10.09.2019 - 16:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Gartenglück im Spätsommer

Während die Kinder wieder die Schulbank drücken, darf jetzt der fleißige Gärtner so etwas wie Ferien genießen. Der Arbeitskalender leert sich, der Erntekorb quillt allmählich über.

Reiche und insektenfreundliche Bühinsel mit Sonnenhut, Blauraute,Wilder Malve anstelle der ökologisch wertlosen Blaufichte. Vom Baum blieb nur der Stumpf, der jetzt eine eiserne Sonnenuhr trägt.
von Autor RLÖProfil

Der Witterungsverlauf der vergangenen Wochen und Monate ließ im SRZ-Mustergarten am Meierfeld eine wahre Gurken- und Tomatenschwemme heranreifen. Längere Trocken- und Hitzeperioden stellten heuer die Gartler wiederum vor echte Herausforderungen. Und immer mehr rückt der naturnahe Gartenbau, der insekten- und bienenfreundliche Garten in den Fokus.

Schritt für Schritt soll der Natur in unserem Garten mehr Raum geschaffen werden. Dazu ist an einer eher schattigen Gartenecke schon seit Jahren ein Totholzhaufen zu stattlicher Höhe herangewachsen. Ihm vorgelagert eine Staudenpflanzung, die mit Waldgeißbart, Holunder, Farnen, Fingerhut, Waldmeister, Maiglöckchen und Salomonsiegel einem natürlichen Waldsaum ähnelt. Klar, dass hier im Frühling aus dem immer etwas feuchten und kühlen Boden auch der Bärlauch üppig sprießt. Ein Gartenbereich von besonderem Reiz und noch dazu sehr pflegeleicht.

Wo das Totholz und einige Haufen loser Gesteinsbrocken dankbar von Käfern, Wildbienen, Kröte und Co. angenommen werden, schwirrt es rund um die drei Wasserteiche im Garten (zwei davon ohne Zierfischbesatz) nur so von Libellen und Schwebfliegen, und an heißen Tagen belagern hunderte von Bienen, ab und zu auch einmal eine beeindruckende Hornisse das nasse Moospolster am Uferrand. Erfrischung ist angesagt. Alle Jahre wieder sind auch zugewanderte Wasserfrösche an unserer kleinen Teichlandschaft zu bewundern.

Über viele Wochen freuen wir uns außerdem an den edlen Seerosenblüten in Weiß, Gelb, Rosa und Rot. Der regelmäßige Arbeitseinsatz zur Teichpflege im Frühjahr und Herbst wird also reich belohnt. Stehen größere Laubbäume in Teichnähe, ist es auf jeden Fall ratsam, vor Beginn des Blätterfalls Schutznetze auszuspannen, um übermäßigen Laub- und damit Nährstoffeintrag ins Wasser zu verhindern.

Relativ neu im SRZ-Garten ist eine naturnahe Blühinsel mit eher magerem Boden, auf zwei „Etagen“ eingefasst von großen Eisensandstein-Quadern. Hier, in vollsonniger Gartenlage, wuchs uns bis vor drei Jahren eine Blaufichte (Relikt aus der Zeit der Grundstücksvorbesitzer) regelrecht über den Kopf.

Obst-Experiment: Die Mirakose (Kreuzung aus Mirabelle und Aprikose) erfreut heuer mit vielen köstlichen Früchten.

Der über 20 Meter hohe Baum verschattete mit seinem breit ausladenden Geäst viel zu viel Gartenfläche, der massive Eintrag an Fichtennadeln ließ den Boden rund um den Baum immer mehr versauern. Als die Baumwurzeln anfingen, die nahe gelegene Garteneinfassungsmauer aus ihrem Fundament zu hebeln, wurde es Zeit für Axt und Säge.

Heute erfreut an gleicher Stelle ein herrlicher Anblick das Auge vom Frühjahr bis zum Herbst. Nach Krokussen und Narzissen blühen in der Folge dichte, niedrige Thymianpolster, dazwischen blauer Enzian, später Polsterglockenblume, Iris, Taglilien, Muskatellersalbei, griechischer Bergtee und tiefblauer wilder Rittersporn. Inzwischen abgelöst von klassischen Spätsommer-Dauerblühern wie Blauraute, Indianernesseln, Mannstreu (stahlblaue Edeldistel), Sonnenauge und Sonnenhut, dazu im Hintergrund vor dem Gartenzaun ein mächtiger Schmetterlingsflieder.

Im Knospenstadium kurz vor dem Aufblühen stehen hier auch die Herbst-Chrysanthemen und noch ein ganz spezieller Garten-Bewohner, der eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen würde: Ein absolut frosthartes Geißblattgewächs mit dem klingenden Namen „Sieben Söhne des Himmels“, dessen kleine weiße Blüten erst jetzt im September aufmachen und den Bienen und anderen Nektarsammlern noch einmal reich den Tisch decken. Es handelt sich bei dem aus China stammenden Strauch um das am spätesten blühende Gehölz in unserer Klimazone.

