08.01.2020 - 15:14 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fahrübungsplatz der Bepo: Schafft Forst vollendete Tatsachen?

Helle Aufregung herrscht bei den Gegnern des Bepo-Fahrübungsplatzes: Umweltschützer Walter Spies stellte auf dem dortigen Gelände schon umfangreiche Baumfällungen fest. Start der Baumaßnahme oder reine Waldpflege? Jetzt gibt es Aufklärung.

Die umfangreichen Baumfällungen auf dem Gelände des geplanten Fahrübungsplatzes der Bepo riefen die Umweltschützer auf den Plan.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Auch im neuen Jahr bleibt die Kontroverse "Geplanter Fahrübungsplatz der Bereitschaftspolizei" in der öffentlichen Diskussion. Wie bereits mehrfach berichtet, formierte sich in den vergangenen Monaten breiter Widerstand gegen das Vorhaben, Gegner reichten sogar Klage gegen die Stadt Sulzbach-Rosenberg ein, um dem Bürgerbegehren, das im Stadtrat durchfiel, doch noch zur Rechtsgültigkeit zu verhelfen.

Ganz aktuell riefen Baumfällungen auf dem für den Übungsplatz vorgesehenen Areal, das als Staatswaldfläche vom Forstbetrieb Schnaittenbach betreut wird, Umweltschützer auf den Plan. Sie vermuteten in der forstlichen Aktion bereits den Startschuss für die Rodung beziehungsweise den Baubeginn des Verkehrsübungsplatzes in der Wagensaß.

Auf dieser Fläche entlang der B 85 waren die Forstmaschinen im Einsatz.

Walter Spies richtete deshalb als Vorsitzender der Umweltschutzinitiative und erklärter Gegner des Vorhabens umgehend ein Schreiben an Innenminister Joachim Herrmann, indem er um Aufklärung zu den angelaufenen Arbeiten bat. Wie der Verfasser schreibt, habe er bei einem Spaziergang am 28. Dezember festgestellt, dass am Gelände des geplanten Fahrübungsplatzes für die Bepo massive Rodungsarbeiten stattfanden. Auf einer Breite von etwa 40 Metern auf der gesamte Länge des beplanten Geländes sei nahezu der gesamte Baumbestand gefällt worden.

An anderer Stelle erwähnt Spies ein Schreiben des Innenministers vom 15. Oktober, in dem er mitgeteilt habe, dass er die Bedenken der Umweltschützer gegen eine zunehmende Flächenversiegelung sehr ernst nehme und nichts unversucht lasse, um eine gemeinsame Nutzung des geplanten Bundeswehr-Fahrübungsplatzes in Kümmersbruck umzusetzen. Daher habe der Innenminister eine erweiterte Prüfung veranlasst, um eventuell auf einem größeren Platz ein gemeinsames Training von Bundeswehr und Polizei realisieren zu können.

"Rodungsarbeiten einstellen"

Walter Spies schreibt weiter, dass dort nun allem Anschein nach bereits begonnen wurde, um vollendetete Tatsachen zu schaffen. "Dass Sie unsere Bedenken gegen eine zunehmende Flächenversiegelung sehr ernst nehmen, wird mit der Abholzung des Waldes ad absurdum geführt. Ich kann Sie daher nur auffordern dafür zu sorgen, dass bis zum Abschluss Ihrer angekündigten Prüfung die Rodungsarbeiten sofort eingestellt werden", so der Vorsitzende im Wortlaut.

Diese starken Bäume wurden vom Forstbetrieb zugunsten der Naturverjüngung entnommen.
Nachgefragt:

Keine Rodung, sondern Waldpflege

Aufklärung über die laufenden forstlichen Maßnahmen am geplanten Fahrübungsgelände gab es für Walter Spies auf Nachfrage von Klaus Bichlmaier, dem stellvertretenden Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach der Bayerischen Staatsforsten: Wie der Fachmann informiert, handelt es sich bei den beschriebenen Baumfällungsarbeiten nicht um Vorbereitungen für den geplanten Fahrübungsplatz. Da die rechtlichen Voraussetzungen für dieses Vorhaben noch gar nicht gegeben seien, behandle der Forstbetrieb diesen Wald wie alle seine anderen Waldflächen auch. Wie Bichlmaier angibt, gehe es hier um einen Verjüngungsbestand, das heiße, dass dort die starken Bäume sukzessive zugunsten der sich mittlerweile eingestellten Naturverjüngung entnommen werden. Es geschehe dort nichts anderes als im Wald gegenüber der B 85. Der Forstmann machte auch deutlich, dass sein Betrieb bevor das geplante Vorhaben nicht alle rechtlichen Voraussetzungen erfülle, keinerlei Maßnahmen ergreife, die einer Rodung gleichkämen. Wie Walter Spies gegenüber unserer Zeitung anführt, habe Bichlmaier zum Verständnis auch erklärt, dass Baumfällungen keine Rodung seien. Rodung sei der Rechtsbegriff für die Änderung der Nutzungsart. Das wäre in diesem Fall der rechtlich bindende Beschluss, aus der derzeitigen Nutzungsart Wald den Fahrübungsplatz zu machen. Damit wäre die Rodung vollzogen, unabhängig davon, ob auf dieser Fläche Bäume stünden oder nicht.

Forstliche Bestandspflege in der Wagensaß.

 

 

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