12.10.2018 - 21:19 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Vom Hörsaal ins Arbeitsamt

Vor Tagen hat das neue Wintersemester begonnen. Unter Akademikern gilt in Deutschland Vollbeschäftigung, da die Arbeitslosenquote unter drei Prozent liegt. Im Einzelfall sieht die Realität anders aus. Viele kämpfen mit der Arbeitslosigkeit.

Viele Hochschulabsolventen bewahrt ein Studienabschluss nicht vor der Arbeitslosigkeit.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Tobias erinnert sich an sein letztes Semester: „Als ich mich entschieden habe, nach dem Bachelor aufzuhören und arbeiten zu gehen, war ich voller Elan. Richtig aufgeregt. Ich dachte mir: ,Ich bin gut, das klappt.‘“ Das ist mittlerweile ein Jahr her. Recht schnell wurde es für den heute 24-Jährigen ernüchternd. Er hat weit über hundert Bewerbungen geschrieben. Bisher alle ohne Erfolg.

Schon während des Geschichtsstudiums wurde er damit aufgezogen, dass er mal Taxifahrer werden würde. Selbst die Professoren prophezeiten für diesen Studiengang keine großen Hoffnungen. Entmutigen ließ er sich dadurch nicht. „Ich habe mir das Recht rausgenommen, das zu studieren, was mich interessiert und was ich gut kann.“

Eigentlich fing es für Tobias gut an. Noch bevor er seine Bachelor-Arbeit fertig geschrieben hatte, wurde er zum ersten Vorstellungsgespräch eingeladen. Er erzählt, wie euphorisch er war: „Ich wollte mich an diesem Tag in alle Richtungen absichern. Hab‘ mir einen Anzug gekauft, mich über die Institution informiert, war super vorbereitet. Im Nachhinein war vermutlich schon vor meinem Gespräch klar, dass ich nicht genommen werde.“ Die Anforderungen seien für einen Berufseinsteiger einfach nicht machbar gewesen. „Das war eher eine Führungsposition, ausgeschrieben als wissenschaftliches Volontariat, also eigentlich eine Ausbildung.“

Danach folgten weitere Absagen, wenn sich eine Firma überhaupt die Mühe machte. Oft kam erst gar nichts zurück. Das war frustrierend. Nicht einmal ein unbezahltes Praktikum wollte man ihm zusagen. Irgendwann resignierte Tobias: „Ich glaube, das macht jeden Menschen fertig, wenn er ständig Absagen kriegt.“ Also suchte er sich Hilfe beim Arbeitsamt. Der Gang dorthin habe ihn schon ein bisschen Überwindung gekostet, erzählt er. Er habe nie gedacht, dass er mit Abitur und Studium mal darauf angewiesen sein könnte. Doch außer Zeitverschwendung und einem mulmigen Gefühl brachte ihm das nichts. „Eigentlich wurde mir dort nur geraten, umzuziehen. Aber das kam für mich nicht in Frage.“ Seine Freundin hatte einen festen Arbeitsplatz in der Umgebung, sie hatten sich gerade eine gemeinsame Wohnung eingerichtet. Sein Lebensunterhalt war gesichert. Bei einem Beruf geht es für viele aber um mehr als nur Geld verdienen.

Als es hieß umziehen oder eine andere Branche, war die Entscheidung für Tobias klar. „Daraufhin habe ich mich für verschiedene Ausbildungen vor allem im Bürobereich beworben.“ Doch er hatte kein Glück. Dass er keine Anstellung fand, belastete ihn mehr und mehr. „Immer wenn mich jemand danach gefragt hat, war es mir unangenehm. Ich bin Gesprächen aus dem Weg gegangen. Gefühlt geht es nur darum, welchen Beruf jemand hat“, erzählt er. Oft habe er dann einfach gesagt, dass er noch studiere, dann habe wenigstens keiner weiter nachgefragt. Der Druck wurde immer größer. Das Thema Jobsuche ein rotes Tuch.

Dabei sei es nicht so, dass er nur Däumchen drehe, betont Tobias. Aktuell schmeißt er den Haushalt und das sehr gerne. „Wenn man sich erst mal damit arrangiert hat, macht es sogar Spaß. Es ist mein Teil den ich beitragen kann.“ Dass er als Master-Absolvent mehr Chancen gehabt hätte, glaubt er nicht. Das hätte die Arbeitssuche nur um zwei bis vier weitere Jahre verzögert.

Nächste Woche ist Tobias zum Probearbeiten in einem Fitness-Studio eingeladen. Nicht gerade das, wofür er vier Jahre studiert hat. Er freut sich nur verhalten. Zu oft wurde er in dieser Hinsicht enttäuscht. „Ich will jetzt einfach nur wo reinkommen. Später wäre es mein Traum in einem Archiv oder einem Museum zu arbeiten.“

Tipps von der Beraterin::

Schon während des Studiums bei Praktika Kontakte knüpfen; wenn möglich als Werkstudent arbeiten.

Die arbeitslose Zeit nutzen, um sich weiterzubilden; eventuell ein Auslandsjahr machen.

Ein eigenes Projekt starten; zum Beispiel im sozialen Bereich oder in Form eines Blogs.

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