24.10.2019 - 13:26 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Eiszeiten und Artensterben: Eckhard Mönnig erklärt im Stadtmuseum die Hintergründe

"Das hat es zu allen Zeiten schon gegeben", sagen die Leugner des Klimawandels. Eckhard Mönnig bestätigt das. Er weist jedoch auch auf einen gravierenden Unterschied zu früher hin.

Über die großen Eiszeiten der Erde und ihre Ursachen spricht im Stadtmuseum Diplom-Geologe Eckhard Mönnig vom Naturkunde-Museum in Coburg.
von Helga KammProfil

Das Mammut schwitzt noch immer im Stadtmuseum: Im Begleitprogramm zur aktuellen Sonderausstellung schilderte der Diplom-Geologe und stellvertretende Leiter des Naturkundemuseums Coburg, Eckhard Mönnig Klimaextreme in der Erdgeschichte. Während sich diese Veränderungen aber in riesigen Zeiträumen abgespielt haben, gehen sie heute rasend schnell voran.

Vier große Eiszeiten

Seit ihrer Entstehung vor viereinhalb Milliarden Jahren, so der Referent, habe es auf der Erde verschiedene Perioden und Stufen gegeben, so in den letzten 500 Millionen Jahren das Altertum, das Mittelalter und die Neuzeit. Ebenso könne die Wissenschaft vier große Eiszeiten nachweisen, vor 700 Millionen Jahren, vor 450 Millionen, vor 350 Millionen Jahren und kurz vor unserer Zeit.

Begleitet wurden diese Klimaveränderungen von großen Aussterbephasen, in denen Tier- und Pflanzenarten verloren gegangen sind. Die Ursachen sind laut Mönnig nur teilweise geklärt. Es könnten Meteoriteneinschläge gewesen sein, Vulkanausbrüche oder die Bewegung von Kontinenten. Die Massenaussterben seien aber auch ein wichtiger Motor der Evolution gewesen. Das Verschwinden vieler Lebensformen schuf immer wieder Raum für die Entwicklung neuer Arten.

Zum Teil hoch wissenschaftlich zeigte der Diplom-Geologe die Entwicklung des Lebens auf der Erde auf, hatte Bilder, Grafiken und auch Stücke von Sandstein, dunklem Ton und Posidonischem Schiefer mitgebracht: Klimazeugen, die Aufschluss geben über Zeiten und klimatische Einflüsse ihrer Entstehung. So habe es in der Carbonzeit der Erde eine große Eiszeit gegeben, in der 90 Prozent aller Tierarten ausgestorben sind, in der Kreidezeit habe ein Meteoriteneinschlag das Ende der Dinosaurier bedeutet.

Das späte Erd-Altertum vor 350 bis 270 Millionen Jahren beschreibt Mönnig als kalt-heiß, mit einerseits tropischem Klima, aber großen Eismassen auf der Südhalbkugel. Ein weiteres Massensterben habe vor 250 Millionen Jahren ein abrupter Klimawechsel durch Vulkanasche verursacht. Im Hinblick auf die Sonderausstellung im Museum, für die er auch Exponate zur Verfügung gestellt hat, bedauerte der Redner das Mammut: "Vor zehn- bis zwölftausend Jahren wurde es wärmer, die Landschaften in Sibirien und Südeuropa haben sich verändert, es hat kein Futter mehr gefunden, ist ausgestorben."

Die letzte Eiszeit habe in Europa Eiskappen und Gletscher bis nach Norddeutschland und sogar an den Chiemsee gebracht, beschrieb der Experte die vergangene Entwicklung. "Jetzt geht es umgekehrt, langsam schmelzen die Gletscher wieder ab", bewies er anhand von Bildern von der Zugspitze. In den letzten tausend Jahren, so Mönnig, sei die Temperatur relativ konstant geblieben, ab dem 20. Jahrhundert steige sie durch die erhöhte Konzentration von CO2 ständig an.

Bausteine der Erderwärmung

"Was dagegen tun?", war die Frage bei der dem Vortrag folgenden Aussprache. Der Temperaturanstieg, so der Geologe, sei nicht allein vom CO2-Ausstoß verursacht. "Das Abholzen von Wäldern, die Flächenversiegelung zum Beispiel durch große Parkplätze, auf die die Sonne brennt, die unterirdischen Kohlenbrände in verschiedenen Ländern, denen kaum beizukommen ist, all das sind Bausteine, die dazu beitragen." Sein Fazit: Klimaveränderungen und -katastrophen habe es zu allen Erdzeiten gegeben. Der Unterschied zu heute sei allerdings: was sich früher in riesigen Zeitabständen abgespielt habe, gehe heute rasend schnell. "Wir können das Problem allein nicht lösen, aber mit gutem Beispiel vorangehen und die anderen moralisch unter Druck setzen", fasste der Referent zusammen.

Er wolle sich aus der Politik heraushalten, empfehle aber, bei der nächsten Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen. Das sieht auch Museumsleiterin Edith Zimmermann so, die dem Zuhörerkreis ans Herz legt: "Es liegt an uns, zu handeln."

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