14.01.2020 - 16:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Peter Zahn prangert planlosen Flächenverbrauch an

Wenn Menschen für Klima- und Naturschutz auf die Straße gehen, wird vielerorts auch gegen den voranschreitenden Flächenverbrauch protestiert. Peter Zahn sieht in zehn Hektar Verbrauch pro Tag in Bayern eine alarmierende Zahl.

Wie Peter Zahn im Pressegespräch angab, sei in Bayern 2018 täglich eine Fläche verbaut worden, die etwa 14 Fußballfeldern (im Bild das Stadion des TuS Rosenberg), also etwa zehn Hektar, entspreche.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Für den Umweltexperten bedeute der Begriff ,,Flächensparen" aktuell nur eine Worthülse für die Diskussion, die keine Reaktionen auslöse. Laut Flächenverbrauchsbilanz des Landesamtes für Statistik verlangsamte sich der Flächenverbrauch in Bayern zwar etwas, verbleibe aber auf einem hohen Niveau. "Im Freistaat werden zehn Hektar pro Tag verbraucht, was bedeutet, dass damit werden 12, 1 Prozent der Fläche Bayerns als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt werden", bilanziert Peter Zahn im SRZ-Gespräch. Diese Angaben seien alarmierend und müssten Konsequenzen haben.

Probleme bekannt

Wie er weiter angibt, seien die Probleme mit der andauernden Flächeninanspruchnahme auch bekannt. Auch sei die Verpflichtung zum sorgsamen Umgang mit Grund und Boden sogar in der bayerischen Verfassung und im Baugesetz festgelegt. Auch lägen die Ankündigungen zum Gegensteuern vor. "Aber in der Praxis werden weiter ohne erkennbare Begrenzung unverbaute Flächen überplant und für neue Nutzungen vorgesehen",. sieht Zahn einen gewaltigen Missstand.

Den Flächenverbrauch in Bayern beziffert er von 2015 bis 2018 mit durchschnittlich 11,1 Hektar pro Tag. Für ihn sei keine signifikante Absenkung erkennbar. Das Erreichen der Ziel-und Richtgröße von fünf Hektar pro Tag (1825 Hektar pro Jahr) sei weiter in die Zukunft verschoben.

Landwirtschaft verliert Fläche

Beim Schwenk auf den Landkreis Amberg-Sulzbach nennt er für die gleiche Zeit eine Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche (Wohnbau, Industrie und Gewerbe und Straßen) um 189 Hektar. Das entspreche laut Peter Zahn im Jahr im Landkreis eine unwiederbringliche Umnutzung von etwa 47 Hektar Freiflächen. Davon seien neu rund 23 Hektar Bodenfläche voll versiegelt und für die Bebauung 146 Hektar landwirtschaftliche Produktionsflächen aus der Nutzung genommen worden.

"Ein Ende der ausufernden Bodennutzung ist damit aber nicht in Sicht. Die Planungen und Ankündigungen laufen im vollem Umfang weiter: Sandabbau und Gewerbegebiete im Freihölser Forst bei Ebermannsdorf 190 Hektar, interkommunales Gewerbegebiet an der B 299 bei Ursensollen 70 Hektar Bauverfahren 2019 im Landkreis 78 Hektar, Gewerbegebietserweiterungen in Amberg 105 Hektar", listet der BN-Kreisvorsitzende auf.

"Verantwortungslos"

Zu berücksichtigen sei für Peter Zahn bei der Gesamtbilanz des Flächenverbrauchs auch die Ausweisung zusätzlicher Wohngebiete in den Landkreiskommunen, die Erweiterung und Neuausweisung lokaler Gewerbegebiete sowie der Ausbau und der Neubau von Straßen und Wegen für das Kernwegenetz. "Angesichts dieser Grundlagen kann man nur festhalten: diese Vorgehensweise ist plan-, maß- und verantwortungslos."

"Für die Umsetzung von Vorhaben im Landkreis werden rund 160 Hektar Fläche aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen. Damit fehlen Flächen für den Anbau von Lebens- und Futtermittel und als Lebensraum für Nutztiere. Diese Verluste sind nicht ersetzbar", gibt sich der Naturschützer im SRZ-Gespräch überzeugt.

Förderung des Klimawandels

Auch auf die Waldflächen legt Peter Zahn sein Augenmerk. Dort würden etwa 280 Hektar Wald beansprucht. Die großflächige Vernichtung von Wäldern fördere seiner Auffassung nach den Klimawandel. Außerdem beschleunige der Verlust der Lebensräumen das Artensterben und den Rückgang der Populationsdichten. Die Bevölkerung verliere nach Ansicht des Umweltschützers Erholungs- und Freizeiträume.

Resümee von Peter Zahn, BN-Kreisvorsitzender:

Maßnahmen zum Gegensteuern festlegen

Nach Auffassung von Peter Zahn können wir es uns nicht leisten, weiter in diesem Umfang naturnahe Flächen für Bauvorhaben zu opfern. Für ihn drängen sich auch weitere Fragen auf: "Wer bremst die Gemeinden bei ihrer Planungseuphorie? Wer fordert eine verpflichtende Obergrenze beim Flächenverbrauch und wer kontrolliert die Einhaltung dieser unverzichtbaren Begrenzung?" Eine Klärung dieser Fragen müsse erfolgen. Die aktuelle Vorgehensweise sei absolut nicht nachhaltig und führe zu nicht umkehrbaren Folgeschädigungen. "Die Bayerische Staatsregierung muss wirksame Maßnahmen zum Gegensteuern festlegen und umsetzen. Ein ,weiter so wie bisher' ist nicht akzeptabel", sagt Zahn.

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