Sulzbach-Rosenberg
23.10.2018 - 11:35 Uhr

Entspannt und atemberaubend

Jazz? Rock? Blues? In keine der üblichen Schubladen lässt sich Jo Aldingers Downbeatclub richtig einsortieren. Irgendetwas klemmt immer. Und genau das ist es, was den Abend mit dieser Dresdner Band so großartig macht.

Der Downbeatclub mit (von links) Jo Aldinger (Tasten), Konni Behrendt (Gitarre) und Matthias Macht (Schlagzeug) bringt den Seidelsaal zum Kochen. Bild: cog
Der Downbeatclub mit (von links) Jo Aldinger (Tasten), Konni Behrendt (Gitarre) und Matthias Macht (Schlagzeug) bringt den Seidelsaal zum Kochen.

Entspannte Clubatmosphäre herrscht im Seidel-Saal, aber schon nach den ersten Tönen ist klar, dass es ein heißer Abend wird, "We brake for nobody" heißt nur ein Song. Allerdings könnte es das Motto des ganzen Abends sein. Matthias Macht agiert wie ein Berserker am Schlagzeug. Er schwelgt in atemberaubenden Soli, die die Zuhörer fast in Trance versetzen. Gitarrist Konni Behrendt bewegt sich weniger. Er macht keine Show aus seinem Auftritt, sondern spielt einfach - aber wie. Mal ist seine Gitarre erdig, dann wieder verzerrt und psychedelisch, dass die Wirklichkeit verschwindet.

Jo Aldinger stellt die Stücke vor, vor allem aber spielt er Orgel, Analog-Synthesizer und, wenn es passt, auch Klavier. Auf wabernden Klangteppichen driften die Zuhörer in den Rausch ab, dann geht es bei ihm wieder rockig-hart zur Sache. Down-beatclub spielt Eigenkompositionen, die gelegentlich Vorbilder wie Billy Martin und John Scofield zitieren. Schwelgerisch, ekstatisch und immer wieder geradezu hypnotisch sind die Songs, wunderbar ergänzt vom passenden Licht in esoterischem Lila, unwirklichem Türkis oder rauschhaftem Gelb.

Das bluesige "Mr. Buchheimer" mit einem faszinierenden Orgelsolo wird zu einem Trip in andere Welten. Erst idyllisch, dann kommt kraftvoll "This is my family" daher, "Walk about" philosophiert über den Weg und das Ziel. Bei "Overdrive" verlässt Aldinger seine Orgel und setzt sich an das Klavier. Das gibt wieder neue Klangeffekte und eröffnet andere Dimensionen.

Humor zeigt der Downbeatclub mit seinen Kompositionen über "Jacques Bond". Das ist der Titelsong für einen noch nicht gedrehten Agentenfilm, etwas härter und rockiger, aber die typischen Themen sind dabei: Da gibt es eine dramatische nächtliche Jagd durch ein verlassenes Hafengelände, finstere Pläne des Bösen werden geschildert, Bond fährt rasant über eine kurvenreiche Küstenstraße. Nur die heiße Liebesszene mit dem Bond-Girl fehlt.

Mit stürmischem Applaus und lauten Rufen gelingt es dem Publikum, die drei Musiker zu zwei Zugaben zurück auf die Bühne zu holen. Wild, lustvoll und begeisternd sprengen sie noch einmal alle Grenzen. Klasse.

 
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