16.11.2018 - 14:36 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

A capella durch die Welt

Sie sind nicht nur Stimme, sondern auch Orchester in einem, sie swingen und tanzen, sind stimmgewaltig und perfekt. Ihr Name „Wolperdinger Singers“ allerdings, der ist nicht so einfach zu erklären.

Mit Schwung und Begeisterung tragen die Wolperdinger Singers ihre Lieder und Balladen vor.
von Helga KammProfil

Kein Kabelgewirr, kein Mikrofon, keine Lautsprecher. Dafür fast vierzig Frauen und Männer auf der Bühne der Berufsfachschule für Musik, die nur eines tun: singen. Die Wolperdinger Singers aus Abensberg, ein A-capella-Chor, schaffte es, am Sonntagabend trotz anderweitiger Konkurrenz in der Stadt viele Besucher bis zu stehenden Ovationen zu begeistern. Und das nicht nur wegen ihrer wunderbaren geschulten Stimmen, sondern auch wegen ihrer offensichtlichen Sing-Freude, ihrem breitgefächerten Repertoire und ihrer Choreografie, die beinahe Musical-Charakter hatte.

„Uns gibt es seit 35 Jahren“, erzählte Sandra, die abwechselnd mit Christian den Abend moderierte. Dem Chor gehören normalerweise 39 Frauen und 18 Männer an, die jede Woche zusammen proben und mehrere Auftritte im Jahr haben. Dabei sind sie schon optisch das Hinschauen wert: Schwarz die Anzüge der Herren, rot-schwarz die Garderobe der Frauen. Und wenn viele althergebrachte Chöre unter Nachwuchsmangel leiden, so haben die Wolperdinger Singers viele junge Gesichter in ihren Reihen. Woran das liegt? Vor allem einmal an ihrer Chorleiterin Veronika Bertsch, die viel Herzblut in diesen Chor steckt. „Das überträgt sich“, erklärt Moderator Christian: „Sie ist in ihrem Element und wir wollen ihr die Freude machen“. Die studierte Gesangspädagogin ist unter anderem verantwortlich für die Ausbildung der Regensburger Domspatzen und ist Dozentin in verschiedenen musikalischen Bereichen.

Zum anderen hat Bertsch vielerei Beziehungen zu namhaften Arrangeuren, die den Wolperdinger Singers Stücke „auf den Leib“ schreiben. Mit der entsprechenden Choreographie werden diese Lieder zu kunstvollen Darbietungen, wenn bei „d'Fiass hamma weh do“ der Weg eines „Spätheimkehrers“ von „Omschberg bis nach Welschenbach“ beschrieben wird und dabei schmerzverzerrt Schuhe und Stiefel auf der Bühne ausgezogen werden. Das Können des Chores zeigte sich aber ebenso in ruhigen Balladen, in Hits bekannter Interpreten wie Udo Jürgens und in bayerischen Stücken von der Spider Murphy Gang und anderen.

Bei Popsongs von Michael Jackson oder Bruce Springsteen, Rock und deutschen Hits wie „Auf uns“ von Andreas Bourani oder „Halt dich an mir fest“ von Revolverheld glänzten die Sängerinnen und Sänger mit ihren schönen Stimmen, der begleitenden Lautmalerei und ihren nimmermüden Bewegungen.

Von zart und gefühlvoll interpretiert bis Dynamik und Temperament – mit kleinen Gesten brachte die Dirigentin ihr Ensemble immer wieder zu Höchstleistungen. Ihr Chor überzeugte dazu mit körperlichem Einsatz, mit ständigem Wechsel der Positionen, mit Mimik und Gestik, die spontan wirkten, sicher aber oft genug geübt worden sind. Alles in allem: Ein Abend der Freude für die Zuhörer im Saal der Berufsfachschule für Musik, aber auch für die Akteure auf der Bühne, die nach verdientem Beifall versprachen, gern wiederzukommen.

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