09.05.2019 - 17:07 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Autofahrer auf Abwegen

In Unterschwaig sind die Anwohner nicht erfreut über die Abkürzung, die viele Autofahrer momentan durch ihr Dorf nehmen. Die Industriestraße ist gesperrt, sie umgehen so den längeren Weg durch die Eisenhämmerstraße.

Hier an der Einfahrt nach Unterschwaig von der Eisenhämmerstraße aus verdeutlichen seit Donnerstag Hinweis- und Sperrschilder, dass Durchfahrtsverkehr nicht erlaubt ist.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Seit dem 6. Mai wird gearbeitet an der Brücke bei der Sifa. Die Industriestraße bleibt dort bis voraussichtlich 21. Juni gesperrt. Die Stadt hat eine Umleitung eingerichtet, die über die Eisenhämmerstraße und Kötzersrichter Straße nach Rosenberg und den Industriepark Ost (Stahlgruber) führt.

Das ist manchen Autofahrern offensichtlich zu weiträumig. Statt die paar Hundert Meter Richtung Rohrwerk zur Einmündung in Kauf zu nehmen, begeben sie sich auf (verbotene) Schleichfahrt durch Unterschwaig, vorbei an der Kläranlage. Die Sache hat aber einen Haken: In Unterschwaig steht auf den runden rot-weißen Verkehrsschildern ganz klar geschrieben: "Anlieger frei". Das heißt: befahrbar, aber kein Durchgangsverkehr.

Zu Stoßzeiten, beim Schichtwechsel der großen Firmen im Industriegebiet, nimmt das teils schon gefährliche Züge an, berichten die Anwohner (siehe Kasten unten). Denn das Dorf ist nicht ausgelegt für so viel Pkw-Verkehr auf einmal - von den Sicherheitsaspekten etwa für Kinder ganz zu schweigen.

Die Polizei ist natürlich auf dieses dort immer wiederkehrende Phänomen längst aufmerksam geworden. Der Polizeichef, Erster Polizeihauptkommissar Michael Kernebeck, hat dazu auch eine klare Meinung: "Wir werden dort immer wieder kontrollieren und die Autofahrer befragen, wo sie denn hinwollen."

Und was passiert, wenn einer erklärt: "Ich möchte zum Anwesen XY und dort jemand besuchen"? Ganz einfach, meint der Polizeibeamte: "Dann werden wir das überprüfen. Wenn es nicht stimmt, ist ein Verwarnungsgeld fällig wegen unbefugten Befahrens von Straßen." So einfach kann das sein.

Die Stadt, die ja die Umleitung angekündigt und aufgestellt hat, bekam den Sachverhalt natürlich inzwischen ebenfalls mit, und sie hat umgehend reagiert: Wie beim Amt zu erfahren war, wurde seit Donnerstagmorgen "nachgeregelt". An der Einmündung Kötzersrichter Straße verdeutlicht eine Sperrbake nun auch optisch mit Schildern den Sachverhalt, dass hier nur Anlieger einfahren dürfen.

Mal sehen, ob es etwas hilft und den Autofahrern die gesparten zwei Minuten das Risiko, erwischt zu werden, wirklich wert sind. Schon alleine die Rücksicht auf die Anwohner sollte ja eigentlich diesen Weg verbieten.

Info:

Stimmen der Anwohner

Bei den Unterschwaigern handelt es sich zwar nicht um Bewohner eines unbeugsamen Dorfes, aber wenn ihrer kleinen Siedlung Ungemach droht, verschaffen sie sich durchaus Gehör. Die Unterschwaiger sehen ihr Dorf fast gänzlich von Industrie eingekreist, Freiraum, Ruhe und natürlich Sicherheit sind deshalb vielfach vorgetragene Wünsche der Dörfler. Die Sperrung der Rosenbach-Brücke in der Industriestraße sorgt nun aktuell dafür, dass viele Autofahrer – obwohl nur für Anlieger frei – eine Abkürzung durchs Dorf nehmen, um vorbei an der Kläranlage wieder auf die Industriestraße zu kommen, von wo sie Obersdorf oder die Rosenbachstraße Richtung Amberg oder Innenstadt erreichen.

Irene Reif ist eine Anliegerin, die das hohe Fahrzeugaufkommen seit Einrichtung der Sperrung am Montag voll mitbekommt. „Es ist unglaublich viel los, es wird sehr flott an unserem Grundstück vorbeigefahren, manche hupen sogar, wenn man selbst aus seiner Einfahrt auf die Straße fährt, weil es ihnen zu langsam geht.“

Auch Margarete Royer verfolgt als Anliegerin der zur Umfahrung genutzten Straße seit Jahren die Entwicklung: „Wie früher, als es noch nicht ,Anlieger frei‘ hieß, herrscht wegen der Brückensperrung aktuell gerade beim Schichtwechsel in den großen Betrieben viel Verkehr auf den Dorfstraßen, wo es vor allem in den Kurven sehr unübersichtlich ist. Es wäre wirklich sehr wünschenswert, wenn sich die Abkürzer an die ausgeschilderte Umleitung hielten.“

Anna Keil, deren Tochter Andrea Rahlf ihrem Unmut am Mittwoch via Facebook Luft machte, wohnt in der Dorfmitte. „Hier sind auch kleine Kinder teils mit Fahrrädern unterwegs, was bei den vielen Autos jetzt zusätzliche Gefahren hervorruft. Täglich herrscht hier ein richtiges Geratter, aber eigentlich dürfen das die Autofahrer ja nicht.“

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