27.09.2019 - 15:26 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Apfelernte fällt aus: Gähnende Leere in der Obstpresse

Der Anblick ist zum Heulen - das merkt man Anni Rösel auch an: Die Besitzerin der Obstverwertung steht vor dem Apfelbunker. Drin liegen nach zwei Wochen Warten grade mal elf Zentner. Die Presse anzuwerfen lohnt sich nicht.

Ein paar Zentner, wo normalerweise sonst schon viele Tonnen liegen: Es gibt heuer fast keine Äpfel für die Obstverwertung.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

"Keine Annahme" heißt es in der Hofgartenstraße. Dort, wo in normalen Herbstzeiten eine Autoschlange voller Apfel-Lieferanten aufs Drankommen wartet, herrscht gähnende Leere. Seit 12. September sind nur eine Handvoll Anlieferer erschienen, besagte Äpfel und ein paar Birnen liegen im Bunker unter dem Förderband und müssen jetzt entsorgt werden.

Im September 2018 herrschte noch großer Andrang in der Obstverwertung

"Es kamen vielleicht 20 Kilo am Tag", erinnert sich die rothaarige Frau an die letzten Wochen, die Äpfel seien zudem recht klein und nicht sehr saftig. Üblicherweise prasselt das Obst nur so herein, bis Mitte November hatte die Firma meist offen. und war gut ausgelastet. In Spitzenjahren, so berichtet Anni Rösel, liefen da schon mal bis zu fünftausend Zentner, also 250 Tonnen, übers Förderband in den Bunker, dann in die moderne Presse und über die Abfüllanlage in die Flaschen.

"Aber so was wie heuer war noch nie da." Anni Rösel hat schon einige Jahre erlebt, in denen die Ernte sehr schlecht war. Aber auch da wurde, wenn auch wenig, gepresst. Doch heuer blieb die moderne Anlage komplett außer Betrieb: "Ein Einsatz hätte sich nicht rentiert, erstens wegen des benötigten Personals und zweitens wegen der aufwendigen Reinigung."

Woher kommt nun diese drastische Missernte? Auch da hat die Expertin ihre Theorie: Frost noch im Frühjahr schadete den Blüten, dann die Trockenheit. Schließlich fielen die Äpfel viel zu früh herunter. Viele faulten schnell. So blieb ihre Kundschaft, deren Heimat sich vom hiesigen bis in den Schwandorfer, Neumarkter und mittelfränkischen Raum zieht, heuer zu 98 Prozent aus. Anderen Obstverwertung im Landkreis geht es übrigens genauso.

2018 wurden die Obstpressen im Landkreis schier überrannt

"Wer aber noch Saftguthaben vom letzten Jahr hat, kann das natürlich bei mir abholen", versichert Anni Rösel, die aus ihren Vorräten selbstverständlich den Saftverkauf in ihrem Getränkegeschäft wie gewohnt aufrecht erhält.Jetzt wartet sie auf bessere Zeiten und darauf, dass 2020 die Ernte wieder normal ausfällt. "Ein bissl Ausgleich könnten wir nämlich schon brauchen!"

Die Presse in der Obstverwertung ist heuer noch nicht einmal gelaufen – es rentiert sich nicht, sie anzuwerfen, sagt Anni Rösel.
Info:

Stimmen aus dem Landkreis

„Ganz schlecht“ läuft es heuer in Ursensollen beim Obst- und Gartenbauverein. Maria Hummel, die seit vielen Jahren an der Presse steht, hat da eine ganz eigene Meinung zur aktuellen Situation: „Was es voriges Jahr zu viel war, das ist es heuer zu wenig.“

Gepresst wird mangels Masse nur alle 14 Tage, es kommen nur wenige Zentner rein. Trotzdem kann man sich, falls wirklich Bedarf ist, noch zur Terminvereinbarung dort anmelden unter 09628/ 639.

Gar nicht erst aufgemacht hat der Hirschauer Obst- und Gartenbauverein seine Anlage: „Das hätte sich schon aufgrund des benötigten Personals gar nicht rentiert“, meint Vorsitzender Roland Maier. Er hat im Ort gründlich recherchiert und sah sich bestätigt: „Die Äpfel sind zu klein, fallen schon früh ab und faulen sofort.“

Ebenfalls nicht offiziell geöffnet ist die Obstpresse des Obst- und Gartenbauvereins Sigl in Oberweißenbach: Alfons Trummer bekommt praktisch keine Lieferungen. „Das war schon lange nicht mehr da.“ Schwache Starts gab es zwar schon öfter, aber so einen Totalausfall wie heuer fast noch nie.

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