21.10.2019 - 15:30 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Gankino Circus macht Musik mit Weizen-Charlys Knochen

Musik und Comedy als perfekte Einheit - wo gibt's das heute noch? Nicht umsonst nennt man sie die Letzten ihrer Art: Gankino Circus bringen fränkische Volksmusik mit bulgarischem Feuer in den Seidel-Saal.

"Gankino Circus, die letzten ihrer Art" verbinden auf der Bühne des Seidel-Saals schrägen Humor mit fränkischer Volksmusik und bulgarischem Feuer.
von Helga KammProfil

Erst im Juni bekamen sie den deutschen Weltmusikpreis, den letzten in einer Reihe von Kabarett-und Kleinkunstpreisen. Die Vier von Gankino Circus sind Freunde, die im fränkischen Dietenhofen zur Schule gegangen sind und in der gleichen Blaskapelle gespielt haben. 2007 gründeten sie ihre Folk-Band und machen seitdem als virtuose Musiker und originelle Geschichtenerzähler auf Bühnen im In- und Ausland Furore.

Wirtshaus als Zentrum

Im Zentrum ihrer Show steht ihr Heimatort mit dem Wirtshaus "Zur heiligen Gans", dem Wirt Weizen-Charly und anderen schrägen Gestalten. "Das Wirtshaus haben wir nur im Notfall verlassen", schildert Ralf Wieland, Gitarrist und Sprecher der Gruppe, die Jugendjahre. Johannes Sens, der nicht wie sein Vater Bäcker, sondern Schlagzeuger geworden ist, hatte seiner Freundin Marie ein Lied gewidmet, und Simon Schorndanner, Klarinettist, Posaunist und Beau der Formation, erinnert an seinen Großvater, der die Rock'n' Roll-Nummern ins Fränkische übersetzt hat. Der bärtige Akkordeonist Maximilian Eder hält sich lange im Hintergrund.

Das Publikum im Seidel-Saal ist von Anfang an fasziniert von den Gankinos. Ihren Namen, erklärt Ralf Wieland, haben sie sich nach dem Gankino, einem bulgarischen Tanz im 11/8-Takt, gegeben, mit dem sie als Straßenmusikanten durch Europa gezogen sind. Armenien, Georgien, Kasachstan und eben auch Bulgarien waren Stationen, in denen sie fränkische Volksmusik gespielt und mit der fremden Musik vermischt haben.

Fränkische Stückla, verbunden mit bulgarischem Feuer, sind daraus entstanden, von den vier Musikern mit Leidenschaft interpretiert. Sie sind wesentlicher Teil der Handlung auf der Bühne, beginnen oft ruhig und verhalten, um sich zu steigern und in einem rasanten Rhythmus zu enden. Johannes Sens bearbeitet sein Schlagzeug als hätte er vier Arme, so wirbeln seine Hände oder Stecken über die Becken und Drums. Ralf Wieland hat mehrere Gitarren dabei, spielt virtuos auf allen und kann sogar mit einer kleinen Bohrmaschine Bouzoukiklänge erzeugen. Schorndanner greift zu Klarinette oder Saxofon, glänzt mit Solopartien, kann mit fränkischem Zungenschlag nett plaudern und erzählen. Fast zum Schluss sorgt Maximilian Eder für eine Überraschung. Der bärtige Akkordeonist kann auch singen und zwar mit einer wunderbar klangvollen Stimme, und es gelingt ihm sogar, mit den - angeblichen - Knochen des Weizen-Charly Musik machen.

Sogar auf den Beinen seines Partners Ralf Wieland balancierend, kann Simon Schorndanner Klarinette spielen.

Schräger Humor

Die melancholischen Weisen ebenso wie die mitreißenden Instrumentalstücke geben jedem der vier Musiker Raum, sich auf ganz individuelle Art und Weise in die Herzen ihrer Zuhörer zu spielen. Ihr schräger Humor wird auf die Spitze getrieben durch akrobatischen Einlagen und den Austausch mit dem Publikum. Sogar auf den Beinen von Ralf Wieland balancierend kann Simon Schorndammer beim "Fränkischen Flieger" Klarinette spielen. Dann gilt es, in einem musikalischen Quiz im 11/8 Takt angespielte bekannte Melodien zuerkennen, was einigen weiblichen Gästen bei "Sierra Madre", "Atemlos durch die Nacht" und Vivaldis "Jahreszeiten" auch gelingt.

Natürlich wird die neue CD angepriesen, werden die Sulzbacher als "ganz feine Leut" bezeichnet, dem Kulturamt für die Einladung gedankt. Ein paar Seidel Fuchsbeck-Bier deponieren die Gankinos auf der Bühne für die abschließende fetzige Rock'n Roll-Runde, in der Simon Schorndammer zu Hochform aufläuft, und für die Zugaben, die das begeisterte Publikum einfordert.

Bouzouki-Klänge mit der Bohrmaschine erzeugen, das kann nur Ralf Wieland.

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