25.03.2020 - 17:13 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bildschirm statt Klassenzimmer ist angesagt

Verwaiste Schulräume, kein Betrieb im Lehrerzimmer: Die Schulen der Stadt haben sich digitalisiert. Schüler lernen zu Hause, Lehrer verschicken Material und bekommen Aufgaben zurück - doch alle wissen: Das ersetzt keinen echten Unterricht.

Wichtige Lehrerkonferenz online mit 44 Lehrkräften: In der Krötensee-Mittelschule macht es die Technik möglich. Die Informationen laufen.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil
Neuer Physiksaal, aber keine Schüler: Auch im HCA-Gymnasium herrscht Leere – auf den Servern dagegen Hochbetrieb.

Der Chef des HCA-Gymnasiums bringt es auf den Punkt: "Wir stehen vor einer in der gesamten Dimension derzeit nicht überschaubaren Herausforderung. "Wir tun alles, um sie zu bewältigen; es wird nur gemeinsam funktionieren!", erbittet Oberstudiendirektor Dieter Meyer weiterhin Gelassenheit und Geduld.

Das schulische Informationssystem Mebis sei inzwischen mehrfach an seine Leistungsgrenzen gekommen, es werde aber massiv nachgerüstet. Bis dahin werde von allen übergangsweise die Homepage www.hca-gymnasium.de als Verteiler für Unterrichtsmaterial genutzt.

Aufgaben kommen per Mail

Dementsprechend sei folgendes vorgesehen: Die Lehrkräfte stellen die Aufgaben zusammen, deren Umfang sich an der Wochenstundenzahl ihres Faches in der jeweiligen Jahrgangsstufe orientiert. "Sie werden sich bemühen, Mails von Schülern und Eltern, die bis 13 Uhr eingehen, noch im Laufe des Tages, ansonsten am nächsten Tag zu beantworten."

Derzeit habe man am HCA-Gymnasium mit seinen rund 600 Schülern keine Notfallbetreuung auf Basis der Voraussetzung, dass Erziehungsberechtigte in Bereichen der kritischen Infrastruktur tätig seien. "Sie wird aber eingerichtet, sobald sich der Bedarf ergibt." Wer zu dieser Berufsgruppe gehört, könne sich an schulleiter[at]hca-gymnasium[dot]de unter Angabe des Namens und der Klasse des Kindes wenden.

Bei der Walter-Höllerer-Realschule läuft das Home-Schooling auch gut. . Nach zunehmenden Problemen mit einer ersten Cloudlösung konnte eine zuverlässige Alternative, die "WHR-Online-Schule" eingerichtet werden. Auf der Homepage finden alle rund 630 Schüler per Mausklick die Bereiche ihrer Lehrkräfte, die Unterrichtsmaterial dort unkompliziert bereitstellen. Aus schulischer Sicht funktioniert der digitale Unterricht - auch ohne langen zeitlichen Vorlauf - sehr gut: "Die Lehrkräfte sind von Beginn an die neue Phase mit großem Engagement angegangen", lobt Rektor Martin Zimmermann. Vielfache Rückmeldungen von Eltern seien geprägt von hoher Wertschätzung für ihre Arbeit.

Eltern sind gefordert

Die Eltern, die oft ganz eigene Probleme hätten in dieser Zeit, seien ungleich mehr gefordert, weil nicht nur die Unterstützung durch Lehrkräfte fehlt, sondern oftmals Betreuung und Hilfe bei der Organisation der Unterrichtsmaterialien (vor allem in unteren Klassen) erforderlich ist. Auch die Lehrer leisten sehr viel zusätzlich in dieser digitalen Phase. Doch Realschulrektor Martin Zimmermann gibt zu bedenken: "Die Lehrerpersönlichkeit ist von entscheidender Bedeutung für nachhaltigen Lernerfolg. Auch der beste digitale Unterricht kann nie einen Lehrer ersetzen!" Wichtig seien Verständnis füreinander, Flexibilität, gegenseitige Unterstützung.

Nur prüfen, was behandelt ist

Auf eines wies der Rektor besonders hin: "Es werden keinerlei Leistungsnachweise oder Notenbildung über die Inhalte der aktuellen Phase der Aussetzung des Unterrichts ohne vorherige Behandlung, Besprechung und Klärung nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs stattfinden." Es könnten nur Inhalte geprüft werden, die im Unterricht auch ausreichend behandelt wurden." Appell an seine Lehrer: "Wählen Sie Unterlagen und Material besonnen aus, gewähren Sie ausreichend Zeit zum Abrufen und Bearbeiten!"

In der Pestalozzi-Schule bekommen die rund 320 Grundschüler E-Mails von ihren Lehrern. Auch hier haben die Eltern wichtige Funktionen. Es treffen Übungspakete ein, deren Abarbeitung überwacht werden muss. Rektorin Gunda Köstler berichtet von dankbaren Eltern, die sich sehr aufgeschlossen zeigen für diese Möglichkeit des Fernunterrichts. Fast alle sind schon dabei.

Sehr zufrieden ist Rektor Peter Danninger von der Krötensee-Mittelschule. Der digitale Unterricht läuft bei vielen Lehrern und Schülern vorwiegend über die bayernweite Lernplattform „Mebis“. Alle verfügen bereits seit Beginn des Schuljahres ab der 5. Jahrgangsstufe über einen Zugang, der nun sowohl von Lehrer- als auch Schülerseite genutzt wird.

„Zusätzlich“, so Danninger, „haben wir eine Krötensee-Schul-Cloud, über die die Lehrkräfte den über 500 Schülern tagesaktuelles Material einstellen, auf das sie zugreifen können.“ Leider erfolge die Rücksendung von erfüllten Aufgaben seitens einiger Schüler noch sehr unregelmäßig. „Hier möchte ich an die Eltern appellieren, bei den Schülern daheim nachzufragen, was sie wann erledigt und dem Lehrer geschickt haben. Bei vielen Schülern läuft es aber sehr gut.“

Die Infos habe er am Dienstag aus der Onlinekonferenz mit 44 teilnehmenden Lehrkräften bekommen. Diese berichteten in dieser etwas anderen Konferenz, wie es ihnen im Homeoffice geht, wie sie den Kontakt mit den Schülern halten und konnten selbst Fragen stellen zu Prüfungsterminen, Stornierungskosten von Schulfahrten etc. Einiges laufe natürlich auch per Mail oder Telefon. Er selbst nehme als Schulleiter die Präsenzpflicht an der Schule wahr und beantworte Anrufe und Mails von der Schule aus.

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