23.05.2019 - 11:55 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Binser verteilt „Zuckerln“

Welch eine Stimmung im Seidel-Saal! Helmut A. Binser verteilt „Zuckerln“ an die Sulzbach-Rosenberger und die feiern ihn und sein neues Programm. Er ist nicht allein diesmal: er hat Alfred mitgebracht.

Er habe den schönsten Beruf der Welt, sagt Helmut A. Binser im Seidel-Saal. Kritisch, witzig und liebevoll beschreibt er seine Welt.
von Helga KammProfil

Er sieht aus wie immer, mit Bart und Hut, hat seine Gitarre und die Quetschn dabei. Nur das schwarze T-Shirt ist neu, sagt er, und auch seinen Begleiter kennt das Sulzbacher Publikum noch nicht. Es sieht ihn auch nicht, denn Alfred ist Binsers unsichtbarer Hund, nach einer Schmerzmittel-Überdosis in seinem Kopf entstanden und auch darin geblieben. Skurril und schräg sind Binsers Geschichten, herrlich absurd seine Lieder, spritzig die Pointen, Wortspiele und Witze. In alle Ironie und hintergründigen Humor mischt sich aber auch Nachdenkliches, wenn er in seinem Waldler-Dialekt das Leben in seinem Dorf Runding schildert oder die heutige, ein wenig aus den Fugen geratene Welt.

"Mein Beruf ist für mich der schönste auf der Welt", gesteht er zu Beginn. Angefangen hat Binser, der eigentlich Martin Schönberger heißt, als Tourbusfahrer, hat hart gearbeitet und ist zu einem gefragten Musikkabarettisten auf den Bühnen in Bayern und Österreich geworden.

In Sulzbach-Rosenberg und weit darüber hinaus hat er sein Publikum. Weil er ein Künstler zum Anfassen ist, einer "wie wir", der auf der Bühne seine zwei Halbe schluckt und schnupft, auch wenn es mittlerweile kein Tabak mehr ist, den er sich in die Nase zieht, sondern Globoli, "Styroporkugeln", sagt er.

"Ohne Freibier wär' das nie passiert", heißt sein neues Bühnenprogramm. In seiner witzigen authentischen Art beschreibt er sein beschauliches Lebensumfeld: den Nachbarn, der "a Depp" ist, die Stammtischrunde, die am Valentinstag statt Blumen zu kaufen im Wirtshaus total versumpft, den Opa beim sorglosen Baumfällen im Wald und den Metzger Bolzn-Berti, "dem 's as Wirtshaus zougsperrn hom wega da Hygiene".

Erfrischend sind seine Pointen und Wortspiele, hintersinnig und zum Totlachen die Anekdoten. Wegen einer "genetischen Rechenschwäche" habe er die Schulzeit mit einem Notenschnitt von 3,8 beendet, gesteht er: "Das war zur D-Mark-Zeit, wär also heit 1,9", überlegt er. Seine beiden weißen Kater nennt er Franziskus und Benedikt,

"Kam jung um" heißt bei ihm der Bruder des Diktators Kim Jong un. Die Geschichte von der Sau am österreichischen Grenzübergang, sein Lästern über einen bestimmten Fußballverein, seine Arbeit in der "Bappadeckl-Industrie" - kritisch, scharfsinnig und doch liebevoll sind seine Texte, die er oft mit seinen Instrumenten begleitet.

"Des is glogn", ruft eine Frau aus dem Publikum, als Binser sich als perfekten Hausmann darstellen will. Er lacht, reagiert mit einer "Hymne an die Sulzbacher Frauen", nennt Gastgeber Fred Tischler einen"Wahnsinnstypen" und krönt den Abend mit Bewährtem: "Ma muass blos a bissl wortn, dann regelt se alles vo alloa" und "I trink nie wieder Alkohol", das sind die Lieder, die das Publikum zum Jubeln bringen. Zu drei Zugaben ist Binser bereit, bei einer weiteren müssen seine Fans erkennen, dass auch bei einem professionellen Alleinunterhalter irgendwann die Kraft zu Ende ist. Ihr Applaus ist Dank und Anerkennung zugleich.

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