27.10.2019 - 16:36 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Der Jäger ist nicht der Sündenbock

Ein prächtiges Hirschgeweih mit einem Kreuz symbolisiert den Tag des Hubertusgottesdienstes, die Christuskirche hallt wider von Jagdhorn-Klängen. Und der Dekan stellt klar: "Die Jagd ist verantwortungsvoller Dienst an der Schöpfung."

Vor dem Geweih im Altarraum beeindruckten die Bläser mit herrlichen Jagdhornklängen zum Gottesdienst.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Ungewohnt aber gut besucht: Der Hubertus-Gottesdienst der BJV-Kreisgruppe Sulzbach-Rosenberg brachte einen neuen Aspekt in die Kirche: die Jagd. Jäger-Vorsitzender Stefan Frank stellte die Kreisgruppe und ihre Aufgaben als anerkannter Naturschutzverband, die artenreiche und vielfältige Natur zu erhalten, Dekan Karlhermann Schötz als Liturg und Prediger schlug die Brücke zum Erntedankfest der Jäger und den neuen Kirchenschmuck.

Er blendete zurück in die eigene Kindheit und Jugend, seine nicht immer problemfreien Beziehungen zu Jägern und seinen ursprünglichen Berufswunsch als Forstwirt. Er habe sich dann aber entschlossen zu erzählen von der großen Güte und Gnade Gottes.

Selbstsucht verteufelt

Dazu passe auch die Geschichte des Heiligen Hubertus: Geboren 655, Pfalzgraf am Hofe des Frankenkönigs Theoderich III. in Paris. Nach dem Tode seiner Frau verzichtete er auf alle Ämter, lebte sieben Jahre als Einsiedler in den Ardennen und ernährte sich von der Jagd. Nach dem Erlebnis mit dem Hirsch wurde er Bischof von Maastricht und starb 727.

Beim Nachspüren über die Heiligen-Legenden sei ihm, so der Dekan weiter, der Bock in den Sinn gekommen - nicht der Reh-, sondern der Sündenbock, der auch heute noch immer wieder gesucht werde. "Für ein Viertel der Bevölkerung sind die Juden solche Sündenböcke" - das sei Antisemitismus, Judenhass und vertrage sich keinesfalls mit dem christlichen Glauben. Aber auch die jüngsten Angriffe gegen die Bauern, die teils viel Hass ertragen müssten., oder eben auch auf die Jäger, die von manchen für alle Probleme im Wald verantwortlich gemacht würden, passten in dieses Schema.

In der Hubertus-Legende würde aber nicht die Jagd als solche verteufelt, sondern die Selbstsucht und gottwidrige Einstellung des Hubertus, der wild und hemmungslos alles jagte.

Der Ruf Gottes bringe ihn zur Umkehr und Besinnung. Hubertus sehe Jesu Kreuz auch mit der übrigen Kreatur verbunden. "Und er weiß sich plötzlich in seinem Handeln Gott gegenüber verantwortlich, weil er im Geschöpf dem Schöpfer begegnet. Darin sah er den bleibenden Sinn der Legende, dass ein Mensch sich verändern lässt und nach Gottes Willen fragt. "Der verantwortliche Jäger lässt dem Wild das Maß an Schonung angedeihen, das ihm als Gottesgeschöpf gebührt", wies der Dekan auf den Brauch des "letzten Bisses" hin, der erlegtem Wild zuteil wird.

Danken auf der Jagd

Dank galt am Ende der Bläsergruppe der Jäger unter Leitung von Rudi Grädler, die den Gottesdienst mit feierlichen Jagdhornklängen herrlich untermalte und die Kirche mit ungewohnten, aber beeindruckenden Klängen füllte. An der Orgel steuerte Kirchenmusikdirektor Gerd Hennecke passende Motive bei, die Lesungen übernahm Peter Grünthaler, die Fürbitten Claudia Kaiser. Karlhermann Schötz entließ die Gemeinde und speziell die Waidmänner mit dem Appell: "Vielleicht denken Sie beim nächsten Ansitz mal drüber nach, wofür Sie auf der Jagd alles danken können!"

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