01.03.2019 - 14:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

2018 sind 40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden

Das alte Wasserleitungsrohr bricht, das kostbare Nass strömt heraus. Jetzt steuern die Stadtwerke Sulzbach-Rosenberg dagegen: Neue Sektoren helfen, Schadstellen schnell zu finden. Doch im Untergrund erschwert eine Altlast die Arbeit.

Es spritzt nur so aus der schadhaften Stelle: Bis so ein Leck in der Wasserleitung entdeckt wird, vergeht oft einige Zeit. Das soll sich jetzt äöndern.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Rohrbruch heißt immer viel Arbeit für die Stadtwerke. Rund um die Uhr, das ganze Jahr gibt es die Bereitschaft, die sofort ausrückt, wenn ihr die Polizei von einem entsprechenden Bürgeranruf berichtet. Schließlich gilt es, die Anwohner schnellstmöglich wieder zu versorgen, aber auch, Folgeschäden zu minimieren. 2018 verschwanden auf diese Weise immerhin noch rund 40 Millionen Liter. Roland Kraus, Chef der Stadtwerke, und Vertreter Armin Wolf haben sich eine Strategie ausgedacht, um schneller reagieren zu können.

Das ist das Hauptproblem beim Rohrbruch: Eine dicke, eisenharte Granulatschicht unter vielen Straßen macht das Aufspüren und Abdichten extrem schwierig und auch teurer.

Drei Druckzonen

Doch nicht immer ist der Rohrbruch von außen sichtbar, sondern oft nur über die Messinstrumente der Stadtwerke zu erkennen. Wie lief das bisher? Das Stadtgebiet ist eingeteilt in drei Zonen: Die Hochdruckzone Feuerhof, Rummersricht, Großalbershof und Forsthof, die Mitteldruck-Zone westlich des Dultplatzes und die Niederdruckzone östlich davon. "Bisher konnten wir eine solche Schadensstelle nur in der entsprechenden Zone suchen, was natürlich oft länger dauerte", schildert Kraus im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ist die ungefähre Lage bekannt, kann mit dem Korrelator akustisch die genaue Stelle ermittelt werden. Dann wird das Wasser dort abgedreht, aufgegraben und das schadhafte Stück meist mit einer 40 Zentimeter breiten Rohrbruchschelle abgedichtet. Gab es dort schon mehr solcher Vorfälle, erneuern die Stadtwerke zeitnah die Leitung in der gesamte Straße mit PE-Rohren als Stand der Technik.

Stete Überwachung

Jetzt soll es noch schneller gehen: Das Stadtgebiet wird der Reihe nach in rund 15 kleinere Sektoren aufgeteilt, die von jeweils mehrere Wasserzählern, in extra Schächten angebracht, laufend überwacht werden. Wieviel fließt rein in das Gebiet, wieviel raus, wie hoch ist der Verbrauch? Fällt bei ihm ein mysteriöser Anstieg auf, vor allem nachts, ist der Fall klar: Rohrbruch. Das Lokalisieren geht dann schnell, dementsprechend auch die Reparatur durch Experten.

Doch meist lauert im Untergrund noch ein Faktor, "der die Baustellen um bis zu 20 Prozent verteuern kann", wie Kraus weiß: Schlackengranulat, das die Maxhütte einst lieferte und das in den 50er bis 80er Jahren im Straßenbau verwendet wurde. "Es ist 20 bis 40 Zentimeter dick, total verhärtet wie Beton, schwer rauszukriegen und auch schwer zu entsorgen, denn es gilt inzwischen als belastet." Spätfolgen einer Straßenbautechnik, "die uns noch lange verfolgen werden", befürchtet der Werksleiter.

Doch zurück zu den neuen Kontrollschächten der Sektoren: Darin befinden sich hochmoderne Wasserzähler, die per SIM-Karte gleichzeitig ihre Durchflussmengen an die Zentrale melden. Keine Chance also für das Wasser, sich unbemerkt in den Untergrund davon zu stehlen.

30 Einsätze pro Jahr

Rost und Risse machen alten Graugussrohren und stählernen Hausanschlüssen schwer zu schaffen. Erdbewegungen durch Belastung, Frost-, Auftauphasen führen pro Jahr zu durchschnittlich 30 Brüchen in Hauptleitung und Hausanschlüssen, um die sich die Stadtwerke kümmern müssen. Etwa 20 000 Euro werden nun jährlich in die Einrichtung der Sektoren investiert - gut angelegtes Geld im Haushalt der Stadtwerke, die jährlich über eine Million Kubikmeter Wasser aus vier Tiefbrunnen fördern und auch 2019 wieder rund 400 000 Euro in den Unterhalt der 127 Kilometer Leitungsnetz stecken.

42 000 Kubikmeter Verlust, das klingt erst mal nach viel. Doch Roland Kraus relativiert: "Das sind 3,9 Prozent unserer Gesamtförderung. 2017 waren es noch 5,8. In Bayern gilt alles, was unter zehn Prozent liegt, als gut." Nach der Kennzahl für Wasserverluste liegt das im geringen Bereich. "Also brauchen wir uns nicht zu verstecken. Trotzdem gilt: Der Faktor Glück spielt hier mit eine entscheidende Rolle: Mal brechen viele, mal weniger Rohre." Die Sektoren helfen jetzt hoffentlich dem Glück etwas auf die Sprünge.

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