Sulzbach-Rosenberg
17.10.2018 - 16:02 Uhr

Vom Auftritt der Global Shtetl Band beseelt

„Häimischkeit“: Dieses jiddische Wort bezeichnet die Heimat, die man nur im Herzen fühlt, wie sie die Musik geben kann. „Häimischkeit“ ist eines der ersten Lieder, die die Global Shtetl Band in der Synagoge singt. Die Idee beseelt.

Die Global Shtetl Band spielt in der Synagoge. Bild: gf
Die Global Shtetl Band spielt in der Synagoge.

Melancholische Liebesballaden, übermütige Trinklieder, ausgelassene Tanzmusik hatte die Global Shtetl Band mitgebracht. Dabei verband sie unterschiedliche Musikrichtungen zu etwas Eigenständigem, das aber immer den Respekt vor den Traditionen spüren ließ. Klezmer, Balkanfolklore und mitreißende Tanzrhythmen aus der Karibik ergänzten und befruchteten einander. Meist waren die Texte jiddisch, die Refrains aber oft, der karibischen Melodie verpflichtet, auf Spanisch. Ein besonders gelungenes Beispiel für diese Fusion scheinbarer Widersprüche war „Tropisch Licht“. Der Text stammt von einem jiddischen Autor aus Havanna, vertont war er als Guajira. „La historia de un amor“ war zwar ein Bolero aus Panama, aber den Text hatte die Global Shtetl Band ins Jiddische übertragen.

Überhaupt die jiddischen Texte! Jiddisch ist aus dem Deutschen entstanden, aber vor so langer Zeit, dass man es kaum versteht. Deshalb war es gut, dass Markus Milian Mueller, Bassist und Sänger der Band, jeden Liedertext übersetzte und erklärte. Und dann ging es los. Mueller sang mit heller, klarer und sehr geschmeidiger Stimme. Bartek Stanczyk zauberte auf dem Akkordeon. Daniel Piccon zeigte, dass Schlagzeug viel mehr ist als nur Rhythmus. Er hatte unzählige Perkussionsinstrumente mitgebracht, saß auf einem Cajón hinter zwei Congas, hatte Becken, Schellenkränze, Timbales, Kuhglocken, Rumbakugeln und vieles mehr um sich herum aufgebaut. Immer wieder wechselte er während Muellers Moderation seine Instrumente aus und hatte so für jedes Lied den perfekten Klang. Mehrmals brannte er ein solistisches Feuerwerk ab, dass die Luft zu brennen schien. Phantastisch! Das Publikum ging begeistert mit. Die Füße wippten im Takt, und gern sangen die Besucher mit. Vor allem bei „Duzhe“, der Verkleinerungsform von „Du“, waren die ersten Wiederholungen des Kehrreims noch schwach und zögerlich, dann siegte die Lust an der Musik, und die Zuhörer wurden zu Mitwirkenden, die fröhlich „Duzhe“ schmetterten. Schließlich sang Mueller „Schon vorbei“, aber die begeisterten Konzertbesucher erklatschten sich mit stürmischem Applaus noch zwei Zugaben.

 
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