24.05.2019 - 15:48 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Josef Rieder Bergmann mit Leidenschaft

Josef Rieder beherrscht jeden Handgriff untertage. Das hat er in jahrzehntelanger Arbeit im Kohle- und Erzbergbau gelernt. Seinen Erfahrungsschatz setzte er als Führer im Schaustollen bei der Villa Max ein. Jetzt wurde er verabschiedet.

Neben dem Bergwerkshund danken 1. Bürgermeister Michael Göth und Kulturamtsleiter Fred Tischler Josef Rieder für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Schaustollen
von Autor GACProfil

Ab 1995 begleitete er Gruppen durch den Schaustollen, die Georg Schaller und Stadtführer Siegfried Scholz leiteten. Ab 2005 führte er selbstständig und eigenverantwortlich. In diesen 15 Jahren, rechnete Rieder nach, hat er rund 200 Gruppen pro Jahr mit durchschnittlich 20 Teinehmern geführt. Insgesamt dürften also etwa 60 000 Leute mit ihm den Schaustollen erkundet haben.

Besucher gefesselt

Rieders profundes Wissen und seine offene Art fesselten Besucher. Allerdings erinnert sich der Stollenführer sich an eine Gelegenheit, als Schüler einer Berufsschulklasse sich mehr für das jeweils andere Geschlecht als für die Bergbaugeschichte interessierten. Da hat er vorgeschlagen, das Licht zu löschen, damit die jungen Leute, wie er sagte, ungestört "poussieren" konnten. Dann hörten sie doch zu.

Rieder hat im Schaustollen viel erlebt. Sehr schön war die Stollenweihnacht mit Kindern. Viel Spaß machte es ihm auch, jungen Besuchern Karbid vorzuführen. Dieser Brennstoff der Grubenlampen sieht aus wie kleine Steinchen. Wenn man Wasser darauf träufelt, entsteht ein brennbares Gas, dass er dann anzündete. Rieder freut sich noch heute: "Die Kinder waren mordsbegeistert."

Einmal führte der Wissensdurst eines Besuchers aber zu einem Unfall, der Rieder sehr erschütterte. Ein Besucher im Rollstuhl erkundete den Schaustollen. Ein paar Helfer hatten ihn über die Stufen am Eingang getragen. Innen konnte er allein fahren. Er wollte einen Erzhaufen näher anschauen und einen Brocken Gestein in die Hand nehmen. Als er sich vorbeugte, stürzte er aus dem Rollstuhl und verletzte sich an der Stirn.

Rieder ist Bergmann mit Leidenschaft. Dabei war dieser Beruf für ihn ursprünglich eine Notlösung. Geboren wurde er im Bayerischen Wald. Dort fand er nach der Schule keine Beschäftigung. Das Arbeitsamt riet ihm, ins Ruhrgebiet zu gehen. In Oberhausen-Sterkrade fing er 1953 als Lehrling im Kohlebergbau an. Dabei lernte er zuerst alle Arbeiten, die übertage nötig waren, als Schmied, Klempner, Schreiner und Schlosser. Außerdem musste er Motoren reinigen und zusammenbauen. Schließlich bestand er die Knappenprüfung.

1957 war er im Zug auf dem Weg zum Urlaub in seiner Heimat, als er von fern die Maxhütte sah. Spontan stieg er in Rosenberg aus und fragte an der Hütte nach Arbeit. In der Maxhütte war keine Stelle für ihn frei, aber er konnte sofort in der Grube Karoline als Bergmann anfangen.

Dann fuhr er gar nicht mehr zurück nach Oberhausen, sondern rief nur dort an und blieb in der Oberpfalz. Hier legte er die Hauer- und schließlich Schießhauerprüfung ab. Bis 1973 hat er in allen Gruben in Sulzbach-Rosenberg gearbeitet. In der Grube Eichelberg war er von der ersten bis zur letzten Schaufel dabei.

Ums Leben gerannt

Der größte Feind des Bergmanns ist das Wasser, berichtete Rieder: "Bei drei Wassereinbrüchen bin ich um mein Leben g'rennt!" Es war geplant, in 128 Metern Tiefe eine Hauptstrecke vom Annaschacht zum Eichelberg zu bauen, aber immer wieder gab es wegen "verrückter Gebirgsverhältnisse" durch die Rosenbachstörung Wassereinbrüche und Schwemmsand. Die Firma, die später den Kanaltunnel baute, versuchte, die Strecke mit Beton abzudichten, aber nach zwei Wochen lief wieder Wasser durch. Schließlich wurde der Plan aufgegeben und am Eichelberg Schachtanlagen errichtet.

All seine Erlebnisse brachte Rieder in die Führungen ein. Herzlich dankte Bürgermeister Michael Göth Rieder für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement und überreichte ihm als kleine Anerkennung ein Buch mit Fotos der Maxhütte.

Dabei merkte er an, dass die Maxhütte umfangreich dokumentiert ist, es aber über den hiesigen Bergbau viel weniger Literatur gibt. Hier, stellte Göth fest, müsste etwas gemacht werden, solange es noch Zeitzeugen gibt.

Info:

Der 90 m lange Schaustollen wurde ursprünglich im 2. Weltkrieg als Luftschutzbunker der Flick-Villa gebaut und später als Weinkeller genutzt. Um 1960 wurde er wie ein Bergbauschacht ausgebaut und mit Originalgerät sowie Schautafeln zur Erläuterung ausgestattet.

Führungen durch den Schaustollen kann man über die Tourist-Info im Rathaus, Tel. 09661 / 510 110 buchen.

In Bergwerkskleidung hieß Josef Rieder die Besucher am Schaustollen willkommen
Josef Rieder (3.v.links) beim Durchbruch nach Großenfalz
Hier sind alle anderen Namen zum Foto Rieder 3
1964 war Josef Rieder (4.v. rechts) mit dabei, als der Schacht am Eichelberg abgeteuft wurde
Hier sind alle anderen Namen zum Foto Rieder 5
Josef Rieder (links) steht auch auf dem Titelbild des Buchs "Kumpel, Schmelzer, Walzer" von Sepp Lösch
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