23.07.2020 - 15:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nach 900 Stunden im Integrationskurs auf Exkursion in Sulzbach-Rosenberg

Stadtpfarrer Roland Kurz (rechts) zeigt den internationalen Gästen das Uhrwerk im Turm der Christuskirche.
von Autor COGProfil

Wie ging es den Juden während der Nazizeit in Sulzbach-Rosenberg? Was genau macht der Stadtrat? Wie ist das Verhältnis von evangelischen und katholischen Christen? Diese und viele andere Fragen interessierten die Teilnehmer des Integrationskurses der Volkshochschule Amberg-Sulzbach. Nach 900 Stunden Sprachkurs, einer langen Corona-Unterbrechung und dem "Deutschtest für Zuwanderer" lernen sie jetzt im Orientierungskurs, wie Deutschland funktioniert.

Zusammen mit ihrer Dozentin Corinna Groth machten sie eine Exkursion durch die Stadt, um den theoretischen Stoff aus dem Unterricht in der Wirklichkeit zu vertiefen. In der ehemaligen Synagoge erläuterte ihnen Stadtarchivar Johannes Hartmann die Geschichte der jüdischen Gemeinde und der einstigen Sulzbacher Druckereien.

Vor dem Rathaus traf sich die Gruppe mit Stadtrat Hans-Jürgen Reitzenstein. Der Kommunalpolitiker lud sie ein, die Möglichkeiten zu nutzen, ihre neue Heimat mitzugestalten. Die Spätaussiedlerin zum Beispiel hat als Deutsche alle demokratischen Rechte. Bürger aus Ländern der Europäischen Union dürfen bei Kommunal- und Europawahlen mitmachen. Aber auch die Zuwanderin aus Weißrussland, die Syrerin und die Irakerin können sich einbringen. Wie Reitzenstein ausführte, können sie sich jederzeit mit ihren Anliegen an die Stadträte wenden und sich natürlich auch ehrenamtlich engagieren.

Vor allem für die muslimischen Kursteilnehmerinnen war der Besuch in der Christuskirche interessant, hatten sie doch vorher noch nie ein christliches Gotteshaus betreten. Aber auch die Orthodoxen stellten fest, dass ihre Kirchen anders aussehen. Stadtpfarrer Roland Kurz erklärte Kanzel, Taufstein und Orgel. Dann kam buchstäblich der Höhepunkt: Die Gruppe bestieg den 60 Meter hohen Kirchturm und staunte über den herrlichen Rundblick über die Dächer der Stadt hinaus ins Umland.

Ein Abstecher zur Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus am Friedhofberg rundete das Programm ab. "Das war super-interessant", sagte schließlich der rumänische Kursteilnehmer zufrieden. Er und einige Kurskollegen nahmen sich vor, jetzt die Stadt noch besser kennenzulernen und auch die Museen zu besuchen.

Jahrzehnelang blühte das jüdische Leben in Sulzbach. Das erfuhren die Teilnehmer des Orientierungskurses und ihre Dozentin Corinna Groth (rechts) von Stadtarchivar Johannes Hartmann (Zweiter von rechts) in der ehemaligen Synagoge
"Bringen Sie sich in Ihrer neuen Heimat ein!", ermutigte Stadtrat Hans-Jürgen Reitzenstein (rechts) die Teilnehmer des Orientierungskurses.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.