21.01.2020 - 17:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kempfenhofer Weg: Anlieger hoffen auf Einsicht

Die Blumenauer sehen sich mit ihren Sorgen ungehört. Dabei gehe es doch um Sicherheit der Menschen. Jetzt kursiert eine Unterschriftenliste für die Sperrung des Kempfenhofer Weges, mit der die Protestführer ihre Gründe untermauern.

Ein gefährlicher Spaziergang: Jeden Moment kann ein Auto auftauchen. Die meisten fahren hier zu schnell, meinen die Anwohner.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Tätig ist hier die Nachbarschaftsinitiative Blumenau/Kempfenhofer Weg. Dieter Pirner und Johanna Groh schildern im Gespräch mit unserer Zeitung die Ausgangslage, die auch zentrales Thema in der jüngsten Bürgerversammlung war.

Rund 500 Fahrzeuge benutzen täglich den Kempfenhofer Weg, dazu komme der HCA-Verkehr in der Blumenau.

Zone 30 und Rechts-vor-links-Regel würden überwiegend missachtet, die Geschwindigkeiten seien oft viel zu hoch.

Fußgänger (viele ältere Mitmenschen), Familien mit Kinderwagen, Kinder auf Fahrrad und Radfahrer würden zu knapp und zu schnell passiert. Es werde teils sogar auf der Brücke überholt.

Im Fall einer Baustelle würden entsprechende Schilder weggetan, um doch durchzufahren zu können.

"Wir haben das Gefühl, die Straße wird vermehrt genutzt, um den Bedarf einer Ostanbindung zu unterstreichen. Leidtragende sind die Anwohner der Straße Kempfenhof-Blumenau." Dabei sei die Straße nach der rechtlichen Lage nur für Landwirte und Anlieger frei. Doch diese Anliegerregelung sei für viele unklar. Busse hätten eine Sondergenehmigung.

Dieter Pirner und Johanna Groh geht es vor allem um die Auswirkungen: Der Verkehr bringe Gefahr für alle anderen Nutzer wie Kinder, Radwanderer, Sportler auf dem Kempfenhofer Weg, auch wegen schlechter Einsicht an Kurven und Kuppen. Nahende Fahrzeuge seien wegen der B 85 oft schlecht zu hören, Drängeln und Überholen eines 30 km/h Fahrenden an der Tagesordnung.

Er ist eine bequeme Abkürzung, der Kempfenhofer Weg, und ein Schild heißt die Touristen „Willkommen in Sulzbach-Rosenberg.

500 Fahrzeuge am Tag

"Ein Abkürzungseffekt ergibt sich ja nur durch zu hohe Geschwindigkeiten", ist sich Pirner sicher. Ergebnis: ein für das Wohngebiet zu hohes Verkehrsaufkommen - 500 Fahrzeuge täglich jetzt, inklusive Neubaugebiet wohl bald rund 750, plus Gymnasium. Es gebe schon Eltern, die ihren Kindern aus der Blumenau oder Kempfenhof die Nutzung des Weges auch zur Schule nicht mehr erlaubten, weil er zu gefährlich sei. Das Anliegen der Blumenauer bringen beide Vertreter auf den Punkt: "Wir werben um Verständnis, bitte den Weg möglichst nicht zu nutzen, auch im Sinne der guten Nachbarschaft. Wir haben alle Freunde und gute Bekannte in Kempfenhof, denen wir keinen Schwarzen Peter zuschieben wollen. Aber sie sollten sich halt bitte einmal die Situation in ihrer eigenen Wohnstraße vorstellen." Dabei sei doch mit der B 14 eine gute Alternative vorhanden. "Ist es so ein weiter Weg, von der Sorge um die Seinen zur Rücksicht auf andere?"

Dabei sollten die Abkürzer an ihre eigene Kinder und Enkel denken - auch sie nutzten ja vielleicht bereits den Weg. Man solle die Schuld nicht bei den eigentlich Betroffenen, den Anwohnern, suchen. "Wir erwarten schon, dass die Stadt und die Kempfenhofer unsere Sorgen und Ängste endlich auch ernst nehmen. Das ist ein Politikum: Bequemlichkeit bitte nicht auf unsere Kosten!"

Keine Behördenreaktion

Natürlich haben die Blumenauer einige Lösungsvorschläge parat: Da wäre zunächst die Umwandlung in Rad- und Fußweg mit Ausnahmen für landwirtschaftliche und vereinsmäßige Nutzung. Das Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet Sternstein-Wagensaß nebenan sei enorm wichtig für Wanderer, Spaziergänger, Senioren, Sportler, aber vor allem auch für Kinder.

Der gefühlt zu 90 Prozent leere Linienbus könnte alternativ die Schulbusroute nehmen, die Kempfenhofer Haltestelle auch von der Kauerhofer Straße angefahren werden. Eine Sperrung für Pkw sei zuzumuten. Teilweise Sperrungen seien bisher ohne Wirkung geblieben, da keinerlei Kontrollen stattgefunden hätten und kein Wille zur Einsicht oder zur Entlastung von Nachbarn festzustellen gewesen wäre. Von Behörden seien keine Reaktionen gekommen, nur ein Verweis auf den Bürgermeister.

Info:

Alternativvorschläge

Einige Alternativen haben die nach eigener Aussage jederzeit kompromissbereiten Initiatoren auch ausgearbeitet:

Umwandlung in Rad-/Fußweg mit Durchfahrt nur für Anwohner statt Anlieger, zu denen auch Lkw und Baufahrzeuge zählen.

Weiteres Offenhalten nur mit Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30/50 km/h.

Permanente Geschwindigkeitskontrollen eventuell auch durch den Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung.

Falls weiterer Pkw-Verkehr erfolgt, dann eventuell eine Einbahnstraße andenken.

Und es existieren auch weitergehende Lösungsvorschläge zur Reduzierung der Pendler ins Stadtgebiet: Gäbe es eine Hilfe bei der Ansiedlung eines kleinen Supermarktes im Industriegebiet zur Deckung des täglichen Bedarfs, eventuell eine kleine Kindertagesstätte in Kempfenhof/Kauerhof, vielleicht sogar eine Landarztpraxis – die Zahl der Fahrten Richtung Stadt würde sicher spürbar sinken.

Das Fazit von Pirner und Groh: „Das Endergebnis muss eine Verkehrsberuhigung für die Blumenau und dadurch die Rückgewinnung der Lebensqualität und vor allem Sicherheit für Anwohner, insbesondere der Kinder sein.“ Es werde gern gefordert, die Blumenauer sollten den Schwarzen Peter nicht den Kempfenhofer Nachbarn zuschieben – aber jeder, der hier unnötig und ohne Rücksicht auf Gesundheit und Sicherheit der Anwohner und ihrer Kinder durchfahre, trage zum Unverständnis bei und treffe die Falschen.

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