11.02.2020 - 16:43 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Lachen ist gesund

Die Rheuma-Liga kichert sich zu mehr Wohlbefinden

Lachen ist gesund
von Externer BeitragProfil

Einfach mal spontan drauf loslachen, seinen Gefühlen freien Lauf lassen – das fällt vielen schwer. Dabei wäre es so gesund. Die Lösung: Lachyoga, denn Lachen befreit – davon ist die Rheuma-Liga Sulzbach-Rosenberg überzeugt.

„Unser Kleiner macht daheim auch schon dauernd ‚Ho-ho, ha-ha-ha‘“, sagt Pauline Gebhardt und kichert. Sie ist eine von insgesamt zwölf Mitgliedern der Rheuma-Liga, einer Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für rheumakranke Menschen, und an diesem Nachmittag im Kettelerhaus in Sulzbach-Rosenberg beim Lachyoga mit dabei. Alle Teilnehmer verbindet ein Wunsch: mehr Wohl- befinden. Das soll durch gemeinsames Lachen gelingen.

„Eigentlich bin ich eher ein melancholischer Typ. Aber Lachen steckt an“, erklärt die 52-jährige Gebhardt, die unter chronischen Schmerzen leidet. „Man braucht gar nicht von Natur aus fröhlich zu sein, um lachen zu können“, stimmt Lachyoga-Trainerin Regina Machander zu. „Es ist einfach, wenn man sich dafür entscheidet. In unserer Gesellschaft lachen die Menschen viel zu wenig.“ Nämlich meistens nur im Freundeskreis. Im Laufe des Lebens verlerne der Mensch, frei zu lachen. Zu sehr würden die Gedanken kreisen, zu oft warten wir auf einen Grund, um laut loszulachen.

Die Teilnehmer der Lachyoga-Gruppe lachen Tränen, als sie in ihren imaginären Spiegel blicken.

„Wichtig ist, spontan zu lachen und sich nicht zurückzuhalten.“

Lachyoga-Trainerin Regina Machander

Die vier Elemente des Lachens

„Wichtig ist, dass man spontan lacht und sich nicht zurückhält“, betont die Trainerin. Genau das sei das Ziel von Lachyoga. Gruppendynamik. „Durch Blickkontakt entsteht echtes, grundloses Lachen.“

Eine Einheit setzt sich aus vier Elementen zusammen. Zuerst klatschen die Teilnehmer rhythmisch in die Hände. Dabei stimulieren sie Akupressur-Punkte in den Handflächen, die gleichen übrigens, die wir auch an den Füßen haben. Das löst ein wärmendes Gefühl im Körper aus. Machander stampft kräftig auf den Boden; der Akupressur-Punkte wegen.

Ein weiteres der Elemente ist die Atmung. „Legen Sie die Hände auf den Bauch. Tiiiiieef einatmen. Ausatmen. Die Mundwinkel dabei nach oben ziehen, und jetzt: ho-ho, ha-ha-ha.“ Entscheidend sei langes Ausatmen, da sich dadurch der Brustkorb weitet.

„Sehr gut, sehr gut, yeaaaahh“, ruft Machander und springt von ihrem Stuhl auf. Um besser loslassen zu können, sollen sich die Teilnehmer in eine verspielte Stimmung versetzen, ihr inneres Kind aktivieren und dadurch für Freude und Leichtigkeit zugänglich werden. „Wenn Sie lernen zu spielen, wird das Lachen eine natürliche Folge Ihrer spielerischen Verhaltensweisen“, erklärt Machander und lässt die Praxisübung folgen. „Formen Sie Ihre Hände zu einem imaginären Spiegel. Schauen Sie hinein – und lachen Sie.“

Auf dem Weg zur positiven Grundeinstellung

„Hier beim Lachyoga ist das Lachen echt und herzlich“, betont Helen Werner, Vorsitzende der Rheuma-Liga Sulzbach-Rosenberg und selbst bereits im Kindesalter erkrankt. „In Gemeinschaft zu lachen befreit. Alles öffnet sich. Man vergisst die Alltagssorgen und spürt Schmerzen nicht mehr so stark. Und am Tag darauf hat man Muskelkater im Bauch“, sagt die 62-Jährige. Sie möchte den Mitgliedern eine positive Grundeinstellung vermitteln: „Wir fragen ,Was kann ich noch‘ anstatt ,Was kann ich nicht mehr‘.“

„Wenn man lacht, erreicht man eine Ebene jenseits des Denkens“, weiß Lachyoga-Trainerin Regina Machander (rechts, blaues Kleid).

