15.01.2020 - 15:31 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Dreizehnfach erhöhter Feinstaubwert an Neujahr gemessen

Mächtiger Krach an Silvester und Neujahr. Es explodieren Böller, starten Raketen und regnen Sterne herab. Und wer genau hinschaut, sieht ihn, den Nebel, der durch die Straßen zieht. Er beschert der Stadt einen traurigen Rekord.

Besonders in der Innenstadt konnte man in der Silvesternacht oft nicht sehr weit schauen, so dicht lag der Feinstaubnebel über den Straßen.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Die SRZ sagte es in ihrem Silvesterbericht schon prophetisch voraus: "In manchen Straßen machte sich der Feinstaub dann schon deutlich als Nebelschleier bemerkbar." Tags darauf dann die offizielle Meldung: Es fanden sich dreizehnfach erhöhte Messwerte. Wir wollten es genau wissen und fragten beim Landesamt für Umwelt nach.

Höchster Wert in zehn Jahren

Dort spricht man Klartext: "Feuerwerk beeinflusst die Luftgüte in der Silvesternacht in Bezug auf Feinstaub sehr deutlich. Die vorläufigen Messergebnisse der Messstation in Sulzbach-Rosenberg zeigen den höchsten Stundenmittelwert am 1. Januar 2020 in der Stunde von 1 bis 2 Uhr mit 664 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dies war in den letzten zehn Jahren der höchste an dieser Messstation ermittelte Stundenmittelwert. Der zweithöchste Wert wurde 2013 zur gleichen Zeit mit 558 µg/m3 gemessen."

Insgesamt, so teilte das Landesamt uns mit, lagen in Sulzbach-Rosenberg in der zurückliegenden Dekade 16 Stundenmittelwerte über 200 und 30 davon über 150 Mikrogramm. Die große Mehrzahl der Spitzenwerte sei am Neujahrstag aufgetreten.

Die Messstation an der Lohe zeichnete es genau auf: Der höchste Feinstaubwert seit zehn Jahren wurde zur Jahreswende gemessen.

Noch kein Trend

Aus einzelnen kurzzeitigen Spitzenwerten könne aber noch kein Trend abgeleitet werden. "Entscheidenden Einfluss auf die Messwerte haben die Meteorologie und die Lage der Standorte der Messstellen im Verhältnis zu den Standorten der Feuerwerke", erklärte die Sprecherin des Landesamtes.

Nun steht die Messstation aber bekanntermaßen an der Lohe und nicht am Luitpoldplatz. Wenn es dort unten schon so massive Werte gegeben hat, wie hätte sich das erst in der Innenstadt oder manchen Wohngebieten dargestellt?

Ein weiterer Faktor mag mit hineingespielt haben: "Für die Situation am Neujahrstag 2020 sind die kurzzeitig hohen Emissionsraten durch die Feuerwerke und sehr schlechte meteorologische Austauschbedingungen ursächlich", diagnostiziert die Behörde. In der diesjährigen Neujahrsnacht habe Bayern unter Hochdruckeinfluss gelegen, mit überwiegend sehr windschwachen bis windstillen Verhältnissen. "Insgesamt zeigen unsere Auswertungen der Feinstaubbelastung der letzten 10 Jahre in Bayern aber einen deutlich rückläufigen Trend."

Wir konfrontierten den Vorsitzenden der örtlichen Umweltschutz-Initiative, Walter Spies, mit diesen Fakten. Auch er hatte in der überregionalen Presse erfahren, dass die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht in Sulzbach-Rosenberg mit 664 Mikrogramm je Kubikmeter extrem hoch war.

"Das Tagesmittel liegt bei 50 Mikrogramm. Am Mittwoch Mittag betrug die Belastung an der Sulzbach-Rosenberger Messstelle aktuell 29 Mikrogramm", stellt er fest. Die ermittelten Werte an Silvester ließen somit auch für ihn nur den Schluss zu, dass das Feuerwerk dafür verantwortlich gewesen sei.

Stadt soll handeln

Sein Fazit und seine Forderungen: "Feinstaub belastet die Gesundheit enorm. Vor allem Kleinkinder, alte Menschen und Menschen mit Atemwegskrankungen sind hier betroffen. Wir appellieren deshalb an die Bewohner unserer Stadt, den Gebrauch von Feuerwerk an Silvester zu überdenken und stark einzuschränken. Auch die Verantwortlichen der Stadtverwaltung sollten sich hierzu Gedanken machen und an die Bevölkerung entsprechend herantreten."

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