11.02.2019 - 15:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Illschwang und Birgland im Funkloch

"Die gewählte Rufnummer ist zur Zeit nicht erreichbar." Wer in Birgland oder Illschwang wohnt, kennt diese Handy-Ansage. Jetzt ergreifen die Bürgermeister die Initiative: Sie können sich sogar einen eigenen Funkmasten vorstellen.

Sie haben oft genug keinen Handy-Empfang: Birgland-Bürgermeisterin Brigitte Bachmann und Illschwangs Gemeindechef Dieter Dehling teilen den Ärger der Bürger über die massiven Funklöcher.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Es könnte so einfach sein: Werden Mobilfunk-Lizenzen neu vergeben wie jetzt bald zum 5G-Standard, macht der Staat den Erwerbern eine hundertprozentige Netzabdeckung zur Bedingung. Doch genau das geschieht nicht. Die Telefon-Gesellschaften lassen das flache Land im Nirgendwo liegen, während in den Ballungsgebieten paradiesische Netzbedingungen herrschen. "Freilich werden insgesamt 95 Prozent abgedeckt, aber die restlichen 5 Prozent, das sind halt wir", meint Dieter Dehling.

Brigitte Bachmann, die Bürgermeisterin des Birglandes, und Illschwangs Gemeindeoberhaupt Dieter Dehling können davon ein Lied singen. Sie haben schon oft solche Lösungsvorschläge gemacht, um die Funklöcher in ihren Kommunen zu beseitigen - bisher erfolglos. Und Masten entlang der Autobahn, wie sie immer noch aufgestellt werden, helfen eben auch nicht, denn sie strahlen nur entlang der Trasse und nicht ins Hinterland.

Bachmann ergänzt: "Es war mir bei der Besprechung der Bürgermeister im Frühjahr 2018 beim Finanzministerium in Nürnberg ein großes Anliegen dass bei der künftigen Lizenzvergabe darauf zu achten sei, zwingend vorzuschreiben, die Erwerber dieser Lizenzen auch zu verpflichten, die Bevölkerung auf dem Land hundertprozentig zu versorgen. Das hat man mir dort auch zugesagt." Das sei auch entscheidend dafür gewesen, dass sie sich in den letzten Monaten ruhig verhalten habe, "sonst hätte ich von meiner Seite aus bereits ganz anders reagiert."

Jetzt hatte die Staatsregierung die Bürgermeister nach Regensburg geladen: Bei der Regierung der Oberpfalz ist das Bayerische Mobilfunk-Zentrum ansässig. Gemeinsam mit anderen Amtskollegen sprachen sie dort die massiven Probleme an, denn Bayern will ja offensichtlich helfen, nachdem vom Bund keine Lösung kommt. Sie bewarben sich sofort um Hilfe. Nach der Antragstellung führt das Medienzentrum nun eine Untersuchung durch: Gibt es Marktanbieter, die in diesem Gebiet sowieso bald einen Funkmasten errichten wollen? Das ist dort eher unwahrscheinlich. Dann wird ein Suchkreis gebildet und festgestellt, ob sich darin ein geeignetes, bestenfalls sogar gemeindeeigenes Grundstück befindet, auf dem der Mast errichtet werden kann. Ist auch diese Hürde genommen und gibt es keine Probleme mit eventuellen Funkmast-Gegnern, könnte die Gemeinde diese Funkstation errichten und dann an mehrere interessierte Mobilfunkbetreiber vermieten. Das wäre der Idealfall. Denn in der Praxis ist die Netzabdeckung sehr unterschiedlich: Dort funktioniert D 1, hier nur D 2 und andernorts E-Plus.

Deswegen, fordert Dieter Dehling, müsse das sogenannten Roaming angewendet werden, bei dem sich das Handy immer in ein beliebiges funktionierendes Netz einbuchen kann und die Anbieter die Gebühren untereinander verrechnen. Schon das alleine könne helfen, aber die Gesellschaften sträubten sich. Und der Staat will oder kann das Roaming nicht anordnen. Also bleibt nur Eigeninitiative, auch wenn die Mobilfunk-Versorgung nicht zu den Kernaufgaben einer bayerischen Kommune gehört, sondern eigentlich Bundesangelegenheit ist.

"Doch das ist dem Bürger egal, er will eine Lösung", betonen die beiden Gemeindeoberhäupter. Und sie setzen jetzt auf die Hilfe durch die Mobilfunkzentrale. Was würde das kosten? Bei zwei benötigten Masten wären das rund 400 000 Euro, die zu 80 oder mehr Prozent bezuschusst werden könnten. Es braucht einen Standort, ein Fundament, den Gittermasten und die Anbindung per Glasfaserkabel. Dann könnten die Mobilfunkbetreiber ihre Verstärker anbringen - wenn sie denn Interesse daran haben. Das muss natürlich vorher alles geklärt werden", sind sich Bachmann und Dehling einig. Beide wollen den Wahlkampf nutzen und das Problem mehr auf die politische Schiene verlagern: "Damit endlich was vorwärts geht."

Info:

Sulzbach-Rosenberg mit im Boot

Auch in Sulzbach-Rosenberg gibt es Funklöcher und schwachen Empfang. Bürgermeister Michael Göth nennt hier vor allem Forsthof und das benachbarte Aichazandt. Die Stadt ist jedenfalls schon aktiv geworden auf diesem Problemgebiet: Sie hat bei der Bayerischen Mobilfunkzentrale bereits einen entsprechenden Antrag gestellt. Hans-Jürgen Strehl vom Amt für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften teilte dazu auf Anfrage mit, dass auch die drei Netzbetreiber Telefonica (O 2), Telekom (D 1) und Vodafone bereits angeschrieben und um eine Überpüfung ihrer Abdeckung gebeten worden seien. Die entsprechenden Ergebnisse würden in nächster Zeit erwartet.

Strehl denkt, dass bei einer Schließung der Mobilfunk-Lücken auf jeden Fall interkommunal zusammengearbeitet werden solle. „Die Gemeinden müssen alle über ihren Tellerrand schauen und gemeinsam planen, sich also gegenseitig mit ins Boot nehmen bei der Aufstellung.“ Schließlich überlappten sich die Funkgebiete teils großflächig. Ein weiteres Problem werde auch sein, alle drei Anbieter auf einem Mast anzusiedeln, um dann auch eine wirklich umfassende Abdeckung zu erreichen.

Noch etwas ergab sich im Gespräch mit den dortigen Bürgermeistern: Eine gute Versorgung im Birgland und in der Gemeinde Illschwang sowie im restlichen Umland von Sulzbach-Rosenberg hätte den durchaus wichtigen Nebenaspekt, dass der bisher oft sehr schwachbrüstige Digitalfunk der Feuerwehren an Qualität gewinnen würde – unter Umständen eine lebenswichtige Angelegenheit.

Dieser mächtige Masten bei Schwenderöd bedient leider nur die Autobahn. Das Hinterland bleibt unberücksichtigt. Vielleicht werden die Gemeinden nun selbst solche Masten aufstellen und dann an die Mobilfunkbetreiber vermieten.
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