15.04.2019 - 17:05 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Guter Bus wird ausgemustert

Der Bus sieht gut aus. Gepflegt, perfekt in Schuss. Und doch muss er bald ausgesondert werden. Denn er ist zwölf Jahre alt. Im Zweckverband Nahverkehr ist das aber die Altersgrenze für Fahrzeuge."Unverständlich", meinen die SPD-Kreisräte.

„Der ist doch noch völlig ok“, meinten die SPD-Kreisräte kopfschüttelnd, als ihnen die Unternehmer einen zwölf Jahre alten Bus vorstellten, der jetzt laut Vorschrift nicht mehr fahren darf.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

(ge) Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) liegt der SPD am Herzen: Kreistags-Fraktionssprecher Winfried Franz hatte einen Besuch organisiert, bei dem die Busunternehmen Bruckner und Cermak ihre Fahrzeuge vorstellten und mit den Kommunalpolitikern auch über aktuelle Probleme diskutierten.

Flexible Anpassungen

Mehr Attraktivität und Effizienz, aber auch Verbesserungen standen im Mittelpunkt eines Antrags an den Kreistag. Er umfasst auch flexible Anpassungen wie Taxis, Ruf- und Kleinbusse in den späten Abendstunden, Handy-Tickets und mehr. Günther Cermak erinnerte an die Gründung des Verkehrsverbundes Amberg-Sulzbach 1995. Damals waren einheitliche Tarife das Ziel. "ÖPNV optimieren, gestalten und weiter voranbringen" sei angesagt.

Das vieldiskutierte 365-Euro-Ticket sei da aber schwierig zu realisieren, wandte Birgland-Bürgermeisterin Brigitte Bachmann ein, auch aufgrund der gesunkenen Fahrgastzahlen in manchen ländlichen Bereichen. Jörg Bruckner verwies auf gestiegene Gesamtkosten für die Unternehmer wegen der Löhne, aber auch der Anforderungen durch den Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS). Die aktuellen Fahrzeuge stellten beide Firmen vor: Cermak bestätigte, dass alle Busse mit Euro-6-Diesel ausgestattet und damit sauberer als gasbetriebene Fahrzeuge seien. Eine Umstellung auf Elektrobusse wie in Hamburg sei hier nicht durchführbar: "Dafür ist es noch zu früh." Wasserstoff sei da eher eine Alternative.

Problem: Ausschreibung

Die Auslastung der Linien kam natürlich ebenfalls zur Sprache. Hier reagiere man, so Stefan Bruckner, natürlich mit dem Einsatz von Kleinbussen, wenn das Aufkommen sehr gering sei. Das könne man aber nicht immer, denn oft bediene das Fahrzeug zwei grundverschiedene Linien und könne nicht einfach zwischendrin gewechselt werden. Bei den Linien selbst gibt es offensichtlich auch ein Problem: Der ZNAS habe wohl beschlossen, diese EU-weit auszuschreiben, statt sie wie früher vor Ort zu vergeben. Das könne, so ergab sich im Gespräch, durchaus zu höheren Kosten führen. Die SPD-Kreisräte sahen das System der Direktvergabe als das eindeutig bessere, weil vernünftigere, an.

Ein weiteres Problem enthüllte sich bei der Besichtigung der Busse: Der ZNAS hat vor Jahren beschlossen, eine Höchstgrenze von zwölf Jahren beim Fahrzeugalter festzulegen. Auslöser war wohl, dass in der Vergangenheit bei anderen Anbietern qualitativ schlechtere Busse unterwegs gewesen seien, erinnerten sich die Unternehmer. Das sei zwar lange schon weggefallen, aber diese Altersgrenze existiere immer noch. "Die Busse werden doch alle drei Monate vom TÜV untersucht und sind stets topfit." In anderen Kommunen gebe es solche Regelungen überhaupt nicht, weil der TÜV als zuständige Einrichtung ja schließlich seiner Aufgabe voll gerecht werde, hieß es. Konsequenz für den Unternehmer sei, dass diese Busse dann verkauft und neue angeschafft werden müssten, obwohl sie problemlos noch einige Jahre hätten Dienst tun können. Auch hierüber herrschte bei den Kommunalpolitikern Kopfschütteln und Unverständnis.

Hinzu komme, dass auf den Linien durch eine ZNAS-Regelung nur 80 Prozent der (natürlich genehmigten) Stehplätze genutzt werden könnten, sonst müsste ein zweiter Bus eingesetzt werden - ein weiterer Punkt, den niemand verstehen konnte.

Info:

Runder Tisch

Die SPD-Politiker nahmen also viele Anregungen und Probleme mit, die sie mit in ihren Antrag hineinpacken werden, die ÖPNV-Problematik auf regionaler Ebene zu erörtern. Nach Bestandsaufnahme der aktuellen ZNAS-Struktur solle ein konkreter Maßnahmenkatalog zur Verbesserung erarbeitet werden. An den Runden Tisch gehörten neben den Fraktionen auch ZNAS, Linienbetreiber (Busunternehmen) und weitere Interessensvertreter. Winfried Franz abschließend: „Wir wollen zur dynamischen Weiterentwicklung des Nahverkehrsnetzes im Raum Amberg-Sulzbach beitragen.“

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