10.11.2019 - 09:24 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bieriges Kleinkunst-Musical im Seidel-Saal

Es geht gut aus. 500 Jahre lang war bayerisches Bier nicht mehr rein, dann macht Furunkula ihren Fehler wieder gut. Das bierische Kleinkunst-Musical "Drei Wünsche frei" erzählt davon im Seidel-Saal, mit drei Personen in zehn Rollen.

Drei Schauspieler spielen zehn Rollen im Kleinkunstmusical "Drei Wünsche frei". Tom Bauer, Veronika Frank und Sebastian Hagengruber (v.li.) auf der Bühne des Seidel-Saals
von Helga KammProfil

Zwei Jahre nach dem großen Erfolg von „Oschnputtl" sind Tom Bauer, Veronika Frank und Sebastian Hagengruber mit einem neuen Kleinkunst-Musical unterwegs. Ihr Stück „Drei Wünsche frei“ ist eine absurd-witzige Geschichte über das bayerische Bier und das Reinheitsgebot, erzählt, gespielt und gesungen. Kulturpreisträger Tom Bauer ist dabei Autor, Komponist und Erzähler, spielt auf dem alten Klavier im Seidel-Saal seine Songs und hat das ganze Stück in bayerischer Mundart und in Versform geschrieben. Mit Frank und Hagengruber wirken Profis mit, die mit schauspielerischem Talent und super Stimme ihre unterschiedlichen Rollen zum Leben erwecken.

Die Zeitreise in die Biergeschichte beginnt im Bayern des Jahres 1516. Herzog Wilhelm der IV. will das bayerische Reinheitsgebot beschließen, als die Zauberfee Furunkula versehentlich ihre geplanten Einkäufe auf dem wichtigen Dokument notiert. So entsteht in Bayern das schlechteste Bier der Welt, mit Sellerie, Tomaten, Schnittlauch, einem Wurm für den Tequila, mit Wienern und Leberkäs. Furunkula, benannt nach „am kloana Gschwür“, zaubert sich danach aus Angst 500 Jahre in die Zukunft, in eine ihr fremde Welt. Als ihr Zauberstab nicht mehr funktioniert, muss sie ein Ladegerät finden, hat dabei verrückte Erlebnisse und begegnet skurrilen Charakteren. Wolferl oder Isegrim, Latrina oder Klo-Thilde, ein trinkfester Pfarrer und ein bestechlicher Bürgermeister, der „Inselaff“, ein englischer Museumswärter, der Dorflehrer, sie alle werden abwechselnd von den drei Akteuren gespielt. Sie unterscheiden sich durch ihre Stimme, ihre Sprache, ihren Dialekt und vor allem durch ihre Mimik. Veronika Frank ist die kratzbürstige Furunkula, keifende Bedienung und die Veganerin Latrina, kann aber ebenso den Charme des österreichischen Bürgermeisters zum Ausdruck bringen. Sebastian Hagengrubers Stimme und Mimik wechseln perfekt vom Kirschgeist-seligen Pfarrer über den kölsch-sprechenden Lehrer bis hin zum dumm-naiven Wolferl. Und wie das ist bei einem Musical, hat auch die Musik Platz in ihrem Spiel. „Alle, die i kenn, san in ana andern Zeit“, singt Furunkula traurig. Der englische Museumswärter bekennt „I am stolz, dass ich Engländer bin – God save the Queen“, und der dramatische Abschied vom todkranken Wolferl kommt durch eine „alte italienische Arie“ zum Ausdruck, in der Frank und Hagengruber, zwei ausgebildete Gesangslehrer, mit schönen Stimmen überraschen.

Die Geschichte um das verdorbene Bier hat schließlich doch ein gutes Ende. Furunkula kann nach Irr- und Umwegen ihren Zauberstab aufladen, hat drei Wünsche frei und setzt damit das Reinheitsgebot wieder in Kraft. Ob sie wieder zurück will in ihre Zeit vor 500 Jahren? Tom Bauer bietet zwei End-Varianten an, die Fee kann sich entscheiden. „Wünsche braucht der Mensch“, sagt er seinem Publikum, aber „zaubern glangt dou net alloa, meistens muast a etwas doa, wenn's in Erfüllung geh'n soll'n“. Seine Befürchtung, im Seidel-Saal könne in der Pause Sellerie-Tomaten-Schnittlauch-Bier ausgeschenkt werden, hat sich nicht bewahrheitet. Der abschließenden Reinheitsgebots-Hymne und dem klangvollen gleichnamigen Jodler stand also nichts mehr im Wege. „80 Tasten, drei Personen und zehn Rollen“ in einem bairisch-musikalisch und märchenhaft witzigen Stück haben an diesem Abend viele Menschen glücklich gemacht.

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