21.02.2020 - 15:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Israelische Generalkonsulin im Dialog mit Mittelschülern

Mittwoch, 10.30 Uhr, Krötensee-Mittelschule - eine dunkle Karosse fährt vor, Polizisten sichern Eingänge, die israelische Gnerealkonsulin wird von Leibwächtern, Bürgermeister Michael Göth und Rektor Peter Danninger zur Schule geleitet.

Die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich und Bürgermeister Michael Göth (Mitte) besuchten die Krötensee-Mittelschule, um mit Schülern der 10. Klassen und Rektor Peter Danninger (rechts) ins Gespräch zu kommen.
von Peter DanningerProfil

"Israel ist ein wunderbares Land - See and believe!" Mit diesen Worten warb Sandra Simovich, Generalkonsulin Israels in München, vor den Schülern der 10. Klassen an der Krötensee-Mittelschule für ihr Land Israel, das zu Bayern gute Beziehungen auf kultureller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene pflege. Sie beantwortete geduldig die Fragen der Schülerinnen und Schüler, die sich auf diese etwas andere Englischstunde intensiv vorbereitet hatten.

Wie haben Sie ihre Jugend in Israel erlebt? Wie wird man Generalkonsulin und welche Aufgaben hat man in dieser Funktion? Was sagen Sie nach den Ereignissen in Halle zum Thema Antisemitismus in Deutschland? Können Sie uns den Konflikt zwischen Israel und Palästina aus Ihrer Sicht etwas näher beschreiben?

Sie beantwortete jede Frage sehr authentisch und schülernah, so dass die Zehntklässler nach anfänglicher Scheu auch den Mut fanden nachzuhaken. Besonders die aufkommende Fremdenfeindlichkeit und der Hass gegen Minderheiten wurde intensiv diskutiert. "Die heutige Generation hat zwar keine Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus vor 75 Jahren, jedoch haben wir heute sehr wohl die Pflicht, uns und andere daran zu erinnern, so dass sich dies nicht wiederholt", betonte die Generalkonsulin. Hierfür stünden auch die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager, die es gerade auch von Jugendlichen zu besuchen gelte. Sandra Simovich appellierte am Ende einer interessanten Stunde an die Schüler: "Stehen Sie stets auf gegen jegliche Form von Antisemitismus und zeigen Sie Zivilcourage, wo immer sie verlangt wird".

Rektor Danninger bedankte sich bei der Generalkonsulin für die hohe Wertschätzung der Schulgemeinschaft, die sie mit ihrem Besuch an der Schule zum Ausdruck brachte.

Zur Person:

Ausbau der Beziehungen

Seit August 2017 leitet Sandra Simovich, Jahrgang 1974, das Israelische Generalkonsulat in München. Die Spitzendiplomatin ist zuständig für Bayern, Banden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland. Im Jahr 1981 emigrierte die gebürtige Rumänin mit ihrer Familie nach Israel. Simovich ist Juristin und startete 1999 ihre diplomatische Ausbildung. Zu ihren beruflichen Stationen gehörte unter anderem von 2012 bis 2014 eine Stelle als politische Beraterin der israelischen Botschaft in Berlin. Davor vertrat sie Israel vier Jahre lang in Menschenrechtsfragen bei den Vereinten Nationen. In ihrem Geburtsland fungierte sie als stellvertretende Botschafterin mit Sitz in Bukarest. Außerdem war sie im israelischen Außenministerium als Abteilungsleiterin für Südostasien eingesetzt. Als ihre wichtigste Aufgabe nennt die zweifache Mutter die Pflege und den Ausbau der sehr engen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Hierbei setze sie vor allem auch auf den Dialog mit jungen Menschen.

Gerne trug sich Generalkonsulin Sandra Simovich in die Goldenen Bücher der Stadt und des Landkreises ein. Über ihren Besuch freuten sich Bürgermeister Michael Göth (vorne, links). Landrat Richard Reisinger (vorne, rechts) sowie (hinten, von links) Marga Klameth, Dritter Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein, Zweiter Bürgermeister Günter Koller und Achim Bender.
Empfang im Sulzbach-Rosenberger Rathaus:

Erinnerung und Austausch als Schlüsselelemente

Der rechtsextreme Hass-Anschlag in Hanau stand noch bevor, als Sandra Simovich, Generalkonsulin Israels mit Sitz in München, in der Landschaftsstube des Rathauses eindringlich vor immer stärker werdendem Rassismus, Antisemitismus und Rechtsradikalismus warnte. Stunden später zeigt sich dann auf schreckliche Art, dass sie mit ihren Appellen Recht behalten sollte.

Freundschaft bestärkt

Doch der Grund des hohen diplomatischen Besuches in Sulzbach-Rosenberg waren nicht die gesellschaftlichen Schattenseiten, sondern die Pflege von freundschaftlichen Beziehungen der Herzogstadt zum israelischen Generalkonsulat in der Landeshauptstadt, die sich vor etwas mehr als vier Jahren am Rande der Eröffnung der Ausstellung „Von Sulzbach nach Tel Aviv“ in der Bayerischen Staatsbibliothek zwischen dem damaligen Generalkonsul Dan Shaham und Bürgermeister Michael Göth entwickelten.

Im Dezember 2015 folgte dann ein Besuch des Diplomaten, der Sulzbach-Rosenberg gleich in sein Herz schloss und vom „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ sprach. Zur Festigung und zum Ausbau dieser Beziehung kam nun Sandra Simovich in die Herzogstadt, wo neben einem Empfang im Rathaus, ein Stadtrundgang sowie Besuche in der Synagoge und in der Krötensee-Mittelschule auf dem Programm standen.

Die Spitzendiplomatin zeigte sich beeindruckt von den Anstrengungen auf den Feldern Erinnerung, Austausch, Toleranz sowie Einschreiten gegen Antisemitismus und Hetze. „Das wird auch eindrucksvoll in der Synagoge mit ihrem pädagogischen Konzept deutlich.“ Sandra Simovich wirbt gerne für einen Besuch oder Urlaub in Israel, damit noch mehr Begegnung zwischen Deutschen und Israelis stattfinden könne.

Landrat Richard Reisinger verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Partnerschaft der Gemeinde Ammerthal mit dem israelischen Modiin. „Wir werden das im Kreistag ansprechen, um diese Beziehungen weiter zu fördern und auszubauen“, sagte Reisinger.

Und geht es nach Bürgermeister Michael Göth, dann soll es nicht der letzte Kontakt der Generalkonsulin mit Sulzbach-Rosenberg gewesen sein. Die Zusicherung eines weiteren Besuches noch in diesem Jahr folgte prompt - verbunden mit einem Hinweis auf die für sie sehr angenehme bayerische Kultur und Lebensart.

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