18.09.2020 - 16:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hosen-Hiltl sucht neuen Investor

Die Übernahme der Firma Hosen-Hiltl durch Nord Holding war im Dezember 2015 ein echtes Weihnachtsgeschenk. Fünf Jahre später herrscht aber Ernüchterung, denn der Betrieb musste Insolvenz anmelden. Jetzt keimt etwas Hoffnung auf.

Der von der Fritz Hiltl Hosenfabrik am 24. Juni gestellte Insolvenzantrag hatte damals die Belegschaft schockiert – jetzt wird ein neuer Investor gesucht.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Mitten in der strategischen Neuausrichtung, mit der auch der Abschied von 30 Beschäftigten verbunden war, traf die Fritz Hiltl Hosenfabrik der Ausstieg des Eigentümers wie der Blitz aus heiterem Himmel. "Weil die Lage im Textilhandel anhaltend defizitär ist, hat uns der Investor den Geldhahn zugedreht, was sich unter Corona-Bedingungen natürlich noch schwerwiegender auswirkte", erklärt Hiltl-Betriebsratsvorsitzender Werner Sperber beim Pressegespräch.

Produktion läuft

Jeder sei damals über den Antrag des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung durch den Geschäftsführer schockiert gewesen, aber gegenwärtig produziere die Lohnfertigung weiter und auch die Zusammenarbeit mit Kunden und Geschäftspartnern werde fortgesetzt. "Nach der mehrwöchigen Prüfung des Insolvenzverfahrens läuft es nun seit 1. September ganz offiziell, alle bekommen ihre Löhne und auch die tariflichen Regelungen werden eingehalten", sieht der Betriebsrat auch positive Punkte.

Was 2. IG-Metall-Bevollmächtigten Udo Fechter aber besonders sauer aufstößt, ist das Verhalten des Investors Nord Holding, obwohl sich das Unternehmen wie vom Geldgeber gewünscht in einer strategischen Neuausrichtung befand, mit der auch der Verlust von 30 Arbeitsplätzen einherging. "Den 30 Kolleginnen und Kollegen ist per Aufhebungsvertrag ein sehr guter Sozialplan mit entsprechenden Abfindungen zugesichert worden, die jetzt im Insolvenzverfahren aber hinfällig sind. Oder anders gesagt, könnten die Betroffenen im schlimmsten Fall leer ausgehen", sagt der Gewerkschafter. Von großen Ankündigungen, etwas verändern zu wollen, wie etwa ein Neubau, sei nichts geblieben. "Das ist ein klares Negativ-Beispiel eines Investors, der kurz vor Torschluss die Arbeitnehmer mit Aufhebungsverträgen im Regen stehen lässt", macht Udo Fechtner seinem Unmut Luft. Hier werde wahrscheinlich nur der Klageweg bleiben.

75 Beschäftigte

Wie Werner Sperber weiter anführt, sei die Belegschaft mittlerweile auf 75 Personen reduziert worden, auch sei zur Abfederung der Corona-Krise auf Kurzarbeit zurückgegriffen worden. Diese Veränderungen hätten aber für den Eigentümer nicht ausgereicht, um Hosen-Hiltl sicher in die Zukunft zu führen. Dagegen sei nur zwei Tage vor dem Gang zum Amtsgericht von Nord Holding mitgeteilt worden, dass sie die Sozialversicherungsbeiträge der Belegschaft nicht mehr zahlen könne. Was folgte, war die vorläufige Insolvenzverwaltung von Juni bis August. Ab 1. September wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung unter dem Bevollmächtigten Rechtsanwalt Dr. Marco Liebler, München, eröffnet.

Gegenwärtig suche der beauftragte Restrukturierungsspezialist One square aus München nach neuen Investoren für Hosen-Hiltl. Wie weiter bekannt geworden sei, gebe es bereits mehrere Interessenten. "Wir hoffen natürlich jetzt, dass sich darunter ein geeigneter Investor befindet, damit die Belegschaft weiterhin sehr motiviert ihre Arbeit erledigen kann", resümiert Werner Sperber.

Auch für Udo Fechtner stellt sich Hosen-Hiltl mit 75 Arbeitsplätzen als wichtiger Betrieb dar, der auch während der Insolvenz die tariflichen Regeln einhalte. "Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall werden weiterhin alles versuchen, dass Hiltl in der Region als eigenständiges Unternehmen erhalten bleibt", so Sperber und Fechtner übereinstimmend.

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Betriebsratsvorsitzender Werner Sperber (links) und Udo Fechtner (2. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg) setzen auch während der Insolvenz voll auf den Erhalt der verbliebenen Hiltl-Arbeitsplätze.
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