte er bei den Landwirten: „Die regeln ihre Wildschäden meist in Eigenregie.“ Kritisch bewertete Nickl die Passivität des Staatsforsts als Teil des Gemeinschaftsjagdreviers: „Der Staatsforst lässt die Landwirte alleine.“ Auf Unmut stießen auch die bürokratischen Hürden bei neuen Einsaaten des von Wildschweinen verunstalteten Grünlands.

Schließlich bedankte sich Albert Nickl für das Gemeinschaftsdenken der Jagdgenossen bei der Verwendung des Jagdertrags und würdigte die Leistungen der ausscheidenden Vorstandsmitglieder Alfons Höllerl und Franz Gradl mit Gutscheinen und Klosterbier. Dem neuen Vorstand wünschte der Bürgermeister eine glückliche Hand und den Jagdpächtern viele gute Schüsse.

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