Viel bewegen, auch wenn es schmerzt

Gerade wenn man an Rheuma leidet, ist es wichtig, aktiv zu sein – auch wenn es schmerzt. „Bewegt man sich nicht, versteifen die Gelenke“, erklärt Werner. Lachen sei durch die sanften Kontraktionen der Muskeln eine sehr schonende Art der Bewegung.

Marianne Sperber ist seit 25 Jahren bei der Rheuma-Liga. Sie leidet an einer Rückgratverkrümmung und benötigt zudem ein Sauerstoffgerät. Es ist schon ihr zweiter Nachmittag beim Lachyoga. „Ich bin sehr zufrieden“, resümiert sie. Denn danach hätte sie weniger Atemprobleme.

Ihren Mann Johann hat das Lachen ebenfalls angesteckt. „Das ist eine tolle Sache und gut für die Stimmung.“ Außerdem lindert es seine Rückenschmerzen. „Legen Sie ihre Hände aufs Steißbein“, rät Machander. „Und jetzt lachen Sie.“ Johann Sperber soll sich dabei vorstellen, er würde Löwenzahn auf einer Wiese sehen. „Pflücken Sie ihn. Betrachten Sie die Blume. Pusten Sie. Und lachen.“

Wenig später stehen alle im Kreis. „So, nun legen Sie bitte alle Ihre Handflächen in die Ihrer Nachbarn. Eine nach oben, die andere nach unten“, verlangt Machander. Nach anfänglicher Verwirrung gelingt die Übung doch. „Was ist drei plus vier?“, will die Lachyoga-Trainerin wissen. „Neun!“, platzt es spontan aus Johann Sperber heraus. Kurzes Schweigen, dann lachen alle. Machander liefert die Erklärung: „Wenn man lacht, erreicht man eine Ebene jenseits des Denkens.“

„Wer viel lacht, kann auf Schokolade verzichten.“

Lachyoga-Trainerin Regina Machander

Das Lachen und seine Nebenwirkungen

Lachen hat zahlreiche positive Nebenwirkungen. „Beim vergangenen Mal war eine Teilnehmerin mit Blutdruckmanschette dabei. In der folgenden Nacht war ihr Blutdruck optimal“, erinnert sich Machander. „Außerdem ist Lachen gut für das Immunsystem, denn es erzeugt Wärme, und Wärme verbrennt Keime. Beim Lachen schüttet der Körper zudem Dopamin aus. Wer viel lacht, kann also auf Schokolade verzichten.“

Info:

Die Rheuma-Liga

Rheuma zählt mit über 100 Krankheitsformen zu der häufigsten Erkrankung in der Bevölkerung, erklärt die Deutsche Rheuma-Liga auf ihrer Website. Rund die Hälfte der Deutschen lebt mit Arthrosen, wovon laut einem Bericht des Gesundheitsministeriums fünf Millionen ständige Behandlung benötigen.

Die Rheuma-Liga ist eine bundesweite Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für rheumakranke Menschen mit knapp 100 Arbeitsgemeinschaften deutschlandweit. Die Verantwortlichen beraten Rheumakranke zu Fragen, Vorbeugung und möglichen Bewegungsarten. Zudem kümmern sie sich um die Kooperation von Ärzten, Patienten, Therapeuten und Helfern sowie um die Verbesserung der Lebenssituation und die politische Interessenvertretung für rheumakranke Menschen.

Weitere Informationen auf

www.rheuma-liga.de

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