Update 16.11.2018 - 18:39 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Landkreislauf landet vor Gericht

Ein "ganz normales Gespräch"? Oder flogen den Feuerwehrleuten, die einen 73-Jährigen in einem BMW nicht auf die abgesperrte Landkreislauf-Strecke lassen wollten, die "Arschlöcher" und "Deppen" um die Ohren? Das Gericht hört zwei Versionen.

Bei dieser Aufnahme vom Landkreislauf am 5. Mai hat es gut geklappt: Ein Posten der Feuerwehr hält die Autofahrer auf, die geduldig warten, bis alle Läufer vorbei sind. Ein Vorfall in Obersdorf, bei dem ein 73-Jähriger auf die abgesperrte Strecke fuhr, wird jetzt vor dem Amberger Amtsgericht verhandelt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Angelegenheit landete vor dem Amtsgericht, weil der Angeklagte den Strafbefehl nicht akzeptieren wollte, der auf eine Geldstrafe plus Fahrverbot lautete.

Vor Richterin Sonja Tofolini ging es deshalb sowohl um die Vorwürfe der Beleidigung als auch des Widerstands gegen Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichgestellt sind, des tätlichen Angriffs und der fahrlässigen Körperverletzung. Laut der von Kathrin Schenkl (Staatsanwaltschaft) vorgetragenen Anklage war der 73-Jährige nämlich mit seinem Pkw gegen die Schienbeine eines Feuerwehrmannes gerollt, der ihn nicht durchlassen wollte.

Der Rentner gab zu, dass er an diesem Samstagsmorgen im Mai die abgesperrte Straße im Ortsteil Obersdorf befahren habe, weil er nach Amberg wollte - zur Messe auf den Mariahilfberg. Er habe nichts von der Sperrung gewusst und sei vor Ort der Auffassung gewesen, er könne noch durch, weil keine Läufer auf der Strecke unterwegs gewesen seien. Jetzt sehe er seinen Fehler ein, es tue ihm "furchtbar leid". Er habe aber niemand verletzt oder beleidigt, die Absperrposten der Feuerwehr hätten ihn schließlich fahren lassen, nachdem er seine Gründe erläutert habe. Dabei seien beide Posten neben seinem Auto gestanden, so dass er gar keinen habe anfahren können.

Bei einem 25-Jährigen, der auf der Obersdorfer Straße als Feuerwehrmann für die Absicherung des Landkreislaufs sorgte, hörte sich das ganz anders an. Zunächst die Stimmungslage des Angeklagten: "Er war ziemlich aufgebracht."

Autofahrer uneinsichtig

Dann auch die Geschichte vom Weiterfahren: Der 73-Jährige habe nicht einsehen wollen, dass er die Straße jetzt nicht benutzen könne, und Anstalten gemacht Gas zu geben. "Da bin ich ihm vors Auto getreten." Zusammen mit seinem dort eingesetzten Kameraden von der Rosenberger Feuerwehr, so erzählte der 25-Jährige, habe er dem Senior deutlich gemacht, er solle hier stehen bleiben, man werde die Polizei rufen. Folge: "Er fuhr mir gegen das Schienbein." Der Anstoß habe dort einen kleinen blauen Fleck hinterlassen.

Als "Depp" beschimpft

Dass zu diesem Zeitpunkt durchaus noch Läufer auf der Strecke unterwegs waren, bestätigte der 31-jährige Posten-Kollege. Er erinnerte sich zudem, vom Angeklagten als "Depp" und "Arschloch" tituliert worden zu sein. "Ich habe ihm gesagt, dass wir das der Polizei melden."

Ähnliche Erfahrungen schilderte ein einzelner Feuerwehr-Sicherungsposten (54), der zuvor an einer Kreuzung Kontakt mit dem 73-Jährigen gehabt hatte: Er habe den BMW angehalten und dem Mann verboten, hier weiterzufahren. "Aber das hat ihn alles nicht interessiert." Stattdessen habe der Rentner den 54-Jährigen unvermittelt "aufs Übelste" beschimpft. "Es ist sogar der Spruch gefallen, wenn ich jetzt nicht zur Seite gehe, fährt er mir über die Füße."

Ein weiterer Einzelposten berichtete, er habe den Angeklagten gestoppt und ihm erklärt, "dass wir von der Polizei die Anweisung haben, hier keinen durchzulassen". Ohne Erfolg: "Er ist gleich losgefahren, bevor ich was machen konnte."

Die Polizeibeamtin, die dem 73-Jährigen eröffnete, dass gegen ihn eine Anzeige erstattet wurde, erlebte den Mann Stunden später noch als "relativ aufgebracht". Die Absperrung halte er für Blödsinn, habe er ihr erklärt. Ihre Entgegnung, "dass man die Arbeit der Feuerwehrleute wertschätzen muss, weil sie sich in ihrer Freizeit für andere einsetzen", habe keinen großen Eindruck auf ihn gemacht. Auch die Feuerwehrleute habe sie nach dem Einsatz als "aufgewühlt" erlebt, "weil keiner glauben konnte, was da gerade passiert war".

War Sperrung rechtmäßig?

Nachdem Richterin Tofolini die Staatsanwältin und Verteidiger Franz-Josef Köstler zu einem Gespräch in einen Nebenraum gebeten hatte, beantragte Köstler, das Verfahren für zwei Wochen auszusetzen. Man wolle in dieser Zeit versuchen, Ermittlungen anzustellen, mit denen die Aussagen eines Zeugen zu widerlegen seien. Sollte das nicht gelingen, könnte man den Widerspruch gegen den Strafbefehl zurücknehmen, deutete der Verteidiger an.

Sonja Tofolini terminierte die Fortsetzung auf den 6. Dezember. Bis dahin soll Köstler auch eine Stellungnahme zu der von ihm infrage gestellten Rechtmäßigkeit der Streckenabsperrung einreichen.

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