Update 02.08.2019 - 14:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bunter Reigen mit dem Multichor

Der Multichor zieht nicht nur seine Fans an. Auch viele Gemeindeglieder kommen in die Rosenberger Johanniskirche. Beim Sommerkonzert erleben sie eine musikalische Reise um die Welt.

Chorleiter Franz Xaver Reinprecht spielt bei einigen Liedern genauso engagiert Gitarre wie er den Multichor leitet.
von Autor GACProfil

Kaum ein Platz blieb frei in der Kirche, so viele Menschen wollten das Konzert des Multichors der Städtischen Sing- und Musikschule hören. Chorleiter Franz Xaver Reinprecht versprach in seiner Begrüßung einen bunten Reigen von Liedern aus verschiedenen Zeiten, Regionen und Glaubensrichtungen.

Und der Chor hielt Wort. Zur Begrüßung sang er ein afrikanisches "Assalaam - Friede sei mit Dir". Dies war überraschenderweise eines der wenigen Lieder, die Reinprecht auf der Gitarre begleitete. Mit John Dowlands "Come Again" und dem "Sicut Locutus Est" aus Johann Sebastian Bachs "Magnificat" waren zwei anspruchsvolle Werke aus der europäischen Renaissance und dem Barock dabei, die der Chor sehr gut meisterte. Dazu gab es noch ein "Kyrie" von Lorenz Maierhofer, einem zeitgenössischen österreichischen Komponisten, bei dem die Bässe ein kräftiges Unisono im Wechsel mit dem übrigen Chor sangen.

Zum Programm gehörten auch eine Reihe von jiddischen und hebräischen Liedern wie "Mayn Rue Plats" von Morris Rosenfeld und "Do Di Li" aus dem Hohelied. André Hellers "Leon Wolke" über einen alten Juden aus Wien sang der Multichor einfühlsam und mit guter Textverständlichkeit. Leon Wolke hat als einziger aus seiner Familie das Vernichtungslager Treblinka überlebt und deswegen vor nichts mehr Angst, aber jede Nacht träumt er von seiner ermordeten Mutter - ein erschütternder Höhepunkt.

In Georgien, am äußersten südöstlichen Rand Europas, entstanden die ältesten mehrstimmigen Gesänge, die heute zum immateriellen Weltkulturerbe zählen. Die georgischen Harmonien sind sehr ungewöhnlich und bezaubernd. Der Multichor sang das Liebeslied "Shen Kar Venaki" mit wunderbar weichen Frauenstimmen und einem Schluss im Pianissimo. Auch das "Ach ty step" aus Sibirien war offensichtlich von dieser Mehrstimmigkeit beeinflusst. Ein Schwerpunkt in allen Multichor-Konzerten sind afrikanische Melodien. Vom Schlaflied "Thula Mtwana" über das freche Spottlied "Aya ngena" bis zum Kirchenlied "Agbele Yesu si" reichte die Palette.

Die komplexen Rhythmen und ungewohnten Harmonien beherrschten die Sängerinnen und Sänger souverän. Die stark besetzten Männerstimmen - häufig eine Schwachstelle in gemischten Chören - sangen kräftig und mit offensichtlicher Freude. Bei "Asem Pape - Gott ist groß" aus Ghana ließ der Multichor satten, wuchtigen Klang hören. Reinprecht dirigierte mit großen Bewegungen und geradezu sportlichem Körpereinsatz.

Für die letzte Zugabe ging es in Reinprechts österreichische Heimat: "Fein sein". Die Besucher verabschiedeten sich mit starkem Beifall. Ihre Spenden gehen an den evangelischen Kindergarten Guter Hirte.

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