03.05.2019 - 10:21 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bierernster Blick aufs Trinken

Droht Deutschland in seinem eigenen Durst zu ertrinken? Philipp Weber gibt im Seidel-Saal viele Antworten. Beim "Warten auf Merlot" zeichnet der Kabarettist mit Wissen, Witz und Leidenschaft sein Bild der heutigen Welt.

Ohne moralische Keule aber mit viel Humor schildert Philipp Weber die Trinkgewohnheiten und Auswüchse der heutigen Gesellschaft.
von Helga KammProfil

Dass der Durst gleichzeitig Freund und der Feind sein kann, bewies der studierte Chemiker und Biologe, Autor und Verbraucherschützer aus Unterfranken mit originellen Sprüchen, satirischen Spitzen und spritzigen Pointen. Das Publikum im Seidel-Saal kam dabei kaum zum Klatschen, es war pausenlos am Lachen. Mühelos gelang es dem Schnellredner, bierernste, scharfsinnig beobachtete Themen humorvoll dazustellen und gleichzeitig den Finger in so manche Wunden der Leistungsgesellschaft zu legen.

"Ich bin kein Moralist und auch kein Öko-Heini", beschreibt sich der 44-Jährige, der das ganze Jahr über mit verschiedenen Programmen durch Deutschland tourt. Auswüchse wie Kaffee in Alu-Kapseln, die bis in 1200 Meter Tiefe wasserdichte Rolex oder die "All you can eat-Flatrate" aber lassen ihn feststellen: "Wenn sich dieser Planet in eine große Müllhalde verwandelt, haben wir alle damit zu tun."

Bei allem Witz und seiner großartigen Blödelei kommt immer wieder Webers Sorge um die Welt und die sie Regierenden zum Vorschein. Mit Sprüchen wie "Auf einem kranken Kopf sprießt kein gesundes Haar" lästert er über Trump, Kim und Johnson. "Schlechtes tun und trotzdem darüber reden", mokiert er sich über angeblich ökologisches Engagement von Firmen, und dass sogar Fair-Trade-Kondome angeboten werden, heißt für ihn "Pimpern für eine bessere Welt".

Die Trinkgewohnheiten der Deutschen sind ein spezielles Thema für den vielfach ausgezeichneten Kabarettisten. Als "Advents-Ballermann" bezeichnet er die Weihnachtsmärkte, bei denen 120 Millionen Liter Glühwein in Deutschland getrunken werden. "Wir leben in einer maßlosen Zeit", ist sein Eindruck, "in einer verrückten außerdem." Dass Weingüter auf dem Jakobsweg "Pilgern mit Genuss" versprechen, dass Alkopops speziell für Kinder und Jugendliche designed werden, dass Restaurants 19 verschiedene Mineralwasser mit Namen wie "Wolkensaft" oder "Tränen Gottes" anbieten - da kann einem Philipp Weber schon einmal der Kragen platzen. "Reiche Vollidioten gibt es überall", stellt er fest.

Er beklagt den Missbrauch von Antibiotika, die Verschwendung von Wasser und die Chemie auf den Äckern, stellt die Pharmaindustrie als "die erfolgreichsten Drogendealer" an den Pranger. Beruhigungs- und Aufputschmittel seien an der Tagesordnung, Kinder würden mit Medikamenten ruhig gestellt und 85-jährigen Rentnern Viagra angepriesen: "Dabei wäre Tauben füttern für sie völlig in Ordnung."

"Betrunken sein ist, sich eloquent zu fühlen, ohne das aussprechen zu können" oder "Alkohol ist das Schmiermittel unserer Leistungsgesellschaft: Mit vielen knallharten Wahrheiten brachte Weber sein Publikum zum Lachen und auch Nachdenken. Für den Umgang mit dem Durst aber hatte der "Meister der komischen Volksaufklärung" auch nicht das allgemeingültige Rezept.

Irmgard und Hans-Ulrich, seine beiden Mitspieler im Publikum, genossen jedenfalls ganz entspannt ihr Bier und ihr Glas Wein. Der Beifall für den Künstler war so langanhaltend, dass er mit "schafft's euch fort" dem Abend schließlich ein Ende setzte.

Hintergrund:

Philipp Weber ist seit 2004 als Kabarettist „im Geschäft“. Im Fernsehen war und ist er zu sehen unter anderem in der „Anstalt“, in den „Scheibenwischern“ und in „Pufpaffs Happy Hour“. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der Deutsche Kleinkunstpreis sowie der Deutsche und der Bayerische Kabarettpreis.

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