03.02.2020 - 10:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bund Naturschutz und Kultopf zeigen "The True Cost"

Ein Film im Capitol? Keine besondere Sache in einem ehemaligen Kino? Diesmal schon, den was da in 90 Minuten über die Leinwand ging, zeigte schonungslos und schockierend die Folgen überzogenen Konsums für Menschen und unseren Planeten auf.

Im Film "The True Cost" geht es vor allem um Kleidung, die Menschen, die sie herstellen und die Auswirkungen industrieller Produktion auf die Umwelt.
von Helga KammProfil

"The Trust Cost" hieß der Film, zu dem der Bund Naturschutz und der Verein Kultopf eingeladen hatten. Es ging bei diesem "Preis der Mode" um Kleidung, um die Menschen, die sie zu brutalen Bedingungen in Entwicklungsländern herstellen und die Auswirkungen der industriellen Produktion.

"So wie wir jetzt wirtschaften, können wir nicht weitermachen", mahnte eingangs Peter Zahn, der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz. Die Wende bei der Energie, beim Verkehr und in der Landwirtschaft könne nur gelingen, "wenn die Leute mitmachen", also ihr Verhalten auf den Prüfstand stellten.

Die eingestürzte Nähfabrik Rana-Plaza 2013 in Dhaka mit 1129 Toten ist das Paradebeispiel für Ausbeuterbetriebe in aller Welt - eine habgierige Industrie, die weder sichere Arbeitsplätze noch einen gerechten Lohn bietet und Menschenrechte missachtet. "Sie haben wenigstens einen Job und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung", verteidigen westliche Manager diese Verhältnisse, aber eine Näherin fordert unter Tränen: "Ich möchte, dass niemand etwas bekommt, was mit unserem Blut hergestellt ist."

Daneben kommen Aktivisten zu Wort, die den Kapitalismus verantwortlich machen für die Ausbeutung der Menschen in der dritten Welt, für die gesundheitlichen Folgen und die Massenverelendung. "Materialismus und das Streben nach Besitz macht die Menschen unglücklich und krank", sagen sie, und: "Es gibt Grenzen, was die Welt ertragen kann, und die sind zweifellos überschritten".

Dabei geht es nicht nur um die Wegwerf-Mode, die Shirts für fünf Euro und Jeans für einen Zwanziger. Es geht um die Chemikalien und Pestizide auf Baumwollfeldern in den USA; um die Gerbereien, die ihr kontaminiertes Schmutzwasser in den Ganges und andere Flüsse leiten, es geht um Hautkrankheiten, Gelbsucht, Krebs, um zahllose Behinderungen an Körper und Geist. Näherinnen sprechen, die ihre Kinder im Dorf lassen müssen, um in der Fabrik zu arbeiten, die verprügelt werden, wenn sie gerechteren Lohn fordern, aber auch ihre Chefs, die massiv unter Druck gesetzt werden. Billiger und immer noch billiger müssen sie produzieren, fordern die westlichen Auftraggeber, weil es noch genug andere gibt, die ausgebeutet werden können. Daneben die Bilder von Modenschauen in europäischen Großstädten, von Shopping-Orgien am "Black Friday", von krasser Werbung, der Hinweis auf Produktionswege über Kontinente hinweg.

"Was tun?", fragte Peter Zahn das nach diesen schockierenden Bildern recht ratlos verharrende Publikum. Das System und der Kapitalismus habe eine Freikarte, war man sich einig, das könne man wohl nicht ändern. "Erst einmal bei sich selber anfangen", hieß es dann, überlegt und nachhaltig einkaufen, vielleicht mit der Kleidung beginnen.

Da kamen die drei Mitarbeiterinnen von Glore in Nürnberg zu Wort. In ihrem Laden und in weiteren zehn anderen in deutschen Städten werden nur hochwertige Fair-Trade-Produkte angeboten, "die im Einklang mit Mensch und Natur hergestellt werden". Respekt vor den Menschen, die sie produzieren und die Rücksicht auf die Natur und ihre Rohstoffe, nennen diese Händler als ihre Philosophie. Bewusst entscheiden könne sich hier der Kunde für fair gehandelte und ökologisch nachhaltige Mode mit ethischem Anspruch. "Die Idee wächst", war die Antwort auf eine Frage nach dem Erfolg, "aber es braucht Zeit".

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