07.02.2020 - 16:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Gefängnis- und Drogen-Karriere geht weiter

Es reichte der Besitz von Drogen, um den 37-Jährigen für zwei weitere Jahre hinter Gitter zu bringen: Das Amtsgericht Amberg setzte einen Höhepunkt in der traurigen Karriere des Mannes, der 2018 in Sulzbach-Rosenberg verhaftet worden war.

Bild: Markus Führer
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Ein Raubzug mit klarem Ziel sei es gewesen, meinte der zuständige Ermittler der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg: Vom 10. auf den 11. September 2018 wurde in eine Arztpraxis in der Stadt eingebrochen und eine Menge verschreibungspflichtiger Betäubungsmittel für knapp 1000 Euro aus den versperrten Schränken entwendet. Zurück blieben 4000 Euro Sachschaden.

Von anderem belastet

In Amberg musste sich jetzt ein 37-jähriger arbeitsloser Lagerarbeiter vor Amtsrichterin Kathrin Rieger verantworten: Ihm wurden der Einbruch und der Besitz der Drogen zur Last gelegt. Vom Einbruch distanzierte er sich jedoch schon eingangs, damit habe er nichts zu tun, lediglich den Besitz der Drogen gab er zu.

Der ermittelnde Polizeibeamte berichtete, dass er bei den Nachforschungen auf einen alten Bekannten aus der Drogenszene gestoßen sei - dieser habe freiwillig sich und den 37-Jährigen als Einbrecher angeführt. Bei der Überprüfung des erst seit kurzem hier ansässigen Arbeitslosen stellte sich dann heraus, dass ein Haftbefehl gegen ihn vorlag. In der Wohnung wurden dann genau die Drogen gefunden, die nach Aussage des Arztes aus der Praxis verschwunden waren. Also eine klare Sache?

Nein, denn zum einen bestritt der Angeklagte seine Beteiligung, zum anderen gab es keine verwertbaren DNA-Spuren und schließlich war dieser Kronzeuge vor einiger Zeit verstorben. Die Aussage des damals zwar vernehmungsfähigen, nichtsdestotrotz aber ständig unter Drogen stehenden Angehörigen der Szene zum angeblichen gemeinsamen Einbruch wollte der erfahrene Polizist nicht klar bewerten. Also stellte das Gericht diesen Anklagepunkt ein.

Menge Drogen gefunden

Blieb noch der Besitz von Drogen: In der Tat fanden sich auf dem Fensterbrett in der Wohnung des 37-Jährigen umfangreiche Bestände von Morphin, Fentanyl-Pflaster und anderen rezeptpflichtigen Substanzen. Er wurde verhaftet und sitzt seitdem in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg die sieben Monate ab, zu denen ihn ein Nürnberger Gericht im Mai verurteilt hatte.

Die Verlesung seines Vorstrafenregisters dauerte: Richterin Kathrin Rieger listete für die Zeit von 1997 bis heute 13 Einträge auf, bei denen wenig fehlte aus der Palette des Strafrechts: Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Widerstand, Körperverletzung, Trunkenheit im Verkehr, Einbruch, Sachbeschädigung, schwere räuberische Erpressung und vieles mehr.

Der Gerichtsgutachter zeichnete das Bild eines Mannes ohne Schulabschluss, aus schwierigen Verhältnissen stammend, der schon im Alter von 14 Jahren Alkohol trank und viel rauchte, später über Cannabis, Amphetamin bis zu Heroin und Cystal Meth gelangte und schließlich die Opiate für sich entdeckte.

Seit 2018 werde er „substituiert“, erhalte also offizielle Ersatzdrogen in einer Arztpraxis. Er sehe sich selbst allerdings nicht als alkohol- oder drogensüchtig an. Der Mann habe zahlreiche Entzugstherapien entweder abgebrochen oder verpuffen lassen. Durch jahrelange Einnahme diverser Stoffe sei ein Gewöhnungseffekt eingetreten, weswegen man eine erhebliche Beeinträchtigung wohl ausschließen könne.

Der Mediziner empfahl Entgiftung, Motivierung und Entwöhnung in einer stationären Pflege, anschließend ambulante Rehabilitation. Doch der Angeklagte lehnte noch im Gerichtssaal eine Therapie im Maßregelvollzug ab, mit der Substituierung käme er gut zurecht.

Zehnmal mehr als "gering"

Staatsanwältin Raphaela Etzold listete in ihrem Plädoyer die Masse der gefundenen Drogen auf: "Diese liegt um mehr als das Zehnfache über der Definition der geringen Menge".

Sie wies auch auf die hohe Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten hin und forderte aus dem Strafrahmen, der von ein bis 15 Jahre reicht, eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, unter Einbeziehung der Strafe aus dem Urteil des Amtsgerichts Nürnberg.

Weiter im Gefängnis

Der Pflichtverteidiger wollte die Gesamtstrafe auf ein Jahr und sieben Monate begrenzt sehen und wies auf den starken Suchtdruck des Mannes hin. Richterin Rieger schloss sich jedoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft an und verhängte zwei Jahre und drei Monate brutto. Ausschlaggebend sei die große Menge der gefundenen Drogen gewesen.

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