22.02.2019 - 16:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Eckes, der Comic-Sammler

Das Haus ist voll. Unzählige edle Ritter, tapfere Helden und mutige Kämpfer wohnen mit Eckhardt Walter unter einem Dach. Wie das geht? Sie sind alle auf Papier gedruckt - uralt, aber quicklebendig.

von Helga KammProfil

Wer das ehemalige Lohrer-Haus in Rosenberg betritt, taucht ein in eine andere Welt. Hier lebt Eckhardt Walter, genannt "Eckes", inmitten seiner Sammlungen. Vor allem sind es Comics, die seine Regale und Schränke füllen, er trägt sie nun schon seit rund 60 Jahren zusammen.

Heute gelten Comics als Kunstform, sind zwischen Literatur und bildender Kunst angesiedelt. Das war nicht immer so. In den 1950er-Jahren sahen Lehrer in den bebilderten Heftchen eine Konkurrenz zum Buch. Noch immer denkt Eckes an die "mittlere Katastrophe", als ihm in der dritten Klasse der Lienert-Lehrer im Unterricht zwei Hefte abnahm und in den Schul-Ofen warf. "Tatzen wären mir lieber gewesen", erinnert er sich. Von Tibor, Sigurd und Nick erzählten damals die Geschichten in den Piccoloheftchen, die der kleine Eckhardt bei Heidtmann in Rosenberg für 20 Pfennige kaufen konnte. Erst 20 Jahre später packte ihn die Sammelleidenschaft ganz, konnte er eine Teilsammlung erwerben und nach und nach seine Regale füllen mit Klein- und Großbänden, mit Piccoloheftchen, mit Comic-Reihen, Erstausgaben und Nachdrucken. Wie viele Exemplare es heute sind, kann er nur schätzen: 4000 Piccolo-Heftchen vielleicht, über 2000 Micky-Maus-Ausgaben, Reihen von "Lustigen Taschenbüchern" über Donald Duck und seine Verwandten.

International vernetzt

Beim Eintauchen in die Comic-Welt kam Eckes Walter in all den Jahren in Kontakt mit anderen Sammlern, Zeichnern und Verlegern, lernte auch den "Meister der Zeichen- und Erzählkunst", Hansrudi Wäscher, kennen. Eine Folge dieser Begegnung war die Gründung eines "Hansrudi-Wäscher-Fanclubs", der mittlerweile Mitglieder in Deutschland, Österreich und Luxemburg hat. Als Chefredakteur des Comic-Magazins gleichen Namens verfasste der Rosenberger zahlreiche Artikel über verwandte Themen. Über "Buschiaden" zum Beispiel, Geschichten wie "Bob und Bert", "Lies und Lene" oder "Maus und Molli", die auf der Erfolgswelle von Wilhelm Buschs "Max und Moritz" geritten sind.

Comicbörsen und Ausstellungen, Artikel in Fachzeitungen und die Herausgabe eigener Comics, wie den Band über den Stadtbrand von Sulzbach 1822 und die beiden Bände "Amberg gegen Sulzbach" beschäftigten Eckes über Jahre hinweg, bis er 2010 das Sammeln beendete und seine wertvollsten Stücke verkaufte.

An den Wänden in seinem Haus hängen Zeichnungen von Tarzan und Prinz Eisenherz, in den Schränken finden sich Filmprospekte aus den Nachkriegsjahren mit Hans Albers im "Herz von Sankt Pauli" oder Vivi Bach in "Die tollen Tanten". "Ich habe Kinderzeitschriften aus den 1930er-Jahren, alte Malbücher und Spiele, ein Kinderbuch aus dem Jahr 1785 und eine Predigt-Sammlung von 1822", erzählt der Eckes und holt seine Schätze aus den Schränken seiner vielen Wohnräume. Seit 2010 aber ist ein neues Hobby hinzugekommen. "Weil ich Lokalpatriot bin, sammle ich und mache was über Sulzbach", beschreibt er die aktuelle Beschäftigung. Es sind Fotobücher, die er zur eigenen Freude gestaltet, zum Beispiel über "Rosenberg in alten Bildern", "Alte Wirtshäuser in Sulzbach-Rosenberg", "Das Spitalstüberl" und "Der Friseur Sepp Hennevogel". 24 Fotobücher sind in den letzten Jahren entstanden, eine Fundgrube über Historisches und Geschichten von Menschen und Einrichtungen seiner Heimatstadt. Einige dieser Bücher liegen im Sulzbacher Gasthaus Zur Landkutsche aus und können dort angesehen werden.

Lebenslange Leidenschaft

"Es ist die Nostalgie, die einem zum Comic-Sammler macht", erklärt er seine lebenslange Leidenschaft. Es seien früher hauptsächlich Buben gewesen, die mit Comics aufwuchsen. "Später als Erwachsene kommen angenehme Erinnerungen, wenn man so ein Heftchen wieder in der Hand hält", sagt Walter. Dass Sammler auch Fanatiker sein können, weiß er aus Erfahrung. Mit Aussagen wie "Entweder ich oder die Sammlung" habe so manche Ehefrau ihren Mann vor eine Entscheidung gestellt, "und die ist nicht immer zugunsten der Frau ausgefallen".

Zur Person:

Eckhardt Walter ist 69 Jahre alt, hat vier erwachsene Kinder und war Studiendirektor für Mathematik und Sport am Erasmus-Gymnasium in Amberg. Seit 2014 ist er im Ruhestand und bewohnt das frühere Haus seiner Mutter in der Hauptstraße 31 in Rosenberg. Einstmals war das die Drogerie Lohrer, ein Stück Vergangenheit also, das gut zum jetzigen Bewohner passt. (hka)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.