31.03.2020 - 16:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Desinfektionsmittel direkt vom Bauernhof

Eigentlich handelt es sich beim Anwesen der Familie Pilhofer in Seidersberg um einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Rinderzucht. Aber ihre Trinkwasser-Aufbereitungsanlage für den Viehbestand erweist sich in der Coronakrise als Clou.

Sabine und Claus Pilhofer im Milch-Tankraum vor dem Steuerungskasten der Innowatech-Aquadron-Anlage, der die Membranzellen-Elektrolyse regelt.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Vermeintlich einfach strukturierte Substanzen werden im Alltag oft weniger beachtet, oder können gänzlich unbekannt sein. In angespannten Zeiten wie in der Coronakrise kann sich das aber sehr schnell wandeln. Heute sind Desinfektionsmittel gefragter denn je, vor allem wirksam sollen sie sein - gegen alle Viren natürlich - und dazu noch hautverträglich. Gibt's das überhaupt? Ja, denn die Familie Pilhofer hat die Lösung.

Angefangen hat alles in Seidersberg auf dem heimischen Bauernhof mit der Aufbereitung des Wassers, das für die Viehtränken zum Einsatz kommt. Sabine und Claus Pilhofer wollten das Wasser, das aus einem sieben Meter tiefen Brunnen gefördert wurde, keimfrei machen, um die Rindergesundheit zu erhöhen. Mit der Beimischung eines natürlich hergestellten Desinfektionsmittels über eine Anlage der Firma Innowatech aus Wasser und Kochsalz erreichte die Familie Pilhofer Keimfreiheit und eine seit Jahren gesunde Herde.

Behälter für das hochwirksame Anolyte (links), das als Desinfektionsmittel dient, und das aus Natriumhydroxid bestehende Katholyte.

Die Anlage im Wert von etwa 40 000 Euro ist nach Angaben der Betreiber in der Lage, täglich 500 Liter Desinfektionsmittel herzustellen. "Anolyte ist ein neutrales Desinfektionsmittel, das wie ganz normales Wasser aussieht und für verschiedene Anwendungsbereiche zugelassen ist. Beim Wirkstoff handelt es sich um aktives Chlor, das aus hypochloriger Säure freigesetzt wird. Es eignet sich gut zur Keimreduktion von mikrobiologisch belastetem Trink- und Prozesswasser oder kontaminierter Oberflächen. Anolyte ist materialschonend, wirkt bakterizid, fungizid und viruzid", erklärt Sabine Pilhofer beim Ortstermin in Seidersberg.

Aus Wasser und Kochsalz

Bei der automatischen Herstellung von Anolyte-Konzentrat werde Trinkwasser enthärtet und in einem Solemischbehälter auf die benötigte Salzkonzentration eingestellt. Durch die Membranzellenelektrolyse entstehe das Anolyte. Es fließe über Dosierpumpen zum Einsatzort. Je nach Anwendung in verschiedenen Konzentrationen. "Das Erstaunliche dabei ist für uns der Einsatz von Wasser und Kochsalz - also von zwei eigentlich in jedem Haushalt vorhandenen Stoffen - und die daraus resultierende Wirkung", sagt Claus Pilhofer. Wie er angibt, nutzten auch Krankehäuser oder städtische Wasseraufbereitungen dieses Technologie. Und zu seinem Kundenkreis gehören bereits verschiedene private und gewerbliche Nutzer. "Gerne können auch Privatpersonen bei uns das Anolyte-Desinfektionsmittel erwerben. Vorteile sind dabei auch die Hautverträglichkeit, der ph-neutrale Bereich und die unproblematische Entsorgung, da keinerlei Schadstoff enthalten ist. Für detailliertere Informationen stehen wir natürlich unter 0151-158 664 09 oder direkt in Seidersberg 2 zur Verfügung", so Sabine Pilhofer.

In diesem Reaktor reagieren Wasser, Salz und Strom zu einer elektrolytisch aktivierten Lösung.
Info:

Hintergrund

Das Membranzellen-Elektrolyse-Verfahren basiert nach Angaben der Firma Innowatech auf der seit über 100 Jahren bekannten Technik der Elektrolyse, bei der eine chemische Verbindung unter Einwirkung von Strom in ihre Bestandteile aufgespaltet und zu neuen Verbindungen umgesetzt wird. Das besondere dabei ist die Membran, die Anode und Kathode der Elektrolysezelle voneinander trennt und dadurch zwei „Reaktionskammern“ schafft. Beim Verfahren der Firma Innowatech wird eine hochreine Kochsalzlösung bei definierter Spannung und Stromstärke in zwei Phasen gespalten. Mit einem Anteil von ca. 90% entsteht an der Anode der Wirkstoff Anolyte als pH-neutrale Natriumhypochloritlösung. Zu ca. 10% entsteht an der Kathode das sogenannte Katholyte, das nicht benötigt wird.

Das Anwesen der Familie Pilhofer in Seidersberg.
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