21.11.2018 - 16:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Diakonie stellt Schuldner- und Insolvenzberatung ein

Ein Schuldenberg kann vielerlei Ursachen haben. Wer sich in so einer prekären Situation helfen lässt, konnte bis dato die Diakonie aufsuchen. Dort wird es aber schon bald keine solche Beratung mehr geben.

Wenn die Schulden drücken oder gar eine Privatinsolvenz ansteht, führt der Weg oft zu den Beratungsstellen der Diakonie.
von Andreas Royer Kontakt Profil

"Die Schuldnerberatung ist eigentlich eine Aufgabe der Kommunen. Diese leistet sie selbst oder beauftragt damit qualifizierte Stellen, die von der öffentlichen Hand bezuschusst werden", nennt Diakonie-Geschäftsführer Stefan Strauß das bisher geltende Grundmodell dieser sozialen Basisarbeit.

Ein neues Gesetz wird ab 1. Januar nun Insolvenz- und Schuldnerberatung - beides ist mitunter sowieso schon eng verwoben - zusammenführen. Hierzu habe sich im Vorfeld auch der Landkreis und die Stadt Amberg Gedanken gemacht. Bis dato leistete die Diakonie in der Herzogstadt diese Aufgabe, übernahm Schuldner- und bei Bedarf auch die Insolvenzberatung im Privatbereich. Während die klassische Schuldnerberatung im Rahmen der Arbeitslosenberatung ohne externe Zuwendungen mit einfloss, finanzierte der Freistaat die Insolvenzberatung über so genante Fallpauschalen. "So konnten wir das Defizit etwas decken", ergänzt Irina Frescher von der Beratungsstelle. Wegen der vom Gesetzgeber gewollten Zusammenlegung der Beratungen auf kommunaler Ebene, was für die Diakonie-Vertreter durchaus plausibel klingt, gingen Landkreis Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg auf Caritas, Arbeiterwohlfahrt und Diakonie als anerkannte Beratungsstellen mit dem Wunsch zu, mit einem der Verbände in der Vilsstadt eine zentrale Stelle für die Schuldner- und Insolvenzberatung mit nachhaltigen Strukturen zu schaffen. Ohne das offizielle Ergebnis des Auswahlverfahrens zu kennen, gehen die Diakonie-Vertreter nun davon aus, dass die Arbeiterwohlfahrt hier den Zuschlag und somit künftig auch die Zuschüsse bekommen wird. "Für uns als Diakonie bedeutet das aber fernab von jeglichem Konkurrenzdenken, dass wir bei uns die wirklich sehr emotionale und arbeitsintensive Insolvenzberatung zum Jahreswechsel endgültig einstellen müssen", bedauert Stefan Strauss die neue Situation. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel bleibe keine andere Möglichkeit.

"Was bei uns weiter möglich sein wird, ist die Arbeitslosenberatung, die bei der Diakonie eine sehr lange Tradition hat. In deren Rahmen wird auch in einem gewissen Maß über den Abbau von Schulden gesprochen werden können", ergänzt Irina Frescher. Wie beim Gespräch weiter angeschnitten, wünsche man sich von staatlicher Seite grundsätzlich einen Verbund an Beratungsstellen, dieser komme aber dann in der Regel mangels Finanzierbarkeit nicht zustande.

"Für die Menschen ist es sicher bedauerlich, dass diese hochprofessionelle Aufgabe und das Know-how dafür bei der Diakonie künftig brach liegen müssen. Staat und Jobcenter haben sicher auch von unserer Arbeit profitiert", resümiert Geschäftsführer Stefan Strauß.

Diakonie-Geschäftsführer Stefan Strauß und Beraterin Irina Frescher bedauern das Aus der Privatinsolvenzberatung in ihrem Haus.
Info:

Ziel der Schuldner- und Insolvenzberatung ist es, ver- und überschuldeten Menschen bei der Bewältigung ihrer sozialen und finanziellen Probleme zu helfen und ihnen wieder neue Lebensperspektiven zu vermitteln. Wie beim Gespräch mit Diakonie-Geschäftsführer Stefan Strauß und Beraterin Irina Frescher deutlich wurde, laufe die Schuldner- und Insolvenzberatung auf einer hochemotionalen Ebene. „Das ganze Verfahren hat eine sehr menschliche Seite, die betroffenen müssen ganzheitlich begleitet werden“, so die Vertreter der Diakonie.

Schwerpunkte ihrer Tätigkeit seien finanzielle, rechtliche, und hauswirtschaftliche Fragen, psycho-soziale Betreuung sowie pädagogisch-präventive Hilfen. Die Experten sprechen hier von einem mehrdimensionalen Beratungsansatz.

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