07.01.2019 - 11:27 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Direkte digitale Diagnose

Auf dem Bildschirm ploppt eine Meldung auf: Name, Thrombose, Eintreffen in zehn Minuten. In der Notaufnahme des Krankenhauses St. Anna laufen die Vorbereitungen. Möglicht macht das ein Gerät im Rettungswagen - einmalig im Landkreis.

Schon am Behandlungsort können die ersten Daten in das Nida-Pad eingegeben und versandt werden – eine große Hilfe für die weitere schnelle Behandlung des Patienten.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Minuten oder gar Sekunden zählen, wenn der Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn zur Notaufnahme unterwegs ist. Wertvolle Zeit kann jetzt genutzt werden, um dem St.-Anna-Krankenhaus schon vom Auto aus digital die wichtigsten Daten mitzuteilen: Wer kommt mit welcher Diagnose, wann trifft der Transport ein, was muss vorbereitet werden? Das Nida-(Notfall-Informations- und Dokumentations-Assistent)-Pad, ein robustes Tablet in allen Rettungswagen im Landkreis, macht es möglich.

Direkt an die Klinik

Nach erfolgreicher Testphase nutzt das St.-Anna-Krankenhaus nun den digitalen Notfallassistenten zur schnelleren Datenübermittlung vom Unfallort und aus dem Rettungswagen direkt in die Notaufnahme, implementiert in enger Zusammenarbeit mit der pflegerischen Leitung der Zentralen Patientenaufnahme, Matthias Bohmann mit allen Beteiligten. Davon profitieren neben Ärzten und Rettungsdiensten in erster Linie die Patienten.

Über die Nida-Pads werden Protokolle noch im Rettungswagen digital erfasst und direkt an die Klinik übermittelt. Die Datensätze liefern bereits von unterwegs wichtige Patienteninformationen, Vitalparameter und sogar Fotos der Unfallstelle an die Notaufnahme. Dr. Sven Mörk, Leitender Oberarzt Unfallchirurgie und als Leitender Notarzt ständig mit Einsätzen befasst, stellt das neue System vor. Und er beginnt ganz von vorn: "Kein Krankenhaus kommt ohne administrativen Aufwand aus." Heißt: Der Patient muss angemeldet und ins System aufgenommen werden. Das geschieht normalerweise in der Zentralen Patientenaufnahme.

Opfer von Unfällen, Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnlichem kommen aber über die Notaufnahme ins Klinikum. Bisher brachten die Rettungssanitäter ihr Protokoll in Papier- oder digitaler Form bei der Einlieferung mit. Das neue System ermöglicht eine wertvolle Zeitersparnis, erklärt der Mediziner. Schon während der Erstversorgung können die Helfer etwa die Krankenkassenkarte in ihrem Tablet einlesen und somit die Grunddaten sichern. Ergänzt um Diagnose, Blutdruck- oder andere Informationen sowie die geschätzte Ankunftszeit transferiert das Nida-Pad per Mobilfunk die Informationen auf den Monitor der Notaufnahme. Dort werden die Daten dann gleich ins hauseigene System übernommen: Es heißt Epias und ist von fast jedem Rechner im Krankenhaus aus zugänglich. Dort laufen die Meldungen der Sanitäter auf.

Alles auf einen Blick

Der Leitende Notarzt führt es vor: Er sieht auf einen Blick, welcher Patient in welchem Zimmer liegt, er erkennt die Diagnose, verfolgt die Behandlung. "Das alles spart enorm Zeit und führt zu mehr Effizienz. Denn wenn die Transport-Trage aus dem Rettungswagen hereinrollt, ist schon alles vorbereitet, alle Untersuchungen können ohne administrative Zeitverzögerung direkt eingeleitet werden, bis zur OP." Behandelt wird im Krankenhaus streng nach Dringlichkeit, und wer nach der Ersteinschätzung das schwerwiegendste Probleme hat, der kommt auch sofort dran. "Natürlich wird bei lebensbedrohlichen Fällen der Notarzt mit der Leitstelle während des Einsatzes in Kontakt treten, die dann im jeweiligen Ziel-Krankenhaus anruft und den Patienten voranmeldet, erklärt Mörk. Aber auch hier kommt das Nida-Pad zum Einsatz.

Bis zu 20 Einsätze verzeichnet das System derzeit pro Tag. Robust, leicht bedienbar und in jedem Fahrzeug des BRK vorhanden, bildet das Nida-Pad-System mit Telemetrieanbindung an das St.-Anna-Krankenhaus ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis. Thomas Rauner und Dr. Lothar Haidn, Ärztliche Leiter in der Zentralen Patientenaufnahme, sind ebenfalls von der digitalen Neuerung überzeugt: "Unser modernes digitales Notaufnahme-Dokumentationssystem Epias ist weiter unerlässlich. Nida ergänzt es durch Übermittlung von medizinischen Inhalten."

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