Fazit: Aus der nahezu leblosen Blaufichten-Ecke wurde eine Blühinsel, die Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und auch Vögel auf der Suche nach Samen wie magnetisch anzieht. Zusätzlich wichtig: Alle diese genannten Pflanzen sind halten Trockenheit aus; der Gießeinsatz geht gegen Null. Ein echter Zugewinn für unseren SRZ-Mustergarten.

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Kartoffel aus dem Sack ...

Ist es Ihnen nicht auch schon so ergangen wie uns mit Tomaten oder Kartoffeln aus dem Supermarkt? Die einen schmeckten bestenfalls nach Wasser, die anderen – nach gar nichts. Was tun, wenn man mal wieder so richtig schmackhafte „Erdäpfel“ wie von Omas Kartoffelacker genießen möchte, jedoch keinen Platz für ausufernde Kartoffelbeete im eigenen Garten hat? Die Lösung des Problems ist schnell eingesackt: Kartoffelanbau im Pflanz-Sack.

Wir testen das in diesem Jahr erstmals im SRZ-Garten am Meierfeld und werden zu gegebener Zeit über das Ergebnis berichten. Insgesamt sechs Kartoffel-Pflanzsäcke haben wir angeschafft. Dazu bestellten wir bei „Arche Noah“ (ein Verein zur Erhaltung alter Obst- und Gemüsesorten) verschiedene Kartoffel-Raritäten: die „Blue Salad“, die rotschalige „Rote Emma“ und die „Fabiola“.

Die kleine Kartoffelplantage in sechs Säcken ist schnell angelegt. In jeden Sack kommt etwa zehn Zentimeter hoch Pflanzerde, darauf werden vier bis fünf Pflanzkartoffeln ausgelegt und mit Erde abgedeckt. Danach feucht halten. Wenn dann das Kartoffelgrün sprießt, immer wieder Erde nachfüllen, bis nur noch die Blätter herausgucken. Das wird solange wiederholt, bis der Pflanzsack randvoll mit Erde gefüllt ist. Unsere Kartoffeln haben sich prächtig entwickelt. Jetzt warten wir gespannt auf die Ernte!

- Kartoffeln aus dem Pflanzsack: Wir warten gespannt auf das Ergebnis.
Ideen aus dem SRZ-Mustergarten:

Mut zum Experiment

Reicht die Gartengröße dafür aus, wird der grüne Daumen des passionierten Gartlers sich mit der schieren Schönheit von Blumenrabatten, Rosen und Ziergehölzen nicht zufrieden geben. Nein, da muss doch noch mehr möglich sein: Ein Garten mit einem Hauch von Schlaraffenland. Der SRZ-Garten bietet auch dazu einige Ideen an. Zum Beispiel eine ausladende Wein-Pergola, die zusammen mit einer duftenden Ramblerrose auch den angrenzenden Sitzplatz angenehm beschattet. Die insgesamt sechs Rebstöcke tragen heuer üppige und gesunde Trauben – vielleicht reicht es sogar, um einmal einen „Meierfeld-Wein“ zu keltern.

Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, dazu Obst-Klassiker wie Kirschen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen sind in vielen heimischen Gärten zu finden. Aber warum nicht auch einmal etwas anderes testen? Gartenbau-Lehranstalten, Züchter und Gartenfachhandel präsentieren nahezu jährlich interessante Neuheiten. Im SRZ-Garten am Meierfeld machen wir seit vielen Jahren mit der Japanischen Weinbeere, einer Verwandten unserer Himbeere, sehr gute Erfahrungen. Der Beerenstrauch mit seinen ausladenden, rostrot gefärbten und dicht bestachelten Ruten braucht ein ordnendes Spalier und bildet daran eine optisch gefällige grüne „Sichtschutzwand“ mit saftig hellgrünere Belaubung und überreichem Fruchtansatz.

Ebenso einen Versuch wert war die Kreuzung aus Mirabelle und Aprikose, die wir uns vor vier Jahren als Säulen-Obstbäumchen in den Garten holten. Heuer belohnt uns die „Mirakose“ (auch unter anderen klingenden Namen wie „Aprimira“ im Handel) erstmals mit einem stattlichen Fruchtbehang. Die ca. fünf Zentimeter langen gelben Früchte überraschen mit einem köstlichen Aroma, in dem sich die besten Geschmacksnuancen der Aprikose und der Mirabelle wiederfinden. Wir können alle Gartenfreunde nur ermuntern: Mut zum Experiment!

Üppiger Traubenbehang prangt an der Weinlaube und verspricht eine tolle Ernte. -
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