30.12.2019 - 15:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mit E-Auto von Sulzbach nach Rom – kein Problem

Dr.-Ing. Christian Koch aus Sulzbach-Rosenberg hat schon über 80 000 Kilometer mit Elektro-Autos zurückgelegt und viel Praxiserfahrung. Seine klare Erkenntnis: E-Mobile sind bereits langstreckentauglich. Und für jeden eine Möglichkeit.

Eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge gibt es sogar schon im Landratsamt in Amberg. Und die Säulen werden immer mehr, deswegen sind auch Langstrecken kein Problem.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Christian Koch hat sich 2017 das Ziel gesetzt, mit einer positiven ökologischen und finanziellen Bilanz vollständig auf Elektromobilität umzusteigen. Im Dezember folgten enorm viele Interessierte einer Einladung der Wählergruppe SuRo2030 zum Themenabend Elektromobilität ins Josefshaus (Kolping-Bildungswerk). Wir haben mit dem Firmeninhaber aus der Herzogstadt jetzt über seine Erkenntnisse gesprochen.

ONETZ: Herr Koch, was war Ihre Motivation?

Christian Koch: Die Elektromobilität "ganzheitlich" gesehen: Kurzstrecken sowie jährlich etwa 30-40 000 km Geschäfts- und Urlaubsreisen europaweit, ausschließlich durch vorwiegend aus eigener Herstellung stammende regenerative Energie. Dieses vor zwei Jahren mit dem Tesla S100 und einer eigenen PV-Anlage verwirklichte Konzept funktioniert und schont über die Lebensdauer des Autos im Vergleich mit Verbrennern Umwelt und Geldbeutel.

Christian Koch ist ein Experte für E-Mobilität und hat seine Erfahrungen akribisch ausgewertet.

ONETZ: Weil sie mittlerweile konkurrenzlos günstig ist: Gestehungskosten bei PV-Großanlagen liegen mit unter 4 Cent/kWh unter denen von Kohlestrom, bei Kleinanlagen auf Wohnhausdächern mit 7-10 Cent/kWh bei einem Viertel des üblichen Strompreises. Ein damit betriebenes Elektroauto fährt für 1-2 Cent/km zu einem Zehntel der Kraftstoffkosten eines Verbrenners.
Der Akku mit einer Kapazität entsprechend dem Wochenenergiebedarf eines Vier--Personen-Haushalts leistet hierbei als Puffer zwischen Angebot und Bedarf regenerativ erzeugter Energie wirklich einen fundamentalen Beitrag zur Energiewende.

Warum Solarenergie?:

ONETZ: Thema Reichweite: Wie weit kommt man tatsächlich?

Christian Koch: Das verhält sich hier wie auch bei Verbrennern, je nach Fahrverhalten und Witterung: Ein typischer Mix aus Autobahn, Landstraßen und Stadtverkehr traf die angegebenen 520 Kilometer Maximalreichweite über ein Jahr gemittelt erstaunlich gut, von unter 400 Kilometern bei deutlichen Minustemperaturen und sportlicher Fahrweise bis zu 700 Kilometern unter optimalen Bedingungen - alles natürlich unter der Annahme, einen zu 100 Prozent geladenen Akku auf 0 Prozent leer zu fahren.
Da dies weder praktikabel noch Akku-schonend ist, liegt die sinnvoll nutzbare Reichweite im Alltag also zwischen 300 und 500 Kilometern.

ONETZ: Wie laden Sie zu Hause?

Christian Koch: Durch unsere Selbstständigkeit steht das E-Auto tagsüber meist an der von der eigenen PV-Anlage gespeisten Ladestation, wobei uns jeder Sonnentag je nach Jahreszeit ca. 120-360 Kilometer schenkt. Das ist ausreichend für einen Großteil der Fahrleistung (und zusätzlich des Energiebedarfs des Haushalts).
Die zusätzlich aus dem Stromnetz bezogene Energie ist mit umgerechnet ca. 6 Cent/km immer noch deutlich günstiger als der Kraftstoffverbrauch eines Verbrenners.

ONETZ: Und auf Langstrecken?

Christian Koch: Das von Tesla europaweit entlang der Autobahnen errichtete dichte Netz an "Supercharger"-Schnellladesäulen, beispielsweise zwischen Sulzbach-Rosenberg und Rom aktuell 15 Standorte mit je 6-24 Ladesäulen á 120-150 kW (entsprechend 500-900 km Ladeleistung/Stunde), würde selbst eine Fahrt von Südportugal ans Nordkap bequem ermöglichen. Durch den ständigen Ausbau musste ich trotz der derzeit täglich ca. 1000 weltweit neu zugelassenen Teslas noch nie anstehen.

ONETZ: Konkrete Beispiele für Fernreisen?

Christian Koch: Zwei Urlaubsreisen nach Südtirol waren ohne Ladestopp möglich, eine Urlaubsreise in die Nähe von Pisa mit zwei Ladepausen zu 20 und 30 Minuten, mehrere Fahrten in die Schweiz mit je einer viertelstündigen Ladepause - der Tesla hat sich sowohl als urlaubstaugliche Familienkutsche wie auch als Geschäftswagen deutlich über meinen Erwartungen bewährt.

ONETZ: Und das lohnt sich auch finanziell?

Christian Koch: Der Umstieg auf mit eigenem Solarstrom gespeiste Elektromobilität erfordert zunächst entsprechende Investitionen: Rund 115 000 Euro für ein langstreckentaugliches E-Auto mit ausreichend dimensionierter Photovoltaik-Anlage - das liegt etwa 50 000 Euro über den beiden Verbrennern, die ich in zehn Jahren bzw. 400 000 Kilometer "herunter gefahren" hätte.
Dem gegenüber stehen jährlich ca. 7000 Euro an eingespartem Kraftstoff, Öl, Bremsen, Wartung, Kfz-Steuer, Haushaltsstrom und erhaltener Einspeisevergütung. Dazu kommt der deutlich geringere Wertverlust eines E-Autos gegenüber einem Verbrenner.
Mit dem richtigen Konzept ist Elektromobilität also keineswegs nur etwas für Idealisten, die es sich leisten können, sondern vielmehr für Menschen, die es sich nicht mehr leisten können oder wollen, große Mengen an Geld im wahrsten Sinne des Wortes zu verbrennen.

ONETZ: Gibt es eine Faustregel?

Christian Koch: Grundsätzlich gilt: Höhere Investitionskosten in Verbindung mit geringeren laufenden Kosten macht Elektromobilität gegenüber Verbrennern ökonomisch wie auch ökologisch umso überlegener, je höher die Kilometer-Leistung ist und je größer der Anteil selbst erzeugten (Solar-)Stroms zum Laden.

ONETZ: Und die Öko-Bilanz?

Christian Koch: Unter Berücksichtigung der CO2-Emissionen bei der Herstellung des Akkus sowie der PV-Anlage erspare ich bei meiner Fahrleistung in zehn Jahren nach eigenen Berechnungen circa 65 Tonnen CO2. Das ist doch auch schon etwas, finde ich.

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