15.10.2019 - 12:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bienen sollen weiterfliegen: Kreis-Imkertag in Sulzbach-Rosenberg

Seit mindestens fünfzig Millionen Jahren gibt es Bienen. Können sie auch in unserer Zeit noch existieren? Der Kreisimkertag 2019 zeigt Wege und Hilfen auf.

Kreisvorsitzender Andreas Royer beim Imkertag: "Summende Bienen vermitteln den Eindruck "heile Welt" . Um so schwerwiegender wird ihre Gefährdung wahrgenommen."
von Helga KammProfil

Noch fliegen sie, die Bienen, auch an diesem sonnigen Oktobertag, an dem sich im Capitol Imker aus den sechs Ortsverbänden zum jährlichen Kreisimkertag zusammengefunden haben. Dass die Bienen heute nur mit Hilfe des Menschen überleben können, wurde im Vortrag der Bienen-Fachberaterin Renate Feuchtmeyer deutlich.

Kreisvorsitzender Andreas Royer zeigte auf, dass nicht nur die Sympathieträgerin Honigbiene, sondern die Insektenwelt insgesamt gefährdet sei. "Was einer solchen Entwicklung entgegenwirken kann, ist weitreichender Biotop- und Artenschutz", erklärte er und erinnerte an den Erfolg des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" Anfang des Jahres: "Es führte mittlerweile zum vielleicht besten Naturschutzgesetz in Bayern".

EU-Förderung überdenken

Für die Imker, so Royer, gelte ein klares Ja zur bäuerlichen Landwirtschaft. Leider hätten deren freiwillige Leistungen den Artenrückgang im Acker- und Grünland nicht aufhalten können. Das neu gefasste Gesetz beinhalte bessere Rahmenbedingungen für eine naturverträglichere Landwirtschaft. Die EU-Förderungen, riet der Vorsitzende, sollten sich weniger an der Fläche orientieren, sondern an den Leistungen für Naturschutz und Gemeinwohl. Abhängigkeiten von Großkonzernen und der Agrochemie-Lobby würden den Bauern dagegen schaden.

Den vielfältigen Gefahren für die Natur entgegenzuwirken, betrachten die Imker als ihre Aufgabe. Die alljährliche "Varroa-Runde", verschiedene Fortbildungen, die Daueraktion "In jedes Dorf ein Bienenvolk" und insbesondere die Nachwuchsarbeit mit den Probe-Imkern, zeigte Andreas Royer als die Haupt-Aktivitäten des Kreisverbandes auf.

Was Bienen sich wünschen würden, erläuterte Renate Feuchtmeyer. Aus der Sicht der Fachberaterin für Bienenzucht in der Oberpfalz ist das vor allem eine attraktive Bienenweide mit Nektar und Pollen. Dazu Nistmöglichkeiten, Nistmaterial, Schutz in der Nacht und vor Regen sowie Paarungsplätze für Honigbienen, Hummeln und solitäre Wildbienen. Totholz im Garten, Samenstände von Blumen, offene statt gefüllten Blüten - sie zeigte eine Fülle von Hilfen auf, mit denen Bienen das Leben und Überleben erleichtert werden kann.

Die diversen Arten von Bienen, so Feuchtmeyer, haben unterschiedliche Ansprüche. Morsches Holz die einen, großblütige Pflanzen die anderen, Mauerritzen, unterschiedliche Zeiten, in denen sie Nektar sammeln und Blumen, die gerade dann blühen. "Es muss halt alles zusammenpassen, das Nahrungsangebot, das Nistmaterial und das Pollenangebot", sagte die Expertin. Dass Wollbienen ihre Nester mit Pflanzenhaar auskleiden, dass Solitärbienen in Blüten übernachten oder ein Mittagsschläfchen halten, dass die Blattschneiderbiene Blattstücke zum Nisten braucht, dass manche Bienen die Blütenfarben blau, andere gelb bevorzugen: All diese Informationen gab sie an ihre Zuhörer weiter.

"Gemeinsam erfolgreich"

Sie begrüßte ausdrücklich den Wert von Bienenweiden am Rande der Straßen oder in Siedlungen. Dafür, dass dies in Sulzbach-Rosenberg bereits seit langem praktiziert werde, bedankte sich Andreas Royer bei Bürgermeister Michael Göth, der wiederum die gemeinsame erfolgreiche Arbeit mit dem Imker-Kreisverband und dem Ortsverband unter Helmut Heuberger würdigte. Die Imker, so Göth, hätten sich zu einem Motor entwickelt, "der uns berät, Vorschläge macht und vor allem mit dem Projekt ,Imker auf Probe' großen Erfolg erzielt".

Der Kreisverband Sulzbach-Rosenberg umfasst die Ortsverbände Illschwang-Birgland, Auerbach, Jura-Högen, Königstein, Neukirchen-Holnstein und Sulzbach-Rosenberg mit insgesamt 260 Mitgliedern. Der Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg ist mit 159 Mitgliedern der stärkste und hat 109 aktive Imker.

Renate Feuchtmeyer sprach über Bienenweiden, den "intelligenten" Blumenkasten und das "urban beekeeping".

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