26.06.2018 - 16:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Junge Musiker in großer Form

Schulkonzerte sind oft ein mäßiger Genuss. Zu brav, zu bemüht und zu uninspiriert spielen die Ensembles. Dass es auch ganz anders geht, beweist das Herzog-Christian-August-Gymnasium.

Sauber unisono singt der Unterstufenchor das rhythmisch anspruchsvolle „Without You“ und „La Marmotte“.

(gac) Schon der Auftakt des Sommerkonzerts mit dem HCA-Gebläse, das beinahe in Big-Band-Besetzung auftrat, swingte mächtig. Bei „Dr. Rock“ und „Boogie Blues“ folgten die 16 Bläser, E-Bass und Schlagzeug dem Dirigat von Musiklehrerin Stefanie Rösch präzise und wirkten dabei so locker, als wären sie in einer Jam-Session.

Gitarrenensemble und Schülerband spielten ohne Dirigenten den Hit „Applaus, Applaus“ der Sportfreunde Stiller. Hier trug vor allem das famose Schlagzeug das ganze Ensemble. Das Streichensemble spielte ein flottes und sehr gut intoniertes Abba-Medley, bei dem das Cello einige schöne Solopartien hatte.

Das HCA-Orchester trat in riesiger Besetzung auf. Mit „Now You See Me“ (Die Unfassbaren) und „Pirates of the Caribbean“ hatte Rösch zwei dramatische Filmmusiken ausgewählt, die die Musiker mit sauberem Rhythmus und perfektem Zusammenspiel auf fast professionellem Niveau spielten.

Ein exquisites Vergnügen bereitete das Sextett „Im Blech nichts Neues“. Bei einer kammermusikalischen Besetzung kommt es ja wirklich auf jedes einzelne Instrument, auf jeden Musiker an. Die sechs Bläser unter der Leitung von Tim Winkler (Abiturjahrgang 2016) spielten den Posaunenchor-Klassiker „Spirit of Brass“ und die Ouvertüre zu „Tannhäuser“ mit feinem Klang, ausgewogener Dynamik und rhythmischer Präzision – ein Traum!

Schon mehrfach wurde an dieser Stelle die Chorarbeit von Jan Roidl gelobt – und auch heuer ist wieder eine Steigerung der musikalischen Qualität der Chorensembles festzustellen. Die P-Seminare „Songwriting“ stellten selbst geschriebene und arrangierte Songs vor: die Q 11 das melancholische „Who am I“, bei dem vor allem die Solostimme brillierte, die Q 12 das lustige Sommerlied „Ice Cream“, bei dem Schwierigkeiten mit der Technik den witzigen Text leider teilweise unverständlich machten. Der Unterstufenchor sang sauber unisono das rhythmisch anspruchsvolle „Without You“ und „La Marmotte“. Diese Lieder wirkten auch durch die sparsame Instrumentalbegleitung mit Piano, E-Bass und Schlagzeug überzeugend.

Die Männerstimmen sind immer eine Schwäche bei Schulchören, weil sie erst nach dem Stimmbruch ausgebildet werden können und dann nach wenigen Jahren schon wieder weg sind. Um so bemerkenswerter ist, wie es Roidl immer wieder gelingt, einen adäquaten Männerchor zusammenzubringen. Der war schon bei „Say Something“ vom Vokalensemble zu hören, noch mehr aber beim großen HCA-Chor. In rein weiblicher Besetzung sang das Vokalensemble „Homemade Dynamite“ mit sehr schönen Harmonien in den Solostimmen. Solche modernen Popsongs sind aber für Chöre immer undankbar: Die rhythmischen und textlichen Schwierigkeiten sind enorm, aber am Ende klingt es im Idealfall wie Konserve.

Wie viel wirkungsvoller ist doch so ein Klassiker wie „Auf der Schwäb‘sche Eisebahne“, mit Zischen und Fauchen, Swing-Intro, schrägen Jazz-Harmonien, einem rappenden Bauern und dem Trauermarsch für den toten Ziegenbock! Ein Riesenspaß für den großen HCA-Chor und das Publikum! Fernöstlich-mystisch war das koreanische Traditional „Arirang“, das von allen Gesangsensembles gemeinsam gesungen wurde. Die gelungene Instrumentalbegleitung trug wesentlich zum Zauber dieser Darbietung bei.

Der Schluss gehörte wie immer der Big Band unter der Leitung von Stefanie Rösch, und man kann nicht umhin zu sagen: So gut war sie noch nie! Allein die gigantische Besetzung sorgte für einen denkbar satten Sound. Rhythmisch präzise, aber immer locker spielte die Band „September“ und „Uptown Funk“, so dass alle Füße wippten. Bei der durchgeknallten Titelmusik der „Simpsons“ zog die Band wirklich alle Register. Die Zuhörer tobten vor Begeisterung, so dass Rösch und die Band mit „Sweet Home Chicago“ aus dem Filmklassiker „Blues Brothers“ noch eine Zugabe draufsetzten. Ein wirklich großer Abend!






In großer Besetzung überzeugt das Orchester.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.