Sulzbach-Rosenberg
07.06.2018 - 17:23 Uhr

Kein Kopftuchgebot im Koran

Frauen im Iran und in der Türkei haben wegen des Kopftuchs manchen Kampf ausgefochten. Und das mit ganz unterschiedlichen Zielrichtungen.

Fakten über den Isslam will der als Sohn türkischer Eltern in Deutschland geborene Nefvel Cumart Schülern nahe bringen. müb
Fakten über den Isslam will der als Sohn türkischer Eltern in Deutschland geborene Nefvel Cumart Schülern nahe bringen.

(müb) Auf einer Lesereise durch Deutschland machte der Autor und Islam-Wissenschaftler Nefvel Cumart Station im Beruflichen Schulzentrum Sulzbach-Rosenberg. Zustande kam dieser Besuch durch die Initiative der Fachmitarbeiterin der Regierung der Oberpfalz und Betreuerin für den Deutsch-Unterricht, Studiendirektorin Maria Raasch. Schulleiter Bernhard Kleierl stellte den Referenten vor.

Nefvel Cumart erklärte humorvoll seine Herkunft, seinen Namen und seinen Werdegang. Geboren als Sohn türkischer Eltern in Rheinland-Pfalz und sozialisiert in Norddeutschland, studierte er nach einer Zimmermann-Ausbildung Religionswissenschaften, Turkologie und Arabistik in Bamberg. Er arbeitet seit 1993 freiberuflich sowohl als Übersetzer als auch als Schriftsteller.

Mit seinem Vortrag, den er "Zwischen McDonald’s und Minarett" betitelt hat, unternahm er den Versuch, den Berufsschülern Fakten über den Islam näher zu bringen. "Wie viele Menschen in der Bundesrepublik sind muslimischen Glaubens?", bat er um Schätzungen. Die Antworten gingen sehr weit auseinander. Tatsächlich sind es 4,5 Millionen. Die meisten davon - 2,8 Millionen - haben Wurzeln in der Türkei. Gemessen an der Weltbevölkerung von 7,6 Milliarden Menschen beträgt der Anteil der Muslime rund 18 Prozent (1,4 Milliarden). Allein 230 Millionen leben in Indonesien.

So wie das Christentum unterschiedliche Formen aufweist, gibt es auch im Islam unterschiedliche Prägungen. 85 Prozent sind Sunniten, 15 Prozent Schiiten. Gemeinsam ist ihnen die Einhaltung der fünf Pflichten oder Säulen des Islam: das Glaubensbekenntnis, das Beten, das Fasten, die Almosensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka.

Sehr anschaulich schilderte Nefvel Cumart, was die Pilgerfahrt nach Mekka für den gläubigen Moslem bedeutet, wie streng oder liberal die Alkoholfrage gehandhabt wird, und er beantwortete auch die unvermeidliche Frage nach dem Kopftuch.

Als Islamwissenschaftler könne er das Kopftuchgebot nicht aus dem Koran ableiten. Es sei eine Entscheidung aus kulturellen und traditionellen Gründen oder ein Zeichen der Identität. Während die Frauen im Iran jedoch um jeden Zentimeter Kopftuchfreiheit kämpften, mussten die Frauen in der Türkei darum ringen, es tragen zu dürfen. Dort gab es ein Verbot.

Die für den Vortrag angesetzten eineinhalb Stunden vergingen wie im Flug, so packend waren die Themen und Erklärungen von Nefvel Cumart. Viele Nachfragen der Schülerinnen und Schüler ließen auf ein reges Interesse am Thema schließen.

 
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