06.01.2020 - 16:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Grandioses Neujahrskonzert des Bayerischen Landesjugendorchesters

Rund 100 großartige Musiker und ein renommierter Dirigent standen auf der Bühne, aber der Star des diesjährigen BLJO-Neujahrskonzerts war erst einmal jemand anders, nämlich die koreanische Violinistin Jehye Lee.

Das Bayerische Landesjugendorchester (BLJO) gab ein umjubeltes Benefiz-Neujahrskonzert in der Krötensee-Sporthalle.
von Autor COGProfil

Mit Béla Bartóks 2. Violinkonzert stand auf dem Programm schwere Kost für die Musiker und auch das Publikum. Der Komponist treibt hier die Musiker bis an die Grenze des überhaupt noch Spielbaren. Keine technische Herausforderung bleibt nach Bartóks Willen dem Solisten erspart, schließlich hatte der Komponist dieses Violinkonzert für seinen Freund, den Weltklasse-Geiger Zoltán Székely, geschrieben.

Violinistin Jehye Lee glänzte an diesem Abend als perfekte Solistin.

Völlig gebannt

Das atemberaubende Tempo, Doppelgriffe über eine ganze Oktave und immer wieder Flageoletttöne meisterte Jehye Lee mit perfekter Intonation und starkem Ausdruck. Auch bei wildester Emotionalität spielte sie mit beeindruckender Präzision. Sogar im langsamen 2. Satz Andante tranquillo hielt sie die enorme Spannung. Das Publikum war völlig gebannt. Nicht einmal die sonst in Piano-Stellen unvermeidlichen Hustenanfälle des Publikums gab es hier.

Die Zuhörer feierten die Solistin mit wahren Beifallsstürmen. Jehye Lee unterstrich die Leistung des Orchesters, indem sie zusammen mit dem Konzertmeister als Zugabe noch einen Tanz von Bartók spielte. Die Meisterin und der junge Mann zeigten sich hier als gleichberechtigte Partner.

Orchester im Mittelpunkt

War dieser erste Teil des Konzerts eher ein intellektuelles Vergnügen an der herausragenden Jehye Lee gewesen, stellte die zweite Hälfte das BLJO in den Mittelpunkt und bot mit Edward Elgars Sinfonie Nr. 1 op. 55 As-Dur sinnliche Klangfreuden. Üppig und schwelgerisch begannen die Streicher, wunderbar waren auch die anderen Instrumentengruppen. Immer wieder traten einzelne Musiker als Solisten hervor und beglückten mit hochprofessionellem und lustvollem Spiel. Scheinbar mühelos meisterten sie einzeln und gemeinsam die Anforderungen der Komposition, sicher und einfühlsam vom Dirigenten Nicolas Rauss geleitet.

Rauss dirigierte mit weit ausgreifenden Bewegungen, tanzte geradezu auf dem Podium. Da gab es keine Distanz zwischen dem Dirigenten und den Musikern, er war bei jedem einzelnen von ihnen und verdeutlichte, wie genau er sich die Interpretation wünschte. So konnten die Streicher, Bläser, Schlagwerker und Harfenistinnen ihr Bestes geben. Ein wunderbar nuanciertes musikalisches Kunstwerk entstand, und gerade die leisen Passagen waren von berückender Schönheit und zu Herzen gehender Intensität. Das großartige Finale zelebrierte noch einmal die Klangfarben in aller Pracht - herrlich!

Viel Extra-Beifall

Als der letzte Ton verklang, applaudierte das begeisterte Publikum stürmisch. Jeder der vielen Solisten bekam seinen verdienten Extrabeifall. Schließlich stellte sich der Dirigent mitten zwischen die jungen Musiker, um zu zeigen, dass das großartige musikalische Erlebnis des Abends nicht vor allem sein Verdienst war, sondern die Leistung des Orchesters.

Als Zugabe hatten sich die Instrumentalisten etwas ganz Besonderes ausgedacht: Sie summten eine langsame Passage aus Elgars Sinfonie - für die sangesungewohnten Jugendlichen eine Herausforderung, für die Zuhörer ein ungewöhnlicher Spaß. Erst nach stehenden Ovationen entließen die Konzertbesucher die Künstler endlich in den wohlverdienten Feierabend.

Infobox:

Dank des Präsidenten

Das Wort "Konzert", erläuterte Harald Steger, der Präsident des Lions-Clubs Sulzbach-Rosenberg, als er das Publikum in der ausverkauften Krötensee-Sporthalle begrüßte, gehe auf das lateinische Wort "concertare" zurück, das wetteifern, kämpfen bedeutet. Die großartigen Musiker hätten wirklich gekämpft und sich Wettbewerben unterzogen, um ihr Ziel zu erreichen, im Bayerischen Landesjugendorchester spielen zu dürfen. Er lobte das Engagement der Jugendlichen und zog eine Parallele zum Einsatz des Lions-Clubs: Seit seiner Gründung habe die Gruppe in der Herzogstadt mit dem Christbaumverkauf, dem Adventskalender und den Konzerten des BLJO über eine Viertelmillion Euro eingenommen, die sozialen Zwecken zugute gekommen seien. Der Lions-Präsident dankte den Konzertbesuchern für ihre Unterstützung dabei. (cog)

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