Sulzbach-Rosenberg
03.09.2019 - 16:03 Uhr

Doch nicht giftig: Natter unter falschem Verdacht

Es hätte eine Sensation werden können: Ein Wanderer fotografiert eine zunächst unbekannte Schlange und vermutet eine giftige Aspisviper, die sonst nur im Süden Europas vorkommt. Doch ein Experte klärt auf - ein Blick ins Auge der Schlange genügt für die Entwarnung.

Sie hat schon Ähnlichkeit mit einer Aspisviper und auch mit einer Kreuzotter, die harmlose Schlingnatter am Fünf-Flüsse-Radweg. Bild: exb
Sie hat schon Ähnlichkeit mit einer Aspisviper und auch mit einer Kreuzotter, die harmlose Schlingnatter am Fünf-Flüsse-Radweg.

Er wandert viel und oft, der Sulzbach-Rosenberger Pensionist. Und stets hat er seine kleine Digitalkamera dabei, um beeindruckende Naturerlebnisse festzuhalten. So auch vor einigen Tagen, als er wiederum zu Fuß auf dem Fünf-Flüsse-Radweg unterwegs war. Zwischen Neukirchen und Etzelwang bemerkte er spätnachmittags am Waldrand eine Bewegung, sah sich das näher an und entdeckte dort eine Schlange, auf den ersten Blick einer Kreuzotter nicht unähnlich.

Es gelang ihm, einige Fotos zu machen, bevor das Reptil in einem Bodenloch verschwand. Zuhause interessierte er sich für die Art, er sah sich eine Menge Schlangenbilder an und blieb schließlich bei der Aspisviper hängen. Sie ist die zweite giftige Art neben der Kreuzotter und in Deutschland nur im südlichen Schwarzwald auf einer kleinen Fläche beheimatet. Ihr sonstiges Verbreitungsgebiet ist Spanien, Frankreich, die westliche und südliche Schweiz, Italien und ein kleiner Teil von Slowenien.

Ihr Gift ist nicht so stark wie das einer Kreuzotter, jedoch, so weiß man inzwischen, sind auch schon Menschen an einem Biss gestorben. Beide Arten verteidigen sich aber nur, wenn sie sich in die Enge getrieben oder selbst angegriffen fühlen, ansonsten sind sie harmlos wie alle anderen einheimischen Schlangen auch.

Diese Aspisviper vermutete der Wanderer nun hinter dem Exemplar neben dem Radweg. Er nahm Kontakt mit der Redaktion der SRZ auf, und die wiederum setzte einen Experten auf das Foto an: Bernhard Moos, Diplom-Biologe und Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) ist schließlich auch ein Fachmann für die einheimischen Reptilien.

Moos prüfte die Bilder und hatte sofort eine Antwort parat: "Es tut mir leid, dass ich den Mann enttäuschen muss: Die Schlange auf dem Bild ist eine Schlingnatter, ein hübsches Weibchen. Vipern oder Ottern haben nämlich eine schlitzförmige, senkrecht stehende Pupille." Die der abgebildeten Schlange sei aber rund - also handele es sich in diesem Fall klar eine Natter.

Die Schlingnatter sei in Mitteleuropa weit verbreitet, in Deutschland vor allem in wärmebegünstigten Mittelgebirgsregionen Süddeutschlands. Sie liebe Wärme und Trockenheit und ernähre sich hauptsächlich von Eidechsen, Mäusen, Regenwürmern und Insekten, die sie kräftig umschlingt - daher der Name. Sie kann natürlich auch beißen, wenn man sie zu fangen versucht, ist aber ungiftig wie alle Mitglieder aus der Familie der echten Nattern.

Die Schlingnatter steht auf der Roten Liste als "gefährdet" und ist streng geschützt. Aber außer dem Foto ist ihr ja nichts passiert, und den genauen Fundort verrät der Wanderer natürlich nicht. Und jetzt, wo er weiß, dass es keine seltene Giftschlange war, sondern eine unauffällige, aber auch seltene Schlingnatter, geht er die nächsten Wege bestimmt ein Stück beruhigter.

Die Aspisviper mit der typischen „kantigen“ Nasenform. Deutlich zu sehen ist auch die senkrechte Pupille. Bild: Eric Steinert (CC BY 2.5)
Die Aspisviper mit der typischen „kantigen“ Nasenform. Deutlich zu sehen ist auch die senkrechte Pupille.